Die Mehrwertsteuer auf Speisen wird von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Wie sieht das die heimische Gastronomie – werden dadurch Zwiebelrostbraten und Pizza billiger?
Seit dem 1. Januar beeinflusst nicht nur der europäische CO₂-Zertifikatshandel die Heizöl- und Benzinpreise – vermutlich nach oben –, auch in der Gastronomie tut sich etwas.
Denn die Bundesregierung hat den Mehrwertsteuersatz auf Speisen in Restaurants und Cafés von 19 Prozent – wie schon während der Corona-Pandemie und wegen des Krieges in der Ukraine – auf sieben Prozent herabgesetzt.
Schlechtes Jahr 2025
Agim Selmanaj, Inhaber des Ristorante Burg, begrüßt diesen Schritt. „Da bleibt mehr in der Kasse“, erklärt er. Und das sei wichtig – schließlich seien auch in seinem Familienbetrieb die Kosten für Energie, Wasser und auch beim Lebensmitteleinkauf gestiegen.
„Die sieben Prozent verschaffen uns da ein bisschen Luft“, erläutert er. So könne er sich vorstellen, dass einige Angebote auf seiner Karte deshalb etwas günstiger würden, andererseits habe er mit 2025 ein ziemlich schlechtes Jahr „im Gepäck“.
Essengehen „gehört dazu“
Die Kunden hätten nicht mehr so viel Geld, lautet seine Einschätzung – alle müssten sparen. „Jeder hat höhere Ausgaben“, beschreibt der 52-Jährige die Situation. Nichtsdestotrotz sei das Aus- und Essengehen ein wichtiger kultureller Bestandteil.
„Das gehört zum Leben einfach dazu“, findet Selmanaj. Außerdem freuten er und sein Team sich sehr, der Kundschaft mit ihrem Angebot schöne Momente zu bereiten. „Wer hierherkommt, spart sich das Kochen und den Abwasch“, scherzt er.
Und hofft, dass 2026 für die Gastronomie deutlich besser werde als das Vorjahr.
„Hecht“ ist gut besucht
Und wie sieht es 180 Meter weiter im Gasthof Hecht aus? Dort war die finanzielle Lage auch dramatisch gewesen – stand schließlich die Schließung der Gaststätte zum 31. August 2024 im Raum.
Doch dann die Wende: „Wir werden gut besucht, da können wir uns nicht beschweren – vor allem mittags“, blickt Inhaber Andrej Zabcic auf das Jahr 2025 zurück – und die Chance, die er sich, seinem Team und dem Traditionslokal noch einmal gegeben habe.
Gaststätten sind Stadtgesellschaft
An den voll besetzten Tischen zur Mittagszeit merke man, dass der „Hecht“ einfach zu Sulz gehöre. „Wir Gastronomen sind die einzigen, die die Stadt abends noch beleben“, betont Tamara Zabcic.
Immer mehr Leerstände, kaum neue Geschäfte, die eröffnen – „Gaststätten sind wichtig, um das soziale Leben aufrecht zu erhalten“, findet sie. Und ohne den „Hecht“ hätte auch ein Teil des Sulzer Stadtlebens aufgehört zu existieren. Wobei man sich beim „Hecht“ nicht nur auf Essen und Getränke in der Wirtschaft beschränke. Es gibt schließlich noch den Foodtruck.
Hecht-Truck fährt und kocht
Anfangs wegen Renovierungsarbeiten der Küche lediglich als mobile Kochstation auf der Terrasse eingesetzt, ist der Foodtruck inzwischen zur festen Institution in der Region geworden.
Ob Easter-Cross in Oberndorf, Rock am Burghaldenwald in Vöhringen oder – so ist es geplant – das RV Bang-Festival 2026 in Balingen: Der Hecht-Truck ist immer dabei, wie die Betreiber berichten. „Da werden Tausende Besucher erwartet“, skizziert Andrej die Größe des Heavy-Metal-Festivals im Zollernalbkreis.
Optimistisch ins neue Jahr
Und auch über zahlreiche Übernachtungsgäste konnte sich das Team des Gasthofs Hecht freuen. Hatte man 2024 nur 36 Prozent Auslastung, stieg die Bettenbelegung 2025 auf 63 Prozent.
Einen Großteil machten Handwerker aus – schließlich wird in Sulz und Umgebung kräftig gebaut. Und auch für 2026 ist man optimistisch.
Die Absenkung der Mehrwertsteuer setze darüber hinaus noch die passenden Rahmenbedingungen.
Zwar könne man jetzt noch nicht sagen, wie sich das restliche Jahr entwickele, aber – „vielleicht können wir auch die eine oder andere Investition tätigen“, blickt er optimistisch nach vorne.