Bei immer mehr Lokalen ist draußen um 22 Uhr Schluss. Einsprüche gegen städtische längere Sperrzeiten sind das eine: Gastronome wollen jetzt bewusst die Lokal-Lichter ausknipsen.
Wenn unsere Redaktion Saki Bantolas vom „Zuma“ in der Villinger Färberstraße auf den Monat März anspricht, kommt alles in ihm auf, nur keine Frühlingsgefühle.
Im Monat März 2025 bekam er direkt nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss die Order, seine Außenterrasse nur noch bis 22 Uhr offen zu halten: Andere Gastronome durften dagegen bis 23 Uhr respektive Mitternacht draußen bewirten.
Betroffen von der Regelung war auch sein gastronomischer Nachbar, das „Don Antonio“. Bantolas legte Widerspruch ein und scheiterte, die Ablehnung durch das Regierungspräsidium bekam er ein Jahr später, im März 2026.
Immer mehr Betriebe
Doch die Reihe der Betriebe, die in Villingen-Schwenningen mit einer strengeren Sperrzeit leben müssen, ist länger geworden, das strikte Reglement-Netz zieht sich schon längst nicht mehr nur über die Färberstraße in Villingen.
Nach Auskunft von Patrick Ganter, Pressesprecher der Stadt Villingen-Schwenningen, sind es mittlerweile 18 Gaststätten in Villingen, zwölf in Schwenningen und vier in den Ortschaften. Wichtig zu beachten sei aber, dass einige dieser Gaststätten von sich aus eine Sperrzeit bis 22 Uhr beantragt haben, ergänzt Ganter.
Ist es richtig, dass nach den Lokalen Varia, Namos, Don Antonio und Zuma nun auch die Lokale Ott und Irish Pub um 22 Uhr ihre Außenbewirtschaftung beenden sollen? Bestätigen möchte der städtische Pressesprecher dies nicht: „Aufgrund der beiden noch laufenden Verfahren können wir diesbezüglich derzeit keine Auskunft erteilen.“ Die Frage, ob möglicherweise weitere dazukommen, beantwortet er vage. „Ja, möglicherweise.“
Grundlage für die längeren Sperrzeiten sind in allen Lokal-Fällen Gaststättenrecht/Lärmprognoseberechnungen „sowie einschlägige (obergerichtliche respektive letztinstanzliche) Rechtsprechungen „zum Schutz von Anwohnern vor schädlichen Umwelteinwirkungen“, soweit die Auskunft aus der städtischen Pressestelle.
Domenico Wittkopf äußert sich zu weiteren Verschärfungen und der möglichen 22-Uhr-Regelung für die Außenbewirtung. „Klar, haben wir Widerspruch eingelegt“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
„Die Färberstraße ist seit Einführung der generell strengeren Sperrzeiten ohnehin tot.“ Eine Beobachtung, die auch andere machen, die an einem Donnerstagabend durch die Kneipenmeile gehen oder besser gesagt, sich darin verlieren.
Konzertierte Aktion geplant
Die beiden langjährigen Gastronomen überlegen gemeinsam, ob sie nicht mit einer konzertierten Aktion ein Zeichen setzen sollten: Während Apotheken im Dezember für einen Tag lang nur mit Notbeleuchtung arbeiteten, um auf ihre wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen, wollen Wittkopf und Bantolas für die Gastronomie nun einen Schritt weiter gehen.
In ihren Lokalen und auch in anderen soll für einen Tag lang das Licht erst gar nicht eingeschaltet werden. Und zwar an einem Tag, „an dem ein großes Event geplant ist und viele Menschen in die Stadt kommen“. Mit einem solchen „Streik“ ließe sich gut darstellen, welchen Charme Innenstädte noch haben, wenn Gaststätten dunkel bleiben.
Wittkopf möchte in den kommenden Tagen das Gespräch mit seinen Kollegen suchen. Denn „wir beleben doch die Innenstadt“. Eine Studie gibt den Wirten Recht: Rund 60 Prozent aller Besucher kommt wegen des gastronomischen Angebots in eine Stadt.
Mögliche Lösung
TA Lärm
Die eleganteste Lösung, um aus der Sperrzeiten-Spirale herauszukommen: Eine Korrektur der derzeit geltenden TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) , die die Basis für die strengeren Vorgaben bildet. Für eine Lockerung macht sich vor allem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) stark. Derzeit liegt die Lärmgrenze in Mischgebieten wie der Färberstraße bei 45 Dezibel. Ein Realitätscheck: Ein normales Gespräch bewegt sich zwischen 60 und 65 Dezibel.