Quartier 77-Wirt Johannes Kiefer (links) kurz nach der Eröffnung 2017 mit seinem Team. Inzwischen leidet er unter Fachkräftemangel. (Archivbild) Foto: Hopp/Hopp

Schock in Horbs guter Gastronomie: Das Quartier 77 wird ab dem Fasnetshöhepunkt kein Abendangebot mehr haben. Der Grund: Es fehlen die Mitarbeiter.

Die Nachricht ging per Rundschreiben an die Gaststätte raus: Das Quartier 77 muss sich einschränken. Wirt Johannes Kiefer: »Wir fahren schon eine Weile mit einer schmalen Personaldecke. Der Schritt mit dem Abendessen ist uns nicht leichtgefallen.“ Er begründet: „Das Geschäft ist einen Tick zurückgegangen – wegen Krieg und Inflation. Es ist kaum möglich, neues Personal zu finden. Dann läuft auch der Biergarten Flößer auf der Inselspitze an!“

 

Deshalb hat er sich schweren Herzens entschlossen: Ab Samstag, 18. Februar, gibt es abends kein à la Carte-Essen mehr. Dafür Menüs zu besonderen Events wie Valentinstag und Veranstaltungen. Kiefer: „Die Hochzeiten sind meistens samstags – da kann ich die Personallücken auch mit Aushilfen füllen.“

Ein trauriger Trend aus Freudenstadt

Ein Problem, dass die ganze Branche betrifft? Schon auf der Reisemesse CMT hatte DeHoGa-Kreisschefin Beate Gaiser zusammen mit ihrem Stellvertreter Oliver Widmann das Thema angeschnitten: »In Freudenstadt teilen schon zwei Betriebe das Schicksal des Quartier 77. Das Hotel Warteck hat abends kein à la Carte mehr, weil die keinen Koch mehr haben. Das Jägerstüble hat auch nur Mittagessen und eingeschränktes Angebot. Aber ich konnte denen einen Koch vermitteln und hoffe, dass es klappt.«

Wie ist die Lage in Horbs Gastronomie? Kann ich bald überall nur noch Mittagessen gehen? Bernd Rausch, Kö 23: »Ich habe meine Mannschaft durch Corona mitgenommen. Wir haben null Fluktuation im Team – und es kommen immer wieder Leute auf mich zu, die mitschaffen wollen. Zweimal habe ich zwischen Januar und Juli 22 die Gehälter angepasst.«

Erstes Restaurant kürzt Öffnungszeiten

Martin Straub von Straub’s Krone in Bildechingen: »Der Fachkräftemangel ist der Grund, warum wir nach dem letzten Lockdown schon die Öffnungszeiten verändert haben. Wir öffnen sonntags nur noch zwei Mal im Monat. Es fehlt an Arbeitskräften, die fähig und willig sind. Der Markt wird da immer dünner! Zwar habe ich einen Azubi für die Küche gefunden. Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.« Straub spricht damit vielen Gastronomen aus der Seele. Der Fachkräftemangel ist das Mega-Thema der Branche.

Müller: „Im Sommer brauchen wir mehr Personal“

Einige Gastronomien können zum Glück immer noch auf ihr eingespieltes und langjährigeStammpersonal verlassen. Sigrid Hellstern, Adler Dettingen: »Toi, toi, toi – ich kann nicht klagen. Wenn das Team so bleibt, wird es reichen.«

Carsten Müller, Gleis Süd: »Momentan passt es von der Personaldecke her – wir haben Glück. Im Sommer brauchen wir für die Außengastro mehr Personal. Ich bin gespannt, wie es dann wird.«