Joachim Junger (rechts) und seine Frau Kristine Junger müssen seit dem Jahreswechsel öfter zwischen sieben und 19 Prozent Mehrwertsteuer unterscheiden. Foto: Leonhardt

Die gesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen sollte der Gastronomie Erleichterung bringen. In der Praxis sorgt sie jedoch vor allem für komplizierte Regelungen.

Seit dem 1. Januar ist die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent gesunken. Was im ersten Moment nach einem Segen für die Gastronomie klingt, erweist sich in der Praxis als komplizierte Angelegenheit. Wir haben uns bei Gastronomen in Oberndorf umgehört, die berichten, was die Steuersenkung für sie und letztlich die Kundschaft bedeutet.

 

Ein Dämpfer für die Erwartungen

Ein Dämpfer vorab: Wer erwartet, beim Essen gehen künftig weniger tief in den Geldbeutel greifen zu müssen, könnte enttäuscht werden. 

Joachim Junger, seit wenigen Monaten Betreiber des Café Curioso in Oberndorf, blickt auf die vergangenen Jahre zurück: „Die meisten Gastronomen werden durch die Steuersenkung eher kompensieren, was sie in schwierigeren Zeiten verloren haben. Daher rechne ich nicht mit geringeren Preisen für die Kunden.“

Wasser wird unterschiedlich besteuert

Noch komplizierter wird es mit Blick auf die Getränke. Junger zeigt sich zwar erleichtert über die Senkung der Steuer, sieht jedoch an anderer Stelle Verbesserungspotenzial: „Über die Senkung der Mehrwertsteuer sind wir natürlich froh, dafür herrscht jetzt aber ziemliches Chaos bei den Getränken. Wenn ein Kunde ein stilles Wasser möchte, liegt der Steuersatz bei sieben Prozent, bei einem Mineralwasser wieder bei 19 Prozent.“

Die unterschiedliche Besteuerung liegt darin begründet, dass Mineralwasser als „Genussmittel“ eingestuft wird, während stilles Wasser als „gewöhnliches“ Lebensmittel gilt. Derselben Logik folgen auch Getränke mit Milch (sieben Prozent) oder Hafermilch (19 Prozent).

„Luxuskartoffeln“ aus der Schweiz

Und trotz der allgemeinen Mehrwertsteuersenkung gilt diese nicht für alle Lebensmittel: Heimische Kartoffeln werden nur noch mit sieben Prozent besteuert, Schweizer Kartoffeln hingegen weiterhin mit 19 Prozent, da sie als „Luxusgut“ für den Magen gelten.

Doch beklagen will man sich im Café Curioso eigentlich nicht: „Dennoch sind wir froh, dass die Mehrwertsteuer auf Speisen gesunken ist. Das gibt uns mehr Luft.“ Für die Gastronomie ist die Senkung damit vor allem eines: eine dringend benötigte Entlastung, auch wenn sie für die Gäste kaum spürbar ist.