„Grotte“-Wirtin Evangelia „Litsa“ Stefani freut sich auf den Ruhestand. Ihre Gäste wird sie aber vermissen. Foto: Steinmetz

Das Lokal ist eine Institution in Sulz. Die Küche schätzt man über das Neckartal hinaus. Doch das ist bald Vergangenheit, auch wenn Evangelia „Litsa“ Stefani auf Nachfolge hofft.

Am 30. April öffnet Evangelia „Litsa“ Stefani zum letzten Mal die „Grotte“. 37 Jahre lang war sie Wirtin. Dass sie nun aufhört, bedauern ihre vielen Stammgäste. Ein Abschiedsfest will sie nicht machen. „Das wäre für mich sehr emotional“, erklärt sie.

 

Verständlich: Sie war Wirtin mit Leib und Seele. „Das war meine Berufung. Sonst hätte ich es nicht so lange durchgehalten“, erklärt die 62-Jährige. Sie ist sich sicher: Die Gäste werden ihr fehlen.

Sulz ist zur Heimat geworden

Im nordgriechischen Kavala ist sie geboren, zehn Kilometer weit entfernt vom Strand. Das dortige Elternhaus gehört ihr. Hier hat sie bisher schon Urlaub gemacht, und die kommenden Sommermonate will sie dort auch wieder verbringen. „Ich wandere aber nicht aus“, versichert sie. Sulz ist für sie inzwischen zur Heimat geworden. 1988 war sie über Athen, Berlin und Singen an den Neckar gekommen, um die „Grotte“ zu übernehmen.

Die Wirtschaft gibt es schon seit 1953. Den Namen hat das Lokal wegen seiner außergewöhnlichen Einrichtung. Der frühere Eigentümer Albert Keck hatte das Interieur der blauen Grotte auf Capri mit viel Pappmaché nachempfunden. Er wollte so, wenige Jahre nach dem Krieg, den Urlaub nach Sulz holen.

Seither blieb die außergewöhnliche Ausstattung unverändert. Diese macht ja auch den Charme der „Grotte“ aus. Nur ab und zu musste die Wirtin zur Sprühdose greifen, um ein paar abgenutzte Stellen auszubessern. Das Regal mit den Gläsern und Flaschen hinter der Bar stammt ebenfalls noch aus der Anfangszeit. Ansonsten gab es nur kleinere Veränderungen. So hat sie die „Grotte“ etwas heller und freundlicher gestaltet, indem sie drei Fenster wieder öffnete.

Freundschaften sind entstanden

Das Haus ist um 1800, wenige Jahre nach dem großen Stadtbrand in Sulz, gebaut worden. Die Fassade hat Evangelia Stefani neu verputzt, Dach und Fenster erneuert. Innen wurden die Toiletten renoviert. Sie hat in den vergangenen Jahren immer wieder investiert, um das Gebäude mit dem Restaurant „in Schuss zu halten“.

Wenn die „Grotte“ bald schließt, geht in Sulz ein Kultlokal verloren. Die Nächte konnten hier lang werden. Jeder war willkommen, auch der, der nur ein Glas Bier an der Bar trinken wollte. Die Sulzer Stadträte hielten oft noch ihre Nachsitzung ab. Vereine trafen sich zu Stammtischen. An der Fasnet erzählten die Breagler ihre närrischen Geschichten. Besonders gern erinnert sich die Wirtin an die Handballer und ihr Ritual, Ouzo-Gläser auf die abgehängte Klotür zu stellen. Sie habe viele Menschen kennengelernt, Freundschaften seien entstanden.

Beruf aus Passion

Die Gäste wussten in der „Grotte“ aber auch die griechische Küche zu schätzen. Damit war „Litsa“ von Kindheit an vertraut. Sie arbeitete auf der Obst- und Gemüseplantage ihrer Eltern. Sie weiß von daher, was frische und gute Lebensmittel ausmachen. Kochen ist zu ihrer Passion und dann zum Beruf geworden. Kürzlich freuten sich Besucher aus Böblingen, die erstmals in der „Grotte“ waren, über das gute griechische Essen und wollten gerne wiederkommen. „Leider muss ich schließen“, bedauerte Evangelia Stefani.

„Ich bereute keine Sekunde“, sagt sie rückblickend. Den Entschluss, jetzt aufzuhören, habe sie vor allem aus gesundheitlichen Gründen gefasst. „Ich schaffe es nicht mehr“, erklärt sie.

Evangelia Stefani will das Haus nun verkaufen. Ihr größter Wunsch wäre, dass die „Grotte“ als Lokal weitergeführt würde. „Es würde sich lohnen“, ist sie überzeugt. Konkrete Pläne nach dem Urlaub in Griechenland hat sie noch nicht. Nur: „Ich will das Leben genießen.“