Massiver Fachkräftemangel, steigende Lohn-, Energie- und Lebensmittelkosten – die Gastronomie steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Doch nun soll auch die Mehrwertsteuer wieder erhöht werden. Das bedroht die Existenz vieler Gastronomen – auch in Villingen-Schwenningen.
Für die Gastronomen sind es aktuell schwere Zeiten. Während der Pandemie mussten Restaurants zeitweise schließen, jetzt sehen sich die Wirte unter anderem mit steigenden Energiekosten und fehlenden Fachkräften konfrontiert. Um die Gastronomie während der Pandemie zu entlasten, wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent gesenkt – doch damit soll jetzt Schluss sein. Die Regelung läuft Ende des Jahre aus.
Umfrage der Dehoga Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer hätte für die Branche fatale Folgen, wie eine Umfrage des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg ergab. Demnach gaben 8,4 Prozent der Gastronomen an, dass sie ihren Betrieb bei einer Rückkehr zu den 19 Prozent schließen müssten. Im Schwarzwald-Baar-Kreis wären das 40 Betriebe, deren Existenz bedroht ist.
Das sagt die Branche Das betont auch Michael Preis, Geschäftsführer vom Flair Hotel Grüner Baum in Donaueschingen und Vorsitzender der Dehoga Schwarzwald-Baar. „19 Prozent Mehrwertsteuer führen dazu, dass es noch mehr Dörfer ohne Dorfgasthaus geben wird, noch weniger Einkehrmöglichkeiten an Wanderwegen und dass es noch schwieriger werden dürfte, Innenstädte durch gute, vielfältige Gastronomie zu beleben“, ist sich Preis sicher.
Klare Worte findet auch Jochen Schwarzwälder, Inhaber vom Restaurant „Zum Kuckuck“ in der Villinger Färberstraße. Die Probleme der Gastronomie seien sehr vielschichtig, so Schwarzwälder. Steigende Lebenshaltungskosten und Lebensmittelpreise, hohe Energiepreise, Miete und Pacht, und der dramatische Fachkräftemangel stellen nahezu unüberwindbare Hürden dar. „Diese Faktoren sind während der Coronakrise immer weiter gestiegen, sodass eine Entlastung durch die Reduktion der Mehrwertsteuer auf Speisen in dieser Zeit verpufft ist“, weiß der Gastronom. In der Folge müsse eine Mehrwertsteueranpassung zu einer Erhöhung der Preise führen. Hinzu kämen auch noch lokale Problematiken, wie beispielsweise die Sperrzeitenverlängerung in in der Färberstraße.
Weniger Menschen gehen ins Restaurant
„Es werden sich zwangsläufig weniger Menschen leisten wollen oder können, in einem Restaurant essen zu gehen“, ist sich Schwarzwälder sicher. Der Gastronom könne diesen Umsatzeinbruch nur über den Einkauf preiswerterer Waren oder einer Reduzierung des Personals steuern. „Beide Lösungen sind zutiefst beunruhigend und spiegeln nicht unser Verständnis von Gastlichkeit wider, da beides eine Unzufriedenheit bei Kunden und Personal fördert“, so der Inhaber. Und das wiederum würde darin enden, dass der Fachkräftemangel in der Branche weiter befeuert werde, weil immer weniger Perspektiven aufgezeigt werden könnten. „Eine frische Küche, so wie wir diese anbieten, sollte für jeden Bürger erschwinglich bleiben. Qualität hat aber ihren Preis. Die dadurch entstehenden Kosten müssen gedeckt werden können“, sagt Schwarzwälder.
Preiserhöhung „Bisher konnten wir die enormen Kostensteigerungen über den reduzierten Steuersatz etwas abfedern“, sagt der Dehoga-Vorsitzende. Doch dafür gäbe es mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer keine Reserven mehr. Diese müsste die Branche eins zu eins an die Gäste weitergeben. Preis ist sich sicher, dass das zu einem Preisschock führen würde.
Saki Bantolas, Inhaber vom Restaurant „Zuma“ in Villingen, müsste die Preise auf seiner Speisekarte im Falle einer Mehrwertsteuererhöhung ebenfalls um circa zehn bis 15 Prozent anpassen. Leidtragender sei der Endkunde, sagt Bantolas. Eine Erhöhung wäre fatal, zumal die Lebensmittelpreise mit dem Krieg in der Ukraine im Schnitt um mindestens 30 bis 35 Prozent gestiegen seien, Getränke um circa zehn Prozent, ganz zu schweigen von den erhöhten Energiepreisen. Dass er dadurch Kunden verlieren könnte, vermutet er nicht, „aber ich denke das viele dann einfach weniger ausgehen“, sagt Bantolas, und das vor allem im Winter, wenn die Menschen ohnehin unter hohen Heizkosten leiden.
Auch Schwarzwälder würde mit einer Preiserhöhung reagieren müssen: „Weil wir fest entschlossen sind, unsere Qualität beizubehalten, ist eine Erhöhung der Preise in diesem Fall die letzte Option, welche wir dann aber leider auch ziehen müssen.“
Gesellschaftliche Folgen Schwarzwälder sieht in einer Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent auch ein gesellschaftliches Problem, denn diese würde die Spanne zwischen Arm und Reich erweitern. Und weitere Betriebsschließungen, wovon Schwarzwälder ausgeht, würden die Lebensqualität im Allgemeinen senken. Ein Restaurant sei weit mehr, als nur ein Ort, an dem etwas gegessen und getrunken wird. Er möchte für schöne Momente sorgen und sein Restaurant soll als Ort des gesellschaftlichen Austausch fungieren. „Wir wollen niemanden ausgrenzen, nur weil er oder sie es sich nicht leisten kann. Hierfür brauchen wir die richtigen politischen Entscheidungen“, fordert er.