Nicht weniger als ein Impuls für Villingen soll die „Art Factory“ in Teilen des ehemaligen Burger-Spritzguss-Gebäudes sein. Das Konzept sieht besondere gastronomische Angebote, Platz für Kreative und exklusive Gewerbeflächen vor.
Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn Badiah Ihlenfeld – in der Kunstwelt als Badiah Azabo unterwegs – von „einer anderen Welt“ spricht, die derzeit in zwei Trakten des ehemaligen Burger Spritzguss-Gebäudes in der Goldenbühlstraße geschaffen wird.
Vorbei an geschäftigen Handwerkern geht es in den ersten Stock des Industriebaus, der zuletzt getrost als Schandfleck bezeichnet werden konnte. Die Tür öffnet sich – Azabo begrüßt die Gäste in exklusiver Atmosphäre, in ebenjener „anderen Welt“. Hier lässt sich die Transformation vom Sanierungsobjekt in ein Leuchtturmprojekt für Villingen erahnen.
Altes Parkett, dunkle Fensterrahmen, hohe Wände mit edlem Holz aus Schwarz ausgekleidet, eine lange Holztafel, Designerlampe. Der ehemaligen Fabrik wird ein neues Leben eingehaucht.
Architekt Steffen Halder als Partner
Und dann erzählt Ihlenfeld von den Anfängen, als sie hier Mieterin war und sich verliebt hat in das Gebäude mit Industriecharme. Sie erfuhr eines Tages, dass Teile des Objektes zum Verkauf standen. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner, Architekt Steffen Halder, schlägt sie schließlich zu, den Weg für das Projekt ebnet eine gemeinsame GmbH.
Sie wollen etwas bewegen – „wir hoffen, dass wir eine Inspiration für Villingen sind“. Wenn die 50-Jährige das erzählt, leuchten ihre Augen, voller Inbrunst bringt sie näher, dass die Art Factory etwas ganz Besonderes werden soll. Ein Herzensprojekt, das auch andere motivieren soll, die Stadt voran zu bringen.
Kostspielige Sanierung
Doch wie wird das aussehen? Der Industriebau soll nach einer umfangreichen und überaus kostspieligen Sanierung zum Aushängeschild werden. Für Firmen, Ingenieurbüros und Kreative wird hier eine neue Heimat geschaffen. Von über 20 größeren Firmen gebe es bereits Zusagen, „80 Prozent der Mieter haben wir ohne Werbung gefunden“, erzählt sie. Die Mund-zu-Mund-Propaganda hätte gereicht, einen Großteil der rund 7000 Quadratmeter teilweise neu zu vermieten. „Wir sprechen viele Leute mit unserem Konzept an.“
Dass es dabei zu einem Mieterwandel kommen muss, sei letztlich unvermeidbar gewesen. Angesichts der Investitionssumme hätte man die Mieten entsprechend anpassen müssen. Zumal keine Fremdinvestoren im Spiel seien – vielmehr würden zwei Familien das Projekt finanzieren.
Kleinkunstbühne im Innenhof geplant
Vereine wie der AC Germania hätten sich deshalb zum Bedauern von Azabo eine neue Bleibe suchen müssen. „Wir haben versucht, Lösungen für alle zu suchen, die hier dabei sein wollten“, so die gebürtige Französin, die sich als Künstlerin einen Namen gemacht hat und Firmen im Bereich Inneneinrichtung und im Baugewerbe unterhält.
Der außergewöhnliche Touch soll der Art Factory aber nicht nur mit besonderem Design verliehen werden – nicht weniger als Großstadtflair soll rund um das Areal in der Goldenbühlstraße wehen. Im Innenhof des Gebäudes, welches einen Hamburger Backsteinlook erhalten wird, soll im Sommer eine Kleinkunstbühne für Unterhaltung sorgen – Kabarett, Bands, Künstler. Passend dazu durften die bislang ansässigen Bands ihre Flächen behalten, es sei schwer genug für Künstler, entsprechende Räume zu finden, finden Halder und Ihlenfeld.
Café im französischen Stil
Damit aber nicht genug. Denn das Konzept sieht auch gastronomische Flächen vor. Im Erdgeschoss planen die Eigentümer ein Café der besonderen Art. Nach französischem Stil möchte man hier einen Treffpunkt für die Mieter und Nachbarn schaffen –in Holzambiente mit Espresso und feinem Gebäck.
Gleichzeitig soll im hinteren Teil des Cafés Interieurausstattung angeboten werden – Handarbeit, erlesen Stücke. Die Künstlerin will diesen Bereich auch als Showroom nutzen und dort unter anderem Espressotassen ihrer eigenen Kollektiv zur Schau stellen.
Erste Bezüge ab März 2024 angedacht
Bleibt die Frage nach dem Startschuss für das Mammutprojekt. Seit rund einem Jahr räumen Halder und Ihlenfeld die Flächen leer, um die Sanierung Stück für Stück umzusetzen. Bereits im März 2024 sollen die ersten Mieter einziehen. Wann der Umbau der Art Factory komplett abgeschlossen sein soll, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass dann auch ein weiteres, besonderes gastronomisches Konzept für Aufsehen sorgen soll.
Nach der Motivation braucht man Ihlenfeld übrigens nicht fragen. „Ich lebe seit 30 Jahren in VS – will auch weiter hier leben.“ Sie möchte die Stadt voranbringen und erreichen, dass das Geld nicht in die Großstädte getragen wird, sondern in der Doppelstadt bleibt. Ihlenfeld: „Man soll es vor seinem Haus schöner machen – das soll unser Beitrag dazu sein.“