Martina und Christian Weber von "Webers Esszeit" fehlen noch Mitarbeiter. Foto: Kornfeld

Monatelange Schließung, fehlende Planungssicherheit und steigende Inzidenzen: Die Gastronomie und der Einzelhandel kämpfen aktuell mit fehlendem Personal – auch die Geschäftsinhaber im Kinzigtal haben Probleme.

Mittleres Kinzigtal - Seitdem die Restaurants und die Geschäfte wieder öffnen dürfen, läuft es langsam wieder besser, ist der Tenor der meisten Inhaber im Kinzigtal. Auch der Tourismus läuft wieder an, in der Innenstadt schlendern immer mehr Menschen mittags durch die Straßen, genießen das schöne Wetter beim Bummel oder einem Kaffee. Doch gerade für die Gastronomie birgt das auch Probleme: Die Wirte suchen händeringend Personal, arbeiten teilweise von morgens bis abends durch und opfern ihre gesamte Freizeit für das eigene Geschäft. nFehlende Planungssicherheit ist großes Problem: Ralf Müller, Sprecher der Haslacher Wirte, erklärt: "Die Mitarbeiter in der Gastronomie verdienen im Normalbetrieb Nacht- und Wochenendzuschläge. Durch die Schließung sind diese Zulagen weggefallen und das Kurzarbeitergeld lag dann nur noch bei rund 45 Prozent. Das hat vielen nicht gereicht." Außerdem habe die Planungssicherheit gefehlt. Der Chef des Haslacher Restaurants "In vino veritas" könne selbst jetzt bei Weitem nicht so lange im Voraus planen wie sonst. "Normalerweise schreibe ich im August schon das Silvestermenü, das spare ich mir diesmal genauso wie im letzten Jahr."

Alle seiner Festangestellten seien trotz des Lockdowns mit an Bord geblieben, dafür habe er ihnen den Lohn erhöht und zuvor so gut es ging Essen zum Mitnehmen angeboten, um zumindest einen Teil des Lohns zahlen zu können.

nNicht alles auf Pandemie schieben: Martina Weber, die das Restaurant Webers Esszeit in Gutach betreibt, spricht von einem generellen Problem in der Branche – nicht alles sei auf die Pandemie zurückzuführen. "Alle wollen am Wochenende schick essen gehen und sich bequem und schnell bedienen lassen, aber die Arbeit dafür will niemand übernehmen." Die Gastronomiebetriebe hätten noch nie genügend Leute gehabt, das sei nicht erst seit der Pandemie so schwierig. Am verhältnismäßig einfachsten seien noch Teilzeitkräfte wie Schüler zu finden, die sich in den Ferien und nebenbei etwas dazu verdienen wollen. "Viele sind schon seit Jahren dabei und arbeiten wirklich super, sind flexibel, spontan und springen auch kurzfristig ein. Genau das ist in diesem Beruf wichtig."

Viel Personal fehlt

Weber und ihr Mann Christian sind von morgens um acht bis abends um 23 Uhr in ihrem Restaurant beschäftigt, bedienen ihre hungrigen Kunden und kümmern sich um deren Wohlergehen. "Die eigene Freizeit und das Privatleben müssen da oft zurückstecken. Wichtiger ist mir, dass meine Mitarbeiter Pause machen können und keine Überstunden machen müssen." Ihr fehlen eine Reinigungskraft, zwei Servicekräfte, zwei bis drei Köche und mehrere 450-Euro-Kräfte. Trotzdem kann sie sich keinen anderen Beruf vorstellen und ist froh, dass wieder viele Gäste nach Gutach kommen und auch die Einheimischen sie so gut unterstützen.

n Traumhafter, aber unsicherer Beruf: Auch im Einzelhandel herrscht Personalmangel, bestätigt Erwin Moser, der zwei Bekleidungsgeschäfte in Hausach und Zell betreibt. Bereits vor der Pandemie sei es schwierig gewesen, neue Angestellte zu finden. "Gerade die Teilzeitkräfte sind abgewandert und haben sich eine sicherere Branche zum Arbeiten gesucht", sagt er. Das seien meist systemrelevante Berufe wie die Lebensmittelindustrie gewesen, die auch im Lockdown geöffnet bleiben durfte. "Diese Sicherheit kann der Einzelhandel nicht bieten. Dafür aber einen traumhaften Job, bei dem man kommunikativ sein kann, immer wieder neue Menschen kennenlernt und Freude am Arbeiten hat."

nEssen zum Mitnehmen weiterhin gefragt: "Die Gastronomie läuft, tut sich aber schwer mit den Abstandsregeln, weil das keine Vollauslastung zulässt", sagt Reinhold Waidele vom Gewerbeverein Wolfach. Auch er spricht von Personalproblemen bei den Wirten. "Einige Gastronomen legen ihr Hauptaugenmerk deshalb immer noch auf den Verkauf zum Mitnehmen".

Die Auslastung im Einzelhandel sei unterschiedlich von okay bis sehr gut. Das Einkaufsverhalten sei noch immer etwas verhaltener, was auch an den fehlenden Touristen liege, die sonst die Geschäftsinhaber und ihre Mitarbeiter gefordert hatten.

Seit einigen Tagen gilt in der Ortenau wieder Öffnungsstufe 2, weil der Inzidenzwert an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen höher als zehn war. Das bedeutet für den Besuch im Restaurant oder in Geschäften weiterhin keine besondere Regelung und keine Beschränkung der Personenanzahl. In geschlossenen Räumen gilt Rauchverbot. Bei privaten Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sind nur maximal 200 Personen erlaubt, die entweder getestet, genesen oder geimpft sind.