Von Tübingen nach Empfingen: Restaurant-Chef Mike D’Ascoli mit seiner Frau Sarah Maraschi Foto: Becker

Empfingen ist um ein kulinarisches Angebot reicher. Ein zentraler Leerstand in der Ortsmitte damit behoben. Inmitten der Pandemie und nach mehr als einem Jahr eröffnet nun ein neuer Italiener. Wie es dazu kam.

Empfingen - Rückblick: Im Herbst des vergangenen Jahres schloss das Restaurant Da Devis auf dem Krone-Areal in der Ortsmitte für immer seine Pforten. Mehr als 32 Jahre lang hat die Familie Zanon in ihrer Pizzeria gegenüber dem Rathaus bewirtet – die Corona-Krise zwang sie zur Aufgabe.

"Wir haben alles gegeben und fest daran geglaubt. Es hat nicht gereicht. Die Pandemie hat unser aller Leben nachhaltig geprägt. Auch unseres. Auf der Gewinnerseite war für das Da Devis leider kein Platz mehr", schrieb Inhaber Devis Zanon damals auf der Internet- und Facebook-Seite des Betriebs (wir berichteten).

Für viele Empfinger, darunter auch Bürgermeister Ferdinand Truffner kam das "völlig überraschend". Die Pandemie forderte einen Leerstand. Seitdem sei der Eigentümer auf der Suche nach einem Nachfolger gewesen, teilt Truffner auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Über die Baisinger Biermanufaktur sei schließlich Mike D’Ascoli gefunden worden.

Herbst 2021: Ein Nachfolger ist gefunden

Nach mehr als einem Jahr eröffnet nun also wieder ein italienisches Restaurant in der Ortsmitte, das den Namen "Mio", zu deutsch "Meins" trägt. Neben "hochklassiger italienischer Küche" werde dort auch Bier aus Baisingen angeboten, weiß der Bürgermeister, ein "Zweifachgewinn" in seinen Augen.

Und weiter: "Es ist schön, wenn wieder mitten im Herzen von Empfingen ein Gastronom die Tore öffnet. Jetzt liegt es an uns Bürgern, dass die Gastronomie auch nicht ›verdurstet‹. Ein neuer Lockdown für die Gastronomie wäre fatal, wir sollten uns deshalb mit aller Kraft gegen ein Gastronomen-Sterben stellen und viel mehr einkehren und schlemmen – wenn auch aktuell mit 2G."

Corona zum Trotz eröffnet

Zu Pandemiehochzeiten ein Restaurant eröffnen – ganz schön mutig. Er sehe es als Herausforderung, als Wette gegen Corona, dass man es trotz allem schaffe, erzählt D’Ascoli im Gespräch mit unserer Redaktion. Zugegeben: "Am Anfang waren wir am überlegen, ob wir diesen Schritt machen sollen oder nicht." Schließlich sei ja nach wie vor unklar, wie das mit Corona weitergeht.

Zunächst habe er gedacht, als er von dem Leerstand erfuhr, "nicht schon wieder so ein alter Laden", dennoch habe er sich wenig später entschieden, sich die Räumlichkeiten einmal anzusehen – und war nach dem Besichtigungstermin schließlich "begeistert".

Empfingen als Standortvorteil

Hinzu komme dann auch noch der Vorteil, dass es im Umkreis von zehn Kilometern keinen weiteren Italiener mehr gebe. Daher habe er mit seiner Frau Sarah allen Mut zusammen genommen und gesagt: "Jetzt starten wir durch".

D’Ascoli ist 48 Jahre alt und hat davon rund 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Zwar wohne er jetzt in Tübingen, davor habe er jedoch 17 Jahre in Hamburg gearbeitet. In einer Trattoria habe er dort für so manche illustre Persönlichkeit gekocht, erzählt D’Ascoli und nennt Namen wie Sylvester Stallone oder die Klitschko-Brüder. Für einen der letzteren hätte er sogar mal als Dolmetscher tätig werden sollen, doch er habe damals abgelehnt, weil er kaum Englisch könne.

Zur Eröffnung: Für Freitag und Samstag komplett ausgebucht

Das Restaurant Mio betreibt D’Ascoli nun gemeinsam mit seiner Frau Sarah. Unterstützung komme weiter von seinem langjährigen Freund Nilo, zudem habe er es geschafft, ausreichend Personal zu finden, das ihn tatkräftig unterstützt. "Da frage ich mich, ob ich ein Glückspilz bin", sagt der 48-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Anfangs sei er nämlich ein bisschen skeptisch gewesen, ob er überhaupt Personal für sein Restaurant in Empfingen finde. Schließlich kenne er Italiener, die selbst in Tübingen niemanden fänden, obwohl es dort ja bekanntlich viele Studenten gibt.

Von Tübingen möchte der Mio-Chef dann auch in einem weiteren Schritt näher an sein Restaurant heranziehen. Zurzeit sei er nämlich auf Wohnungssuche. Doch jetzt stehe erst einmal die Eröffnung an, erzählt D’Ascoli gelassen und das, obwohl es noch viel zu tun gibt. Für Freitag und Samstag sei man nämlich komplett ausgebucht. Und auch Bürgermeister Truffner habe reserviert.

Kasse kommt mit Verspätung, Weinregal nur zum Teil geliefert

Bis zur Eröffnung wiederum, sei es allerdings keineswegs entspannt verlaufen. D’Ascoli berichtet von bürokratischem Aufwand und von unzuverlässigen Lieferanten. Auch sei die Kasse erst am Freitag eingetroffen.

Und obendrein: "Ein bestelltes Weinregal wurde nur zum Teil geliefert", sagt der 48-Jährige. Jetzt könne er es nicht montieren und müsse sich daher Gedanken machen, wie er ein heraushängendes Kabel an der Wand bis heute Abend kaschiere.

Allem zum Trotz: D’Ascoli hat ein Lächeln auf den Lippen. Genau wie seine Frau, die hin und her durch das Restaurant eilt. Er möchte, dass seine Gäste das Gefühl haben, in Italien zu sein, sagt der Mio-Chef zum Schluss, bevor er sich wieder an die Arbeit macht. Er wolle es ihnen ermöglichen, abzuschalten und eine Urlaubsatmosphäre schaffen. Und dann: "Ich freue mich auf heute Abend."