Fühlt sich wohl in Stuttgart: Volleyballerin Emilie Olimstad (Mitte) Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Norwegerin Emelie Olimstad will als Beachvolleyballerin zu den Olympischen Spielen 2024 nach Paris. Vorher legt sie noch einen kleinen Umweg ein – warum ausgerechnet bei Allianz MTV Stuttgart?

Stuttgart - Im Volleyball ist es durchaus möglich, in der Halle und im Sand auf hohem Niveau zu spielen. Wer allerdings das allerhöchste Niveau erreichen will, muss sich irgendwann entscheiden. Drinnen oder draußen? Emilie Olimstad hat diese Frage für sich beantwortet. Daran wird auch ihr Gastspiel in Stuttgart nichts ändern.

 

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Die Norwegerin ist 20 Jahre jung, und sie hat als Außenangreiferin schon einiges erreicht. Olimstad war Nationalspielerin, schlug zudem zwei Jahre lang für die Ladies in Black Aachen in der Bundesliga auf. Tore Aleksandersen, der Trainer von Allianz MTV Stuttgart, sieht in ihr trotz der eher geringen Körpergröße von 1,78 Meter ein herausragendes Talent: „Sie hätte in der Halle eine super Zukunft haben können.“ Wollte sie aber nicht.

Gute Perspektiven am Strand

Emilie Olimstad hat einen anderen Spielplatz gewählt: den Sandkasten. „Ich mag es, draußen zu sein. Ich liebe die Freiheit“, sagt sie, „und es reizt mich, die Verantwortung für meine sportliche Entwicklung weitgehend selbst zu tragen.“ Die Perspektive ist nicht schlecht. Olimstad, die zum norwegischen Nationalkader gehört und entsprechend gefördert wird, will zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris, was ihr Kim Renkema auch zutraut. „Sie ist mutig, im positiven Sinne volleyballverrückt “, sagt die Sportdirektorin von Allianz MTV Stuttgart, „als sehr gute Allrounderin hat sie das Zeug, im Beachvolleyball eine ganz Große zu werden. Mit der richtigen Partnerin traue ich ihr den Sprung unter die besten acht Teams der Welt zu.“ Nach ihrer Zeit in Stuttgart.

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Denn ein Anruf von Tore Aleksandersen vor zwei Wochen hat die Pläne von Emilie Olimstad verändert, zumindest vorübergehend. Allianz MTV Stuttgart war auf der Suche nach einem kurzfristigen Ersatz für Hester Jasper, die mit einem Bänderriss im Sprunggelenk bis Ende des Jahres ausfällt – und damit auch bei den sechs wichtigen Spielen im Dezember fehlen wird, zum Beispiel im Topduell gegen den SSC Schwerin an diesem Freitag (20 Uhr). Olimstad kam gerade von einem Beachturnier aus Brasilien zurück, wollte eigentlich die Koffer für ein Trainingscamp in Spanien packen – und buchte nach dem Gespräch mit dem MTV-Coach, der sie als möglichen Notnagel schon vor der Verletzung von Hester Jasper im Blick hatte, spontan um. In Richtung Neckarpark. „Das nächste Turnier ist erst im Januar in Katar“, sagt sie, „wenn ich zwischendurch die Mannschaft in Stuttgart unterstützen kann, macht mich das glücklich. Zumal es gleichzeitig eine gute Gelegenheit ist, auf hohem Niveau zu trainieren.“

Aleksandersen: „Es ist die perfekte Lösung“

Dass Emilie Olimstad dem Bundesliga-Tabellenführer hilft, steht außer Frage. Zum einen quantitativ – Aleksandersen kann bei den Übungseinheiten in der Scharrena nun wieder zwei komplette Teams bilden. Aber natürlich auch qualitativ. Sollten Maria Segura Palléres oder Simone Lee Probleme haben, kann der Coach im Außenangriff bedenkenlos wechseln. „Sie ist stark in der Annahme und im Aufschlag, sehr lernfähig und clever, dazu eine super Athletin, die dank ihrer vorbildlichen Einstellung sehr gut zu uns passt“, sagt der Norweger über seine Landsfrau, „es ist die perfekte Lösung.“ Für sechs Wochen.

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Länger wird Emilie Olimstad nicht bleiben. Die 20-Jährige, deren Brüder ebenfalls Profisportler sind (Martin/24 spielt Volleyball, Markus/27 ist Snowboarder mit einem Weltcup-Sieg im Slopestyle), wird in den Sand zurückkehren. Der Vertrag, den sie mit dem norwegischen Verband abgeschlossen hat, lässt ihr keinen Spielraum – den sie allerdings auch gar nicht sucht. Das Kapitel Stuttgart ist zeitlich begrenzt und wird, wie auch immer es ausgeht, nichts an ihrem Vorhaben ändern, eine Weltklasse-Beachvolleyballerin werden zu wollen. „Nur darauf“, sagt sie, „liegt mein Fokus.“

Drinnen oder draußen? Das ist für Emilie Olimstad keine Frage mehr.