Schloss Bürgeln ist ein beliebtes Ausflugsziel, auch wegen des Panoramas. Wie viele Besucher kommen, hängt allerdings stark vom Wetter ab. Foto: Alexander Anlicker

Schliengens Bürgermeister Christian Renkert, seit 2023 Vorsitzender des Bürgeln-Bundes, spricht über die besonderen Herausforderungen für das Schloss-Restaurant.

Das Restaurant von Schloss Bürgeln hat bewegte Jahre hinter sich. Seit 2020, dem ersten Corona-Jahr, gab es mehrere Pächterwechsel. Im Februar wird mit Dunja Ceci die vierte Pächterin binnen gut fünf Jahren den Gastrobetrieb auf der Bürgler Höh’ übernehmen – nach einem kurzen Gastspiel ihrer Vorgängerin, die erst Ende März Eröffnung im „Stübli“ gefeiert hatte.

 

Was sind die Gründe für die vielen Wechsel? Welche Herausforderungen gibt es an dem außergewöhnlichen Standort? Das und mehr wollten wir von Schliengens Bürgermeister Christian Renkert wissen. Er ist seit 2023 Vorsitzender des Bürgeln-Bundes, in dessen Besitz sich das Markgräfler Kleinod seit 1920 befindet.

Auf Bürgeln übernimmt schon der sechste Pächter seit 2009. Was sind die Gründe für die fehlende Konstanz?

In meiner Zeit als Bürgelnbund-Vorsitzender ist es der zweite Pächterwechsel. Die Corona-Pandemie hat mehreren Gaststätten schwer zugesetzt und einige Traditionshäuser haben leider ganz geschlossen. Auch für das Schloss-Restaurant hatte die Pandemie negative Folgen. Die ersten einschränkenden Maßnahmen trafen nach der Winterpause im Jahr 2020 direkt den Start in die gewöhnlich gute Frühlings- und Ausflugssaison. Auch viele Hochzeiten wurden abgesagt, da die Regularien dazu führten, dass die Eheschließungen nur im kleinen Kreis erfolgen konnten.

Bürgermeister Christian Renkert, seit 2023 Vorsitzender des Bürgeln-Bundes Foto: zVg/Jürgen Weisheitinger

Ist die Bürgeln-Wirtschaft ein schweres Geschäft?

Solch eine Ausflugsgastronomie hat besondere Anforderungen. Bei gutem Wetter ist der Zulauf sehr stark und bei schlechtem Wetter bricht er ein.

Die Corona-Zeit mit ihren weitreichenden Einschränkungen setzte auch der Bürgler Schloss-Wirtschaft zu. Zeitweise war nur eine Art Kioskbetrieb möglich, kleine Speisen und Getränke gab es nur zum Mitnehmen. Foto: Alexander Anlicker

Was braucht es, um auf Bürgeln erfolgreich Gastronomie zu betreiben?

Um diese Schwankungen in der Auslastung zu bewältigen, braucht es eine besondere Personalstruktur. Die Mitarbeitenden müssen sehr flexibel sein, da sich die Besucherströme nicht lenken lassen. Bei großen Sehenswürdigkeiten wurden deshalb in den vergangenen Jahren praktisch überall Bestellsysteme eingeführt, um für eine gleichmäßigere Auslastung zu sorgen. Das heißt, man muss teilweise lange im voraus die Eintrittskarten buchen. Und wenn man dafür bezahlt hat, dann kommt man auch bei schlechtem Wetter – was auch für die Auslastung der Gastronomie an diesen Tagen sorgt. Ein solches Bestellsystem haben wir auf Bürgeln nicht – deshalb müssen Schloss und Restaurant mit eben diesen stark schwankenden Besucherzahlen umgehen können.

Blick auf Schloss Bürgeln (r.) und die Schloss-Wirtschaft (l.). Das Schloss-Stübli ist in einem Nebengebäude untergebracht, das vor mehr als 100 Jahren als Gärtnerhaus errichtet wurde. Foto: Alexander Anlicker

Was wünscht sich der Bürgeln-Bund als Besitzer des Schlosses für die Zukunft der Schloss-Wirtschaft?

Wir wünschen uns, dass die neue Pächterin die beschriebenen Herausforderungen gut meistert.

Wie lange gibt es auf Bürgeln schon eine Wirtschaft?

Dazu habe ich keine sicheren Quellen gefunden. In der jüngsten Mitgliederversammlung durfte ich allerdings Hans Egbert Müller kennenlernen, der einst langjähriger Pächter des Schloss-Stüblis war. Zusammen mit seiner Ehefrau Helmtrude hat er die Gaststätte ab 1966 insgesamt 35 Jahre lang geführt und dies als „die schönste Zeit seines Lebens“ bezeichnet.