Die Alte Kanzlei auf dem Stuttgarter Schillerplatz Foto: Piechowski

Zusammen mit dem neuen Partner Hofbräu will Traditionslokal neues Konzept verwirklichen.

Stuttgart - Der deutsche Biertrinker lässt nach: Sang er früher "Bier her, Bier her oder ich fall' um", genehmigt er sich heute nur noch 105 statt wie ehedem 120 Liter im Jahr. Damit Hopfen und Malz nicht ganz verloren sind, setzt das Traditionslokal Alte Kanzlei zusammen mit Stuttgarter Hofbräu verstärkt auf Bierkultur.

Schaumschlägerei? "Nein, ein neues Gesamtkonzept", verkünden der Wirt und Geschäftsführer der Gaststätte am Schillerplatz, Marco Ilmari Grenz, und Christian Rasch, Sprecher der Geschäftsleitung von Stuttgarter Hofbräu. Denn vom 1. Januar 2012 Punkt null Uhr an wird nur noch das Bier aus Heslach aus den Zapfhähnen fließen und das bisher hier ausgeschenkte Dinkelacker versiegt sein. Damit komme zusammen, was zusammengehört, und die Gäste könnten in der ehemaligen Hofkanzlei der württembergischen Herzöge wieder das Tafelgetränk seiner Majestät des Königs von Württemberg genießen. Denn Stuttgarter Hofbräu wurde 1883 zum Hoflieferanten ernannt und darf sich seither mit dem Wappen des Landes schmücken. Unter Hirsch und Löwe prangt nun auch das neue Signet, das die Alte Kanzlei zum Brauereiausschank erklärt. Soll heißen, man biete "Fassbierkompetenz mit acht Sorten", so Grenz, absolut frisch und auf schnellstem Wege angeliefert.

Keine altdeutsche Bierstube

Damit nicht genug: "Wir werden das Thema Bier auch ganz neu, ganz anders, aber immer hochwertig inszenieren", wird vollmundig versprochen. Ohne die "hohe Wein- und Food-Kompetenz" zu vernachlässigen, sondern im Gegenteil zu erweitern. Und das bedeutet was? Dass es beispielsweise einen Bier-Sommelier geben wird, dass mit Bier auch gekocht werden soll und der Küchenchef seine ganze Kreativität aufbietet, um nicht nur Schweinsbraten mit Biersoße zu servieren, und dass es regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Bier geben wird: "Wir wollen einmal im Monat ein Highlight setzen", verspricht Grenz die Bekanntschaft "mit Überraschungsbieren: Warum nicht mal Himbeer-Bier verkosten"?

Grenz, der das Lokal vor etwas mehr als neun Jahren übernommen hat und mit großem Erfolg betreibt, will für das neue Konzept auch einen neuen Rahmen schaffen: "Aber beileibe keine altdeutsche Bierstube", beteuert er. Im Lokal würden die kosmetischen Veränderungen behutsam und bei laufendem Betrieb vorgenommen. Ein radikalerer Umbau ist im Sommer im Obergeschoss geplant, wo aus drei der fünf Banketträume ein großer werden soll. "Wir investieren deutlich im sechsstelligen Bereich", sagt dazu Rasch. Aber nicht, weil es dem Lokal nicht gutgehe, sondern weil es Spaß mache, eine neue Konzeption zu verwirklichen. Und natürlich auch, räumt er ein, um den Bierdurst wieder zu steigern. Obwohl Hofbräu, mit 30 Prozent Marktanteil führend im Großraum Stuttgart und zur Radeberger Gruppe gehörend, im letzten Jahr acht Prozent Zuwachs verzeichnete.

Eine Silvesterparty, wie sie noch nie da war und auch nicht mehr wiederkommt, wird das neue Jahr für die Alte Kanzlei einläuten: Gefeiert wird nicht nur im Lokal mit einem Dinner, sondern auch im Alten Schloss, das Cornelia Ewigleben, Direktorin des Landesmuseums, wegen Umbauarbeiten anbieten konnte. Mit Büfett und Party für Kinder im Jungen Schloss. Karten ab sofort in der Alten Kanzlei erhältlich.

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