Einer der schönsten Säle im Kreis, Leckereien aus allen Teilen des Landkreises und reichlich Promis – beim Neujahrsempfang der Dehoga im Kreis gab es Grund zu feiern.
Vor gut einem Jahr – im Januar 2025 – war die Stimmung beim Neujahrsempfang von Hotellerie und Gastronomie in Bad Teinach aufgeladen. Die Bundestagswahl stand unmittelbar vor der Tür, der Ehrengast war Jens Spahn, der heutige Fraktionschef der CDU/CSU – und die Branche kämpfte verbissen um ihr Ziel eines verminderten Mehrwertsteuersatzes für das Essen in ihren Häusern.
Ein Jahr später war die Stimmung eine ganz andere: Die Gastro-Branche im Kreis Calw mit ihrem Frontmann Rolf Berlin hatte Grund zu feiern: Das nach Berlins eigener Aussage „wichtigste politische Ziel“ der Branche ist inzwischen erreicht. Seit Jahresanfang gilt der verminderte Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie.
Und das sollte in Bad Teinach so richtig gefeiert werden: im fürstlichen Ambiente des Residenzsaals im Hotel Therme, mit Leckereien aus dem ganzen Kreis – das Enztalhotel aus Enzklösterle servierte ebenso Schmankerl wie das Rössle aus Altensteig-Berneck oder das KroneLamm aus Bad Teinach-Zavelstein – und Getränken aus Nagold-Hochdorf und Bad Teinach.
Und dazu noch die Prominenz aus Politik und Wirtschaft aus dem Kreis Calw – aber auch aus Berlin. Ehrengast des Empfangs war die ehemalige Bundesbildungsministerin und aktuelle Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses des Bundestag, Anja Karliczek.
Doch zunächst ergriff die Speerspitze der Gastronomie im Kreis Calw das Wort und das Mikrofon: Rolf Berlin dankte der aktuellen Bundesregierung für die Mehrwertsteuer-Entscheidung, die ein „schwieriges Jahr 2025“ zu einem guten Ende gebracht habe. Die Entscheidung sei eine „enorm wichtige Verbesserung“ für die Branche, sichere Arbeitsplätze, sichere die Qualität und Quantität des Angebots für die Kunden und Gäste.
„Ohne diese Menschen hätten wir ein großes Problem“
Jetzt könne man mit größerem Optimismus in die Zukunft schauen. Freilich weiß auch Berlin, dass durch diese Entscheidung nicht alle Probleme der Branche gelöst werden – etwa der Bürokratieabbau und die flexible Wochenarbeitszeit, die auch noch auf dem Wunschzettel stehen. Auch den hohen Krankenstand im Land machte der Gastronom als Hemmschuh aus.
Darüber hinaus hob der Mann aus Zavelstein auch die Leistung der Branche in Sachen Integration hervor. Inzwischen hätten 40 Prozent der Mitarbeiter in der Gastro- und Tourismusbranche einen ausländischen Pass. Und eines ist für Berlin klar: „Ohne diese Menschen hätten wir ein großes Problem.“
Karliczek weiß übrigens, wovon sie redet
Wie ernst die Situation der Branche in den vergangenen Jahren war, hob die ehemalige Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in ihrem Grußwort hervor. Die Situation sei „bedrohlich“ gewesen, es habe ein „unerträglicher Kostendruck“ auf den Betrieben gelastet.
Karliczek weiß übrigens, wovon sie redet: Die gelernte Diplom-Kauffrau war lange Zeit als leitende Angestellte in dem von ihren Brüdern geführten Hotel tätig. Das um sich greifende Gastrosterben mache etwas mit dem Land, dadurch fehlten einfach die Begegnungsstätten, habe sie festgestellt.
Sie betonte, dass die reduzierte Mehrwertsteuer „kein Geschenk“ gewesen seien. Diese Maßnahme habe lediglich den Betrieben eine „Atempause“ in harten Zeiten beschert, so die Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag. Sie sprach der Branche Mut und Selbstvertrauen zu, sie brauche sich wahrlich nicht zu verstecken. Mit Millionen an Arbeitsplätzen trage sie maßgeblich zum Wohlstand des Landes bei. Deswegen rief sie zum großen Schulterschluss zwischen Land und Branche auf: „Gemeinsam sind wir stark.“