Noch hat das beliebte Restaurant geöffnet. Aber die Betreiber haben die Schließung angekündigt. Foto: Cools / prapann - stock.adobe.com/ Montage: Ganter

Diese Nachricht dürfte viele betrüben: Ein weiteres Speiselokal im Kreis Rottweil wird bald schließen. Auch die Betreiber blicken dem Abschied mit Wehmut entgegen.

Traurige Nachricht für die Gastronomie-Szene im Kreis Rottweil: Ein weiteres Restaurant wird schließen – noch dazu eines mit einer langen Tradition, das sich bei den Gästen großer Beliebtheit erfreut. Wir haben die Betreiber zum Gespräch getroffen.

 

Der Abschied fällt alles andere als leicht: Georgia Steinwandel muss beim Interview mehrfach schwer schlucken. „Aufzuhören ist für uns sehr schwierig. Die Gäste werden uns fehlen“, sagt sie. In mehr als 20 Jahren – so lange ist ihre Familie schon Teil der Oberndorfer Gastronomieszene – habe man schließlich auch viele Freundschaften geknüpft.

Der Abschied erfüllt die Töchter Athina Swoboda (links) und Georgia Steinwandel ebenso mit Wehmut wie ihren Vater Vasileios Chatziapostolou. Foto: Chatziapostolou

2014 haben Anastasia und Vasileios Chatziapostolou das griechische Restaurant in der Bahnhofstraße eröffnet. Ihre erste gastronomische Station, nachdem sie aus Herrenberg in den Kreis Rottweil gekommen waren, war aber ab 2005 das „Delphi“ in Altoberndorf. Hinzu kam von 2009 bis 2017 der „Kaiser“ in Harthausen.

Vor gut 15 Jahren hat die Familie dann das ehemalige „Centro Español“ in der Oberndorfer Bahnhofstraße gekauft, bis aufs Fundament abgerissen und ein neues Gebäude mit zwei Wohnungen und dem „Gia Mas“ darauf errichtet. Seitdem hat sie Tausende Gäste verköstigt.

Im Januar endet eine Ära

Im Januar 2026 endet eine Ära: Dann wird das „Gia Mas“ seine Pforten schließen. An welchem Tag genau, stehe noch nicht fest, sagt Georgia Steinwandel, aber: „Ab Februar ist definitiv zu.“ Dann könne man die Räumlichkeiten lediglich noch für Veranstaltungen mieten, müsse aber selbst fürs Catering sorgen.

Dass Oberndorf dann um einen gastronomischen Betrieb, und dazu noch ein griechisches Lokal, ärmer sein wird, bedauert die Familie besonders. Aber es gehe nicht anders.

Vergeblich nach Nachfolger gesucht

Ein Jahr lang habe man einen Nachfolger für das Lokal gesucht, erzählt Georgia Steinwandel. Vergeblich. Bei der Nachfolgersuche könne auch die Größe des Lokals eine Rolle spielen, mutmaßt Georgia Steinwandel. Mit 110 Plätzen könne ein gefülltes Restaurant dann schon sehr herausfordernd werden.

Zumal es an den Öffnungstagen schnell stressig werden kann. Bis auf Montag hat das Lokal täglich mittags und abends geöffnet, und zwischen Mittag und der Wiederöffnung ab 17 Uhr gebe es mit Vorbereitungszeit und Co. nicht viel Gelegenheit zum Ausruhen.

Denn inzwischen seien beide Eltern gesundheitlich angeschlagen, der Vater bereits im Rentenalter. Und die Töchter Georgia Steinwandel und Athina Swoboda, die ebenfalls im Betrieb helfen, sind in Sachen Familie voll und ganz eingespannt.

Gastronomie bedeutet auch „viel Papierkram“

Am schönsten fände Georgia Steinwandel, wenn im „Gia Mas“ die griechische Küche weitergeführt würde – auch um die kulinarische Vielfalt in Oberndorf zu erhalten. Man freue sich aber über jeden Gastronomen, der Interesse am Lokal in der Bahnhofstraße zeige, sagt sie.

Wohl wissend, dass das Gastronomiegeschäft aber auch deutlich schwieriger geworden ist. Man müsse einen ganzen Haufen Auflagen erfüllen. „Der viele Papierkram ist ein Unding“, meint sie.

Außerdem finde man kaum mehr gutes Personal, das langfristig bei der Stange bleibe, für die Küche und den Service. Mit vom Arbeitsamt geschickten Hilfen habe man keine guten Erfahrungen gemacht. Die Gäste spüren schließlich, ob jemand wirklich Freude an der Arbeit als „Gastgeber“ hat. Und man wolle natürlich einen gewissen Qualitätsstandard erfüllen.

Steigende Kosten

Mit der Coronazeit habe sich ebenfalls vieles verändert. Die Gäste würden seitdem merklich mehr zum Mitnehmen bestellen. Man habe außerdem auch schon einen Lieferservice für Veranstaltungen angeboten. Außerdem hätten sich die Nebenkosten beinahe verdreifacht. „Aber unsere Gäste haben finanziell auch zu kämpfen“, ist sich Georgia Steinwandel bewusst.

Auch wenn sich über die Jahre vieles verändert habe und es auch schwierige Zeiten zu überstehen gab, so überwiegen in der Rückschau doch die vielen schönen Erinnerungen in mehr als 20 Jahren „Gia Mas“, meint Steinwandel lächelnd.

„Die Leute kennen uns und grüßen uns, wenn wir ihnen auf der Straße begegnen“, erzählt sie. Das „Gia Mas“ habe etliche Stammgäste, von denen manche seit 20 Jahren ins Lokal kämen. Sich mit ihnen auszutauschen wie mit alten Freunden, das werde ihr und ihrer Familie fehlen, sagt sie. Ebenso wie der Restaurantbetrieb – so stressig er auch oftmals war. Ob in der Gastro-Szene oder bei der Familie, so viel ist klar: Eine Lücke wird bleiben.