Bei der bewegenden Trauerfeier für Giorgio Vitulli waren Hunderte Menschen auf dem Friedhof in Bitz. Foto: © Vitulli

Ein sichtbares Zeichen dafür, wie viele Giorgio Vitulli gemocht haben, war die große Zahl an Trauernden bei seiner Beisetzung – und ein Trost für seine Familie.

Eine Wagenburg haben sie gebaut um die sichtlich tief getroffene Familie von Giorgio Vitulli, der im Alter von nur 64 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben ist: Hunderte von Trauernden sind auf den Friedhof nach Bitz gekommen, um Abschied zu nehmen von einem leidenschaftlichen Gastwirt, der vielen mehr als gute Küche und gute Gesellschaft geboten hat, sondern auch Heimat, Halt und Freundschaft.

 

Trauerrednerin Jessica Straubinger fand bewegende Worte über den Vater, Bruder und Freund, auf den man sich einfach immer habe verlassen können. Sie erzählte aber auch Anekdoten aus seinem Leben wie jene von der Reise mit seinen „Malle-Jungs“ nach Mallorca, bei der sich die Freunde die Zeit zum Abflug mit Getränken verkürzt – und dann den Flug verpasst hätten.

„Was kostet die Bluse? Ich zahl’s!“

Der Chef im Bitzer „Schlitzohr“, im Ebinger „TomTom“, im „Giorgios“ und im „Rad“ auf Neuweiler, das er bis zuletzt – 19 Jahre lang insgesamt – führte, habe zwar nie den Beruf des Kochs erlernt, aber legendär gute Gerichte gezaubert. Seinen Kolleginnen im Service-Team habe er es dann auch mal gesagt, wenn ihm eine Bluse, die sie trugen, nicht gefiel: „Was kostet sie, ich zahl’s!“ habe er dann gesagt. Und unzählige Male den Satz, den so viele mit ihm verbinden: „Ja wäga wa?“

So mussten manche doch ab und an schmunzeln. Das vorherrschende Gefühl aber war tiefe Bestürzung über Vitullis unzeitigen Tod, über das Loch, das er in so vielen Leben reiße, wie Straubinger deutlich machte. Nicht wenige schluchzten hemmungslos, als sie vom „Menschenfreund“ Giorgio Vitulli sprach, „der es so ziemlich mit jedem konnte“, der „Wirt mit Leib und Seele“, gutmütig und hilfsbereit gewesen sei.

Gänsehaut bei seinen Lieblingsliedern

Gänsehaut hatten wohl die meisten, als Angelo Quattrocchi das Lied „Il Ragazzo della via Gluk“ von Adriano Celentano – eines der Lieblingslieder des Wahl-Schwaben – sang, der selbst „miserabel“ Italienisch gesprochen habe, wie Straubinger augenzwinkernd verriet.

Tobias Conzelmann, dem Vitulli – wie so manchem Künstler und mancher Band – im Ebinger „TomTom“ eine Bühne für die ersten Auftritte geboten hatte, sang ein ergreifend schönes „Halleluja“, „Stairway to Heaven“ und „The Sound of Silence“, während die Trauergäste in einer nicht enden wollenden Schlange zum offenen Grab gingen, um es Blüten regnen zu lassen auf den Sarg. Ihn zierten ein Herz aus weißen Rosen – und drei Herzen mit den Namen seines Bruders, seiner beiden Töchter und seines Enkels.

Die Narretei ruht – aus Respekt

Dass so viele Freunde und Weggefährten Giorgio Vitulli das letzte Geleit gaben, schenkte der Familie sichtlich Halt. Im weiten Umkreis des Friedhofs war kein Parkplatz mehr zu finden gewesen – und die Narretei ruhte am Schmotzigen Donnerstag während der Trauerfeier. Aus Respekt für einen unvergesslichen Menschen.