Monique Leushuis und Emil Kujit vor ihrem neuen Zuhause: Sie sind die neuen Pächter des Gedächtnishauses. Foto: Dold

Zwei lange Jahre waren Wanderer immer wieder enttäuscht, wenn sie ans Gedächtnishaus auf dem Fohrenbühl kamen. „Geschlossen“, hieß es dort.

Nun endlich ändert sich das wieder. Im März läuft der Betrieb an, ab April ist dann auch ganz offiziell wieder geöffnet. Monique Leushuis und Emil Kujit bringen nicht nur einen holländischen Zungenschlag mit, sondern auch ansteckend gute Laune, ganz viel Motivation, Kochkünste – und auch Fertigkeiten im Töpfern.

 

Monique Leushuis töpfert seit 30 Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Ihre filigranen Arbeiten aus Steingut und Porzellan mit Chinoglasur können bestaunt und erworben werden. Sie kommen aber auch in der Gastronomie im Gedächtnishaus zum Einsatz.

Filigrane Arbeiten von Monique Leushuis sind zu sehen und zu erwerben. Foto: Dold

Am Samstag und Sonntag, 14. und 15. März, nimmt „Der Turm“ daher auch von 10 bis 18 Uhr am deutschlandweiten Tag der offenen Töpferei teil.

„Wir haben uns sofort verliebt in den Turm und die Umgebung“, gestehen die beiden. Sie lebten zuvor im niedersächsischen Flachland auf einem Bauernhof. Der gelernte Koch Emil Kujit arbeitete dort in der Großküchentechnik. Da ein Sohn in Zürich wohnt, suchten die beiden schon seit geraumer Zeit nach einem Objekt mit Nähe zur Schweiz.

Vertrag über fünf Jahre

So wurde das Paar auf Lauterbach aufmerksam. Kurzzeitig wurde auch ein Engagement in der Mühlenstube erwogen, aber schnell war klar: das Gedächtnishaus wird es. Im Oktober wurde der Vertrag mit dem Schwarzwaldverein – dem Besitzer des Gebäudes – unterschrieben. Der Pachtvertrag läuft über fünf Jahre. „In den Niederlanden muss man bis 70 arbeiten. Also muss ich zehn Jahre hier tätig sein, bis ich das Alter habe“, scherzt Emil Kujit.

Ebenfalls geöffnet: Der Aufgang zum Turm mit seiner grandiosen Aussicht. Foto: Dold

Seit Januar wohnen Monique Leushuis und Emil Kujit nun in luftiger Höhe im Gedächtnishaus. „Wir haben unsere Kinder schon mehr gesehen als in den letzten acht Jahren“, freuen sie sich.

Gutbürgerliche Speisen

Im März werden die Räumlichkeiten nun vollends auf Vordermann gebracht. „Ein super Haus“, lobt Emil Kujit den Schwarzwaldverein. 2008 wurden dort zuletzt die Gästezimmer auf Vordermann gebracht. Die acht Zimmer können ab sofort gebucht werden.

Was die beiden positiv überrascht: „Wir haben schon viele Feiern reserviert. Geburtstage und sogar eine Hochzeit. Und das, obwohl uns die Leute noch gar nicht kennen“, freut sich Emil Kujit.

TV-Serie sorgt für Bekanntheit

Die Gastronomie soll tagsüber für Wanderer geöffnet sein. Abends kann reserviert werden ab einer Gruppengröße von acht Personen. Ansonsten schließt die Küche zwischen 18 und 19 Uhr. Diese soll übrigens im Sommer nach draußen verlagert werden. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Längere Öffnungszeiten gibt es vorerst nicht, da es mit Personal in der Gastronomie nicht so einfach ist.

In der Küche wird alles frisch gemacht mit gutbürgerlichen Speisen. Auch Kuchen und sogar original Schwarzwälder Kirschtorte wird es geben. Emil Kujit schmeißt die Küche, Monique Leushuis wird künftig im Service arbeiten. Die beiden setzen auch darauf, dass der Schwarzwald in ihrer Heimat in Holland immer bekannter wird – unter anderem durch eine TV-Serie, die im Schwarzwald spielt. Zudem liegt „Der Turm“ am Fernwanderweg Kinzigtalsteig, der noch dieses Jahr eröffnet werden soll.

Einschätzung des Schwarzwaldvereins

Die Schwarzwaldvereine
der Umgebung ließen sich ebenfalls nicht lumpen: Sie richteten eine Aktion mit 25 Personen aus, um das verwaiste Gelände wieder in Schuss zu bringen. Das Wirtepaar bedankte sich mit einem Drei-Gänge-Menü für die zahlreichen Helfer. „Hervorragend“, lautete das Urteil.

Hans Huber
 zeigte sich für den Schwarzwaldverein Lauterbacher vor Ort erfreut über die Wiedereröffnung. Der Verein habe das Gedächtnishaus in der zweijährigen Vakanz betreut und beheizt. Allerdings habe es immer wieder lange Gesichter bei Wanderern gegeben angesichts der verschlossenen Türen. „Umso mehr freuen wir uns, dass alles wieder mit Leben erfüllt wird“, sagte Hans Huber.