Mieser Sommer, weniger Lokale in VS und der Daueraufreger Sperrzeiten und Nachtruhe. Und genau da setzt Gastronom Michael Steiger an.
Ein verregneter Juli, das Spiegelbild für einen Sommer, der nur wenige Wochen einer war. Für die Gastronomen aus Villingen-Schwenningen, die auch außen bestuhlen, fiel die Bilanz entsprechend aus: „Das war nix, kann nächstes Jahr nur besser werden.“
Die Umsätze zeigten nach unten auf den Terrassen: „Wir haben das schon sehr stark gespürt“, zieht Saki Bantolas vom „Zuma“ in Villingen Bilanz. Das Wetter gastronomie- und gästefreundlicher zu verändern, das wird wohl in absehbarer Zeit nix. Doch an einem möglichen Korrekturknopf ist der Deutsche Hotel-und Gaststättenverband (Dehoga) dran.
Was es mit einer vom Verband geforderten bundesweiten Veränderung auf sich hat, dazu äußert sich Michael Steiger, stellvertretender Kreisvorsitzender im Hotel- und Gaststättenverband Schwarzwald-Baar und Mitglied im Bundesverband.
Mit Blick auf die örtlichen Kapriolen um Lärmbelästigung und das Auf und Ab der Sperrzeitenreglements sei eine Korrektur dringend nötig, bekräftigte Steiger im Gespräch mit unserer Redaktion. Nicht nur der langjährige Gastronom, Steiger hat drei Pubs, zwei in Villingen-Schwenningen und eines in Tuttlingen, schüttelt den Kopf über die sogenannten Eckdaten der TA Lärm.
Kuriosum in VS
Er hofft mit einer Veränderung auch ein Kuriosum aus VS abstellen zu können: Seit diesem Frühjahr müssen fünf Betriebe ihre Terrassen um 22 Uhr schließen, während die übrigen Gastronomen bis 23 Uhr, respektive 24 Uhr am Wochenende wirten dürfen. Hintergrund der unterschiedlichen Regelung in Villingen: Aufgrund einer Lärmmessung an einem Tag über zwei Stunden sah sich die Stadt zu diesem Schritt für die bestehenden Lokale Zuma und Don Antonio veranlasst.
Bei anderen, vor allem neuen Lokalen, war der unterschiedliche Ansatz eher prophylaktisch: „ Liegt der berechnete Wert in der Lärmprognose über dem für das Baugebiet festgelegten Lärmwert, müssen die Tische nach 22 Uhr abgeräumt werden.
Fünf-Punkte-Plan
Das entspricht einer Geräuschkulisse eines normalen Gesprächs. Die Lärmprognose ist bereits vor Eröffnung eines Betriebes zu erstellen und bildet die Grundlage für die Erlaubnis oder das Versagen dieser“, so die Stadtverwaltung im Juli 2025.
Und genau bei diesem Grenzwert, der für Gastronomiebetriebe in Mischgebieten (wie der Färberstraße) gilt und ab 22 Uhr bei 45 Dezibel liegt, möchte der Dehoga ansetzen, zur Stärkung der Nachtgastronomie wurde ein Fünf-Punkte-Plan vom Bundesverband aufgelegt.
Darüber hinaus habe sich das Ausgehverhalten in den vergangenen Jahren verändert. Immer mehr Menschen möchten spät nachts eine Bar oder einen Club besuchen, wie sie es auch aus südeuropäischen Ländern kennen.