Die Stimmung bei der Hauptversammlung des Dehoga-Kreisverbands Freudenstadt ist „verhalten positiv“. Beim Tourismus und der Getränkegastro gibt es noch Luft nach oben.
Restaurantbesuche – für viele Menschen mittlerweile ein Luxus, den sie sich höchstens ein Mal im Monat leisten können. Entwicklungen wie diese gehen auch nicht am Dehoga-Kreisverband in Freudenstadt vorbei.
Bei der Hauptversammlung im Hotel Sonnenhof in Schönmünzach ging es vor allem um die Entwicklungen in der Gastronomie und der Hotellerie. Vertreter aus beiden Branchen im gesamten Kreisgebiet sind deswegen zusammengekommen.
Beate Gaiser, Kreisvorsitzende und neue stellvertretende Landesvorsitzende, machte den Anfang. Sie ging in ihrer Ansprache auf Themen wie steigende Kosten, anhaltenden Fachkräftemangel sowie sich verändernde Rahmenbedingungen im Tourismus ein.
Wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kreis
Mahnende Worte richtete Gaiser auch Richtung Landespolitik. Die anwesende und frisch wiedergewählte Landtagsabgeordnete Katrin Schindele (CDU) bat sie, „Problemfelder zu bearbeiten und nicht ewig Zeit mit Postenhascherei zu verplempern“.
Gaiser betonte auch die Wichtigkeit der Branche für den Kreis Freudenstadt. Mit rund 3115 Arbeitnehmern und 2390 geringfügig Beschäftigten sei das Hotel- und Gaststättengewerbe ein bedeutender Wirtschaftszweig. Im Kreis vertrete der Dehoga zudem 184 Betriebe.
Kann Senkung der Mehrwertsteuer helfen?
Die positiven Effekte der Gartenschau hätten gezeigt, dass durch die Bündelung von Kräften mehr erreicht werden könne. „Wir müssen gemeinsam für unsere Region werben und nicht wieder ins Kleinklein verfallen. Leider habe ich das Gefühl, dass es nicht überall so gesehen und verfolgt wird“, so die Kreisvorsitzende.
Als Riesenerfolg für die Branche bezeichnete sie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen. Die sieben Prozent seien endlich eine faire Regelung. Für die Gäste würde das aber nicht zwingend sinkende Preise bedeuten, vielmehr wirke die Senkung preisdämpfend aufgrund der gestiegenen Kosten.
Tourismus geht zurück
Der Leiter der Geschäftsstelle Baden-Baden des Dehoga Baden-Württemberg, Nicolai Danne, sprach von einem massiven Umsatzrückgang in der getränkeorientierten Gastronomie und von einer rückläufigen Tourismusentwicklung. „Wir können aber insgesamt von einer verhalten positiven Stimmung sprechen, trotz vieler Herausforderungen in der Branche“, so Danne.
„Die Wirte machen sich durch die Mehrwertsteuersenkung nicht die Taschen voll, vielmehr wird auch ein Teil an die Mitarbeiter weitergegeben durch höhere Löhne“, betonte er. Der Dehoga wolle auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, das bedeute jedoch nicht eine Abschaffung von Arbeitnehmerrechten, sondern eine Möglichkeit, die Arbeitszeiten nach Bedarf zu verteilen.
Kein Zeitdruck bei der Politik
Landtagsabgeordnete Katrin Schindele ging auf die laufende Regierungsbildung ein und betonte, dass man nicht unter Zeitdruck sei. „Wir müssen nichts übers Knie brechen“, sagte sie. Für die Zukunft wünschte sie sich, dass die Betriebe wieder Gewinne einfahren können und nicht auf staatliche Förderungen angewiesen sein müssten.
Einen besonderen Moment machten auch die vielen Ehrungen des Abends aus – insbesondere für das Hotel Lauterbad in Freudenstadt (50 Jahre), das Hotel Waldlust in Tonbach (40 Jahre) und das Hotel Adler (90 Jahre), ebenfalls in Freudenstadt.