Angelo Aprigliano betreibt zusammen mit seiner Frau Evelyn seit 32 Jahren das "Al Capriccio". Foto: Reimer

Die Gastronomie kommt nicht zur Ruhe. Die Krisen der vergangenen Jahre haben bereits einige Opfer gefordert. Das nährt Gerüchte um weitere Schließungen. So auch beim "Al Capriccio". Die Betreiber klären auf, was an der Geschichte dran ist.

Oberndorf - Seit 32 Jahren ist das "Al Capriccio" nicht mehr aus der Oberstadt wegzudenken. In dieser Zeit hat sich das italienische Restaurant auch über die Grenzen Oberndorfs hinaus einen Namen gemacht und eine treue Kundschaft aufgebaut. "Vieler unserer Gäste sind früher als Bambini zu uns gekommen. Heute bringen sie ihre eigenen Kinder mit", sagt ein gut gelaunter Angelo Aprigliano mit einem breiten Lächeln.

Bereits im Sommer erste Gerüchte

Doch die Gerüchteküche brodelt heftig. Gleich mehrere Hinweise gingen in den vergangenen Tagen bei der Redaktion ein, dass das "Al Capriccio" schließen wird. Ist an der Geschichte wirklich etwas dran?

Bereits im Juli wurden Evelyn und Angelo Aprigliano erstmals auf eine mögliche Schließung angesprochen. "Das flaute aber allmählich wieder ab und dann herrschte eine Zeit lang Ruhe", sagt Evelyn Aprigliano.

Als das "Al Capriccio" Ende Oktober Betriebsferien hatte, nahm die Gerüchteküche wieder Fahrt auf. "Inzwischen fragt uns nahezu jeder zweite Gast, ob an der Geschichte etwas dran ist", sagt die 58-Jährige. Die Antwort der beiden Eheleute ist kurz und knapp: "Wir schließen nicht." Diese Gerüchte bereiten den beiden zwar keine schlaflosen Nächte, dennoch besteht die Sorge, dass sich das schlecht auf das Weihnachtsgeschäft auswirken könnte.

Krise hinterlässt Spuren

Die Gastronomie hat seit Beginn der Pandemie einen schweren Stand. Derzeit ächzt die krisengeschüttelte Branche vor allem unter enormen Preissteigerungen. Egal ob Mehl, Mozzarella oder Tomaten – die Kosten sind in jüngster Zeit in die Höhe geschossen, erklärt Angelo Aprigliano. Steigerungen, die man unmöglich so an die Kunden weitergeben könne, sagt seine Ehefrau. Von den gestiegenen Energiepreisen sei man aufgrund bestehender Verträge vorerst verschont geblieben. Welche Preiserhöhungen das Restaurant in dem Bereich erwartet, werde sich im kommenden Jahr zeigen.

Die Inflation sorgt auch dafür, dass die Gäste weniger im Geldbeutel haben. "Die Leute müssen sparen. Da verzichtet man dann mal auf den Restaurantbesuch", zeigt sich Evelyn Aprigliano verständnisvoll. Auch der Personalmangel mache derzeit wohl allen Betrieben zu schaffen, sagt die 58-Jährige.

Jubiläum gilt es nachzuholen

In der Region haben diese schwierigen Umstände bereits erste Opfer gefordert. Die Berichte über Restaurant-Schließungen häufen sich in den vergangenen Wochen. Die beiden Betreiber des "Al Capriccio" vermuten daher, dass das Gerücht damit zusammenhängt.

Auf absehbare Zeit bleibt das "Al Capriccio" den Oberndorfern jedenfalls erhalten – trotz aller Krisen. Die Betreiber blicken in die Zukunft. Das 30-jährige Jubiläum ist wegen der Pandemie ins Wasser gefallen. "Vielleicht holen wir das dann beim 35-Jährigen nach", sagt Angelo Aprigliano wieder mit einem breiten Lächeln.