Das Gebäude Marktplatz 9 (Bildmitte) soll bis zum Erdgeschoss abgerissen und neu aufgebaut werden. Foto: Seybold

"Von der Optik her wird es ein absoluter Gewinn für die Stadt sein" – dessen war sich Hauptamtsleiter Oliver Zwecker in der jüngsten Gemeinderatssitzung sicher, als es darum ging, den Teilabbruch und Neuaufbau des Gebäudes Marktplatz 9 auf den Weg zu bringen.

Dornstetten - Geplant sind dort im Zuge einer Nutzungsänderung ein Galerie-Café sowie zwei neue Wohnungen plus Stellplätze und Garage.

In vier getrennten Abstimmungen erteilte das Gremium dem Bauvorhaben zunächst einstimmig das Einvernehmen und beschloss bei einer Enthaltung, dass für die Wohnungen zwei statt vier Stellplätze vorgesehen werden sollen. Zudem soll der Stellplatznachweis laut einstimmigem Votum mit dem Gemeindeverwaltungsverband (GVV) und dem Bauherren als Baulast abgesichert werden. Auf Antrag von Jörg Hamann (Freie Bürger) stimmte der Gemeinderat außerdem dafür, für den Gastronomiebereich drei statt zehn Stellplätze zu schaffen. Die Prüfung obliegt nun dem GVV.

Landesdenkmalamt redet mit

"Das Ganze kommt unserem städtebaulichen Gesamtkonzept entgegen", betonte Bürgermeister Bernhard Haas grundsätzlich, auch mit Blick auf den Gewinn für die Gastronomie vor Ort. Laut Hauptamtsleiter Zwecker, der Details zu dem Bauvorhaben erläuterte, steht eine aktuelle Stellungnahme des Landesdenkmalamts noch aus. Es habe aber im Vorfeld der Einreichung des Bauantrags mehrere Gespräche über die beabsichtigte Planung mit der Behörde gegeben.

In der Liste der Kulturdenkmale sei für Dornstetten unter Marktplatz 9 nämlich die mittelalterliche Befestigungsanlage – das heißt die gesamten oberirdisch noch erhaltenen und unterirdisch verborgenen Teile der ehemaligen Befestigung, bestehend aus Stadtmauer mit darauf sitzenden Gebäuden – gemäß Paragraf zwölf des Gesetzes zum Schutz der Kulturdenkmale als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung aufgelistet. Das, so Zwecker weiter, bedeute nach Auskunft der Unteren Denkmalschutzbehörde, dass das Gebäude selbst nicht unter Denkmalschutz stehe, jedoch die vorhandene Stadtmauer an der Ostseite des Hauses.

Stadtmauer wird freigelegt

Das bestehende Gebäude soll bis auf das Unter- und das Erdgeschoss abgebrochen werden, das Obergeschoss und zwei Dachgeschosse sollen neu aufgebaut werden. Dies habe sich laut GVV wegen der mangelhaften Substanz in den Obergeschossen als erforderlich herausgestellt, so Zwecker.

An der östlichen Gebäudeseite sollen im Untergeschoss ein Vorbau (Sozialraum) und im Erdgeschoss ein Wintergarten angebaut werden. Die historische innere Stadtmauer wird nach den bisherigen Plänen freigelegt. Das Erdgeschoss soll zu einer Gaststätte – Galerie-Café und Restaurant – umgenutzt werden. Im neu aufzubauenden Obergeschoss und den zwei Dachgeschossen sei, so Zwecker weiter, der Einbau von zwei Wohneinheiten mit Terrasse und Balkon vorgesehen. Auf der Nordseite solle eine Garage angebaut werden. Im Grundsatz sieht der gesamte Gemeinderat das Vorhaben als Aufwertung für den Marktplatz. Jedoch gab es insbesondere zu den Autostellplätzen verschiedene Ansichten.

An der Parkplatzzahl soll es nicht scheitern

"Das ist eine sehr schöne Angelegenheit, ich begrüße das Projekt", sagte etwa Stadtrat Dietmar Zander (Freie Bürger). Er frage sich jedoch, ob es nötig sei, dem Auto so ein Gewicht zu geben, dass das Projekt am Ende scheitern könne. Man solle auch keine Fördermittel nehmen, um Parkplätze abzulösen. Seinen Antrag, ganz auf Stellplätze zu verzichten, lehnte das Gremium mit deutlicher Mehrheit ab.

"An der Parkplatzfrage sollte das Projekt nicht scheitern", betonte SPD-Stadtrat Joachim Kumm. Karlheinz Raisch (Freie Wähler/CDU) plädierte für die Reduzierung von zehn auf fünf Stellplätze. Zehn Stellplätze seien in der Altstadt utopisch, befand Jörg Hamann (Freie Bürger). Eine Ablöse betrage insgesamt 70 000 Euro: "Wer soll das Geld aufbringen?, fragte Hamann. Aber vielleicht besitze der Bauherr ja noch eigene Grundstücke für Stellplätze. "Man muss es nur begrüßen, wenn jemand in der Altstadt etwas macht."

"Das ist eine Luftnummer, was wir hier besprechen", meinte sein Fraktionskollege Rolf Straub. Er sprach sich dafür aus, für Gewerbe weitestgehend mit den Parkplatzforderungen herunterzugehen – vielleicht seien ja nach dem dortigen Umbau Stellplätze am Zentralen Omnibusbahnhof da.