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Gastronomie und Einzelhandel Ist neuer Lockdown Todesstoß für Kernstadt in Horb a. N.?

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Foto: Gilang Prihardono – stock.adobe.com

Horb - Neben der Vollsperrung der B 32 bei Nordstetten und den vielen dadurch verursachten Staus droht jetzt auch noch ein neuer Lockdown für Gastronomie und Einzelhandel! Ist das der Todesstoß für die Kernstadt von Horb?

Da braut sich was zusammen in Berlin und Stuttgart: Der Bund will einen Lockdown durchsetzen. Heißt im Klartext: Gastronomie und Einzelhandel sollen geschlossen werden.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) legt noch einen drauf: Er will einen kompletten Lockdown für eine Woche im Ländle! Auch Schulen und Kitas sollen dicht gemacht werden.

Ein Schock für die Horber. Carsten Müller, Gastronom und Sprecher der Wirte bei Horb Aktiv: "Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Ich verstehe solche Überlegungen nicht. Wenn selbst das RKI sagt, dass die Gastronomie kein Treiber für die Corona-Infektion ist, dann macht ein Lockdown für unsere Branche keinen Sinn."

"Hygienekonzepte in der Gastronomie funktionieren"

Fakt ist: Das Robert-Koch-Institut hat im "epidemiologischen Bulletin" vom 17. September die Zahl der Corona-Ausbrüche und der daraus ermittelten Corona-Fälle bis 11. August ermittelt. Ergebnis: Privater Haushalt: 3902 Ausbrüche/12 315 Fälle. Pflegeheim: 709 Ausbrüche/13 314 Fälle. Arbeitsplatz: 412 Ausbrüche/5824 Fälle. Krankenhaus: 402 Ausbrüche/4107 Fälle. Ambulante Behandlungseinrichtung, Praxis: 123/710 Fälle. Speisestätte unspezifisch: 4/30 Fälle. Restaurant, Gaststätte: 38/273 Fälle. Insgesamt untersuchte das Robert-Koch-Institut 202 225 Fälle. Klartext: 300 von über 200.000 Fällen – das ist im Promillebereich.

Carsten Müller sagt deshalb: "Das zeigt, dass die Hygienekonzepte in der Gastronomie funktionieren. Wenn man unsere Betriebe noch mal schließen sollte, dann dürfte angesichts der weiter steigenden Fallzahlen durch die Erkältungszeit bis Februar gar nichts gehen!" Soll heißen: Dann dürften viele Gastronomen Pleite gehen.

Die Wirte sind stinksauer, der Einzelhandel zittert Beate Gaiser, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Freudenstadt: "Die gesamte Branche ist verärgert. Hoteliers und Gastronomen sind auf 180! Ich werde bombardiert von Anrufen und Nachrichten. Der jetzt im Raum stehende Lockdown für die Gastronomie ist eine Ohrfeige für alle, die sich anständig benehmen. Die Stimmungslage zusammengefasst: Warum will man uns wieder zum Sündenbock machen? Wir müssen uns dagegen wehren!"Die Dehoga-Vorsitzende spricht von "Unmut. Es kocht regelrecht, die Kollegen sind sowas von sauer. Alle die, die es bis jetzt noch geschafft haben, macht man kaputt, wenn ein Lockdown kommen würde!" Und Gaiser bringt auch auf den Punkt, was das für den Einzelhandel bedeuten könnte. Die Dehoga-Kreisvorsitzende: "Wenn man Gastrostomie und Hotellerie in unseren Orten tot macht, macht man den Einzelhandel im zweiten Schritt kaputt. Gerade im ländlichen Raum."

Es droht: "Kein Leben mehr in den Innenstädten"

Das befürchtet auch Thomas Kreidler, City-Manager von Horb: "Da kann ich Beate Gaiser nur zustimmen. Die Gastronomie braucht den Handel und umgekehrt – ohne sie ist kein Leben mehr in den Innenstädten!"

Ist Horb neuer Hotspot im Landkreis Freudenstadt? Stand gestern gibt es im Landkreis sechs "Neuinfizierte" – Menschen mit positivem Coronatest. Auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses Freudenstadt wird kein Corona-Patient behandelt. Das bestätigt auch Landkreissprecherin Sabine Eisele: "Stand Montag wurden in der Klinik Freudenstadt sieben positiv getestete Patienten in der Isolierstation behandelt, keiner dieser Patienten liegt auf der Intensivstation."

Am vergangenen Montag sah es so aus, dass Horb neuer Hotspot werden könnte: 13 neue Fälle in der großen Kreisstadt, sechs in der Kreishauptstadt Freudenstadt. Landkreissprecherin Eisele: "Grundsätzlich ist zu diesen Zahlen anzumerken, dass die am Montag veröffentlichte Zahl der Neuinfektionen die Summe von drei Tagen (Samstag, 24. bis Montag, 26. Oktober) abbildet."

Am gestrigen Dienstag kamen drei neue Fälle aus Empfingen dazu, einer aus Horb. Aus Freudenstadt keiner.

Keine Hotspots in Sportvereinen, bei Familienfeiern oder in Fitnessstudios

Haben sich in Horb oder im Landkreis Menschen in der Gastro oder im Einzelhandel mit Corona angesteckt? Das Kreisgesundheitsamt verfolgt bei positiven Tests die Kontaktpersonen und über die Meldelisten in der Gastronomie auch die Aufenthaltsorte. Landkreissprecherin Eisele: "Ein eindeutiges Muster des Verbreitungswegs der Infektionen lässt sich nach den uns vorliegenden Informationen nicht erkennen. Im Prinzip haben sich die meisten Menschen in allen Bereichen des Alltags beruflich und privat infiziert. Wir haben keine Hinweise auf ›Hotspots‹ in Sportvereinen, Familienfeiern oder Fitnessstudios. Stand heute verzeichnen wir auch keine Infektionen in Sammelunterkünften für Flüchtlinge oder in Alten- und Pflegeheimen. Auch sind uns keine Infektionen bekannt, die ihren Ursprung in der Gastronomie haben."

Falls es Landkreis und das Rathaus Horb entscheiden können – für Lockdown oder dagegen? Landkreissprecherin Eisele: "Da die Infektionslage diffus ist und sich die Infektionen nunmehr in der gesamten Bevölkerung verbreitet haben, kann nur eine konsequente Einhaltung der geltenden Regeln und darüber hinaus eine weitgehende Einschränkung der sozialen Kontakte durch alle Bürgerinnen und Bürger dazu führen, dass die Infektionszahlen wieder sinken."

Horbs Rathaussprecherin Inge Weber wird deutlicher: "Die Stadtverwaltung hält eine differenzierte Betrachtung für geboten, denn weitere Maßnahmen müssten dort ergriffen werden, wo auch die Infektionen herrühren. Das Kreisgesundheitsamt sieht daher keine Veranlassung für weitere Maßnahmen, als den jetzt bereits angeordneten."

Private und berufliche Infektionsquellen

Und was ist konkret mit einem Gastro- oder Einzelhandel-Lockdown? Weber: "Sollte es sich jedoch herausstellen, dass weitere Infektionen aufgrund spezieller ›Treiber‹ auftreten, dann werden Landkreis und die Stadt Horb auf diese Ereignisse reagieren. Zur Zeit scheinen die größten Infektionsquellen aber aus dem privaten und beruflichen Umfeld herzurühren. Und genau dort stoßen behördliche Regelungen und Kontrollen auch an ihre Grenzen."

Die Landes-CDU fordert schon Hilfs-Polizisten oder Security, um die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen. Auch eine Option für Horb? Rathaussprecherin Weber: "Der städtische Vollzugsdienst verstärkt seine Kontrollen im öffentlichen Raum. Der gemeindliche Vollzugsdienst wird bei Bedarf von städtischen Mitarbeitenden aus anderen Bereichen unterstützt, den Einsatz einer privaten Security erwägen wir nicht."

Dehoga warnt vor "Lockdown durch die Hintertür" Die Appelle von Landkreis und Rathaus Horb an die Bürger, die Kontakte so weit wie möglich zu beschränken, findet der Dehoga zwar nachvollziehbar, bleibt aber kritisch. Beate Gaiser: "Wenn die Kanzlerin dazu appellieren würde, die Kontakte einzuschränken und nicht in die Gastronomie zu gehen, wäre das für uns ein Lockdown durch die Hintertür. Das bestätigt das Landratsamt erneut: Die Gastro und die Hotels im Landkreis – und auch im ganzen Land – sind sicher! Unsere Hygienekonzepte funktionieren und schützen die Gäste, aber auch unsere Beschäftigten."

"Schulen nicht Treiber des Infektionsgeschehens"

Was droht an den Schulen? Götz Peter, geschäftsführender Schulleiter von Horb: "Schulen sind nach wie vor nicht Treiber des Infektionsgeschehens. Politik und Gesellschaft sollten alles dafür tun, sie möglichst dauerhaft offen zu halten. Was ich mir allerdings in der Tat vorstellen kann, ist ein ›Schichtbetrieb‹ im vor- und nachmittäglichen Wechsel, das heißt: Die erste Hälfte der Schüler ist von 8 Uhr bis 11.30 Uhr im Präsenzunterricht, die zweite Hälfte kommt um 12 Uhr und bleibt bis 15.30 Uhr. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Schüler jeweils auch mit dem ÖPNV an- und abfahren können. Dieses Modell hätte den Vorteil, dass aufgrund der kleinen Gruppen im Unterricht ausreichend Abstand gehalten und dann auch auf die Maske verzichtet werden könnte. Eine andere Möglichkeit wäre der wöchentliche Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht – wir haben damit ab Mai bis zu den Sommerferien durchaus recht gute Erfahrungen gemacht."

Was ist seine persönliche Meinung zu einem drohenden Schul-Lockdown? Peter: " Sollte der Vorschlag des Baden-Württembergischen Innenministers aufgegriffen und umgesetzt werden, so müsste die Woche im Lockdown sich direkt an die Herbstferien anschließen – sonst würde das ganze aus meiner Sicht wenig Sinn machen. Und auch diese Maßnahme sollte nicht flächendeckend, sondern regional und nur bei ›roten‹ oder gar ›dunkelroten‹ Inzidenzwerten erfolgen. Aber wie bereits gesagt: Ein Präsenzbetrieb hat für mich Vorrang, den Elternhäusern und dem Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler zuliebe."

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