Florian Stahl, Geschäftsführer der Villa Rottweil ist mit dem laufenden Geschäft, trotz spürbarer Konsumzurückhaltung der Gäste zufrieden. Foto: Siegmeier

Rottweils Gastronomen gehen mit Erhöhung der Mehrwertsteuer ganz unterschiedlich um. Kaufzurückhaltung macht sich teilweise bemerkbar. Da stellt sich die Frage: Bringt der Sommer die Wende?

Kaufzurückhaltung, Anpassung der Mehrwertsteuer, gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise – die Gastronomie sieht sich immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert und muss diese meistern. Und das möglichst so, dass die Gäste nicht wegbleiben. Nicht einfach.

 

Wir haben nachgefragt, wie sich Rottweils Gastronomen auf die Sommersaison vorbereiten, wie sie mit der angepassten Steuer umgegangen sind und welche Rolle der Tourismus für die Auslastung spielt.

Jost Bevermann von der Weinstube Grimm informiert, dass die Gastronomie unter der Anpassung der Mehrwertsteuer leide. Die niedrige Mehrwertsteuer habe den Gastronomen Freiräume verschafft, erheblich gestiegene Kosten zumindest teilweise zu kompensieren.

Mehrwertsteuer an die Gäste weitergegeben

„Wir haben die gestiegene Mehrwertsteuer an unsere Gäste weitergegeben. Dieses nicht zu tun, wäre wohl grob fahrlässig gewesen im Hinblick auf die wirtschaftlichen Risiken. Wir haben hier eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter“, so Bevermann weiter. Die gestiegenen Lebensmittelpreise und Energiekosten habe man allerdings nicht kompensieren können, bedauert er. „Eine größere Preiserhöhung wäre wohl nur schwer vermittelbar gewesen“.

Hinzu komme die Konsumzurückhaltung der Gäste, die auch andere Gastronomen bestätigen. „Es wird schon genau geschaut, ob es noch eine Vorspeise braucht, ein Dessert oder einen Wein“, informiert Florian Stahl, Geschäftsführer der Villa Rottweil. So sinke der Umsatz pro Gast generell. Deswegen bietet die Villa jetzt über den Mittagstisch hinaus auch nachmittags auf kleiner Karte warme Speisen an. „Das wird sehr gut angenommen“, informiert Stahl. Zurückhaltung bestätigt auch Tobias Maier, von „Maiers Johanniterbad“.

Benjamin Gerhardt von der Weinstube Russ Foto: Siegmeier

„Trotzdem sind wir in der glücklichen Lage kein Problem mit Gäste-Nachfrage zu haben. Vom Ertrags-Niveau aus der Vor-Corona-Zeit sind wir leider noch weit entfernt“, sagt Jost Bevermann. Positiv sei, dass sich der Tourismus in den vergangenen Jahren in Rottweil erheblich entwickelt habe. „Ich sehe hier eine sehr große Rolle für die Zukunft. Die Nachfrage als Tourismus-Destination vor allem auch für Tages-Gäste ist sehr groß“, ergänzt er.

Tourismus spielt immer stärkere Rolle

Über viele Nachfragen von Touristen freut sich auch Murat Altan vom „Mundwerk“. „Der Tourismus hat seit der Fertigstellung des Turms sehr stark zugenommen“, bestätigt sein Kollege Wilhelm Mayer von der Brauereigaststätte Pflug. Über viele Touristen aus der Schweiz freut sich Florian Stahl.

Benjamin Gerhardt von der Weinstube Russ verzeichnet ebenfalls eine Zunahme der Touristen. „Der Tourismus hat in Rottweil ein Gewicht, ist aber durchaus noch ausbaufähig“, ergänzt Tobias Maier von „Maiers Johanniterbad“. Eine Herausforderung sieht er in den nächsten Monaten allerdings darin, dass durch den Parkhausbau auf der Groß‘schen Wiese ein wichtiger und großer Parkplatz in der Innenstadt wegfalle. „Die Parksituation wird sicher eine Herausforderung“, befürchtet Maier.

Konzepte für die Außengastronomie

Aber allen Sorgen zu Trotz freuen sich die Gastronomen auf die Sommersaison. „Unsere Terrasse ist startklar. Wir starten wieder mit den Afterworkpartys mit Sommelier Dominik Schanz und DJ Pino, die am 23. Mai und 27. Juni auf dem Plan stehen“, sagt Florian Stahl.

Benny Gerhardt freut sich auf „einen coolen Sommer. Wir haben ja die EM, bei der wir jedes Spiel übertragen. Ich denke, dass das gut angenommen wird“, sagt er. Er habe jetzt zwar die Baustelle in der Bruderschaftsgasse direkt vor der Haustür, er ist aber dennoch guter Dinge und freut sich schon auf die Zeit danach.

Murat Altan erwartet dieser Tage seine Outdoormöbel. Ihm ist wichtig, „dass die Leute ein Erlebnis haben und guten Service bekommen“. „Der Wohlfühleffekt ist sehr wichtig“, weiß er. Auch die große Eröffnungsfeier ist in der Planung, die noch im Mai, oder im Juni stattfinden soll, lässt Altan wissen.

Ausgebuchter Pflugsaal

Wilhelm Mayer informiert, dass der Pflugsaal an den Wochenenden bis in den Oktober hinein nahezu ausgebucht sei und es schon viele Anfragen bezüglich des Biergartens gebe. „Die Leute wollen jetzt endlich raus“, sagt auch er.

„Wir sind sehr glücklich darüber, wie wir in den vergangenen Jahren, die aufgrund diverser Krisen und Herausforderungen nicht sehr einfach waren, von unseren Stammgästen unterstützt und immer wieder aufgebaut wurden“, so Jost Bevermann abschließend.