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Gastronomie in Horb "Quartier 77" wartet auf die Corona-Hilfen

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Ein Bild aus Zeiten vor Corona – da schaute der Quartier 77-Chef Johannes Kiefer noch fröhlich aus. Aktuell ist die Lage für den Betrieb nicht so positiv. Foto: Hopp

Gastronomie im Stresstest: Das "Quartier 77" in Horb berichtet von einer existenzbedrohenden Lage. Lesen Sie mehr dazu in unserem (SB+)-Artikel.

Horb - In der Gastronomie herrscht Frust: Noch immer fließen in der Corona-Krise die Hilfsgelder nicht richtig. Das "Quartier 77" auf dem Kasernenareal gibt Einblicke in einen bürokratischen Spießrutenlauf, der zu einer existenzbedrohenden Situation führt.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Drei Jahre ist das "Quartier 77" auf dem Markt. Kaum eine Gastronomie in der Region hat sich so schnell etabliert und sogar lobend Erwähnung in den führenden Restaurantführern wie dem Guide Michelin gefunden. Doch seit der Corona-Krise gibt es für das "Quartier 77" – Restaurant, Tagungsstätte und Event-Location in einem - eine Vollbremsung. "Es ist eine existenzbedrohende Sache. Wir sind ein junger Betrieb und erst seit drei Jahren auf dem Markt", berichtet Edwin Kiefer, der das "Quartier" zusammen mit seinem Sohn Johannes betreibt.

Hilfen bleiben teilweise noch aus

Das Problem ist vor allem, dass die von Bund und Land versprochenen Hilfen zu einem erheblichen Teil immer noch ausbleiben. "Im Frühjahr beim ersten Lockdown war die Hilfe relativ unproblematisch und schnell. Aber das, was jetzt passiert, ist sehr ärgerlich", schildert der Geschäftsführer, der berichtet: "Jetzt kam zumindest die Hälfte von der Dezemberhilfe. Auf die Überbrückungshilfe des Landes warten wir weiterhin." Auch das Kurzarbeitergeld für November kam erst am 8. Januar. "Das Geld für unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit müssen wir auch erst einmal vorstrecken."

Die Nachricht in den Medien vor wenigen Tagen, dass die Novemberhilfe wegen eines Software-Problems immer noch nicht fließen konnte, war der nächste "Schlag ins Gesicht". Die Meldung am Dienstag, dass es nun endlich losgehen könnte, ist nur ein schwacher Trost. "Es ist sehr ärgerlich, dass man immer angelogen wird", sagt Edwin Kiefer. "Es ist ein bürokratischer Spießrutenlauf." Das hatten die Quartier-Chefs ihren Kunden auch auf ihrer Facebook-Seite geschildert und sich dabei ihren Frust von der Seele geschrieben.

Die Odyssee beschreiben sie wie folgt: "Wir haben am 13. November unseren ersten Antrag auf Überbrückungshilfe über unseren Steuerberater eingereicht. Erst Ende November war es technisch überhaupt möglich, ebenfalls über den Steuerberater, Anträge auf Bundeshilfe zu stellen. Parallel haben wir bei der Bundesagentur für Arbeit unseren Kurzarbeitergeldantrag für November gestellt."

"Das ärgert uns kolossal"

Auf mehrfache telefonische Nachfrage haben die Kiefers die Information erhalten, dass die Anträge (von der IHK bereits geprüft und für in Ordnung befunden) in Bearbeitung seien und an die Auszahlungsstelle weitergereicht wurden. "Am 14. Dezember haben wir per Post von der L-Bank, zuständig für die Zahlung von Überbrückungshilfe, plötzlich einen Ablehnungsbescheid bekommen mit der Begründung, aus unserem Antrag wäre nicht eindeutig ersichtlich, dass die Umsatzrückgänge coronabedingt wären... Ein Anruf vom Steuerberater klärte das Missverständnis auf, dennoch mussten wir offiziell Widerspruch einlegen."

Das erledigten die Unternehmer noch am gleichen Tag. "Wir haben den Vorgang an die Dehoga weitergegeben und Unterstützung bekommen. Sofortige Bearbeitung unseres Antrages wurde uns zugesichert."

Doch dann der nächste Tiefschlag: "Eine Woche später kam wieder ein Schreiben, eine offizielle Vollmacht für den Steuerberater würde fehlen. Für uns völlig unverständlich, da der Antrag und Widerspruch eh über das Steuerbüro eingereicht werden müssen. Auch hier haben wir sofort reagiert und die offensichtlich fehlende Vollmacht eingereicht." Kiefer kommentiert im Gespräch mit unserer Zeitung: "Da hat man uns mehrfach zugesichert, mit dem Antrag sei alles okay und die Hilfe stehe zur Auszahlung bereit, es könne nur noch ein paar Tage dauern und dann liest man in der Zeitung, dass die Verzögerung an der Software liegt. Das ärgert uns kolossal."

Quartier-Team will weiterkämpfen

Was das für den Betrieb bedeutet, macht Kiefer deutlich: "Wir waren nach dem ersten Lockdown erst im September wieder so weit, dass wir beim Vorjahreswert waren. Vielleicht stehen wir bald vor der Entscheidung, ob wir Mitarbeitern kündigen müssen." Das wolle man aber versuchen zu verhindern. "Wir warten jetzt ab, ob bis Ende Januar weitere Hilfen kommen, dann wird man sehen, wie lange es mit Lockdown noch geht. Es ist klar: Wir wollen unser tolles, eingespieltes Team eigentlich nicht verlieren."

Und was ist mit dem Außer-Haus-Geschäft? "Das ist im Endeffekt ein sehr kostenintensives Geschäft. Man muss die Bestellung ausfahren, dafür kann man kaum was verlangen. Da fährt man dann beispielsweise nach Empfingen rüber, inklusive Umleitung durch die große Baustelle. Kaufmännisch darf man das gar nicht bewerten. Hier geht es vor allem um Kundenpflege. Uns liegen natürlich unsere treuen Kunden am Herzen." Kiefer stellt klar: "Wir sind alle keine Verschwörungsmenschen, wir tragen alles mit. Dennoch ist es für uns unverständlich, warum man da nicht trennt. Wir sind keine kleine Bar." Man habe genügend Platz und Ausweichmöglichkeiten. "Wir haben uns auf die Corona-Lage bestens vorbereitet. Haben uns sogar Heizpilze angeschafft, weil sie plötzlich wieder erlaubt waren. Es wurde uns gesagt, dass wir damit die Gäste draußen noch länger bewirten wollen. Und dann kam der Lockdown bereits im November."

Das Quartier-Team will weiterkämpfen. Damit es bald mit der Erfolgsgeschichte weitergehen kann. Kiefer: Wir freuen uns natürlich, wenn man uns in dieser schwierigen Zeit durch die Inanspruchnahme unseres Außerhausverkaufs und Bestellungen im neuen Onlineshop unterstützt." Damit spricht er sicherlich auch anderen Gastronomen aus dem Herzen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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