Das Jugend-Musik-Werk Baden eröffnete in Friesenheim seine neue Einrichtung mit Probenraum und Gesangskabine. 75 000 Euro und 1700 Arbeitsstunden stecken darin.
Für Kinder und Jugendliche ist das Jugend-Musik-Werk nicht nur ein Ort, an dem musiziert wird. Für sie ist es oft auch ein Weg zur Selbstfindung und ein Stück Emotionalität. Vor allem diese Intention ist es, die am Samstagvormittag auch gefeiert wurde. Im Jugend-Musik-Werk begegnen sich alle auf Augenhöhe, lernen voneinander und miteinander. Gründer Marco-Sharif Khan weiß: „Musik baut Brücken, Musik hilft, Musik heilt.“
Projekte werden teilweise mit dem Jugendamt, Jugendeinrichtungen, Schulen und unter Begleitung von Psychologen geleistet. Lob und Anerkennung zollte die Landtagsabgeordnete Sandra Boser: „Ich weiß, was es Kindern und Jugendlichen bedeutet hierher zu kommen, sich auszuprobieren, Dinge zu bearbeiten, sich neu zu erfahren, zu entdecken und neu kennenzulernen.“ Das Jugend-Musik-Werk bringe den Kindern und Jugendlichen einen enormen Mehrwert. Dafür dankten auch Bürgermeister Erik Weide und seine Stellvertreterin Charlotte Schubnell.
Vorsitzender erinnert sich an die Anfänge
Kahn, Vorsitzender des Jugend-Musik-Werks Baden, dankte allen Beteiligten. Ihm zur Seite steht seit einigen Jahren Tim Eichhorn. Beide haben am Samstagmorgen das Projekt vorgestellt. Mit den Gästen unternahm Khan eine Zeitreise. Angefangen habe seine Projektarbeit im Jahr 1996. Zuvor habe er als zwölfjähriger Junge bei Pascal Boy und Jochen Rees an einem Bandworkshop an der Schule in Friesenheim teilgenommen. Für ihn war die Schulband das A und O. Es kam zur Gründung des Bandprojekts „Various Impressions.“ Vier Jahre lang trafen sich die Jugendlichen im Musikraum, bis im Jahr 2000 der Heizungskeller angeboten wurde. 13 Jahre war dieser nach einer ehrenamtlichen Umbau- und Einrichtungsphase durch Kahn und seinem Team fester Probenraum. Dann kam ein Wasserschaden und der Heizungskeller habe drei Meter unter Wasser gestanden. Totalschaden lautete das Ergebnis für die gesamte Ausstattung. Am Boden zerstört habe er kurz ans Aufgeben gedacht.
Im Dezember 2024 kam der nächste Rückschlag
Nachdem jedoch die Jugend mit den Sparbüchsen vor ihm gestanden habe, wurden die Ärmel hochgekrempelt und nach einem neuen Standort gesucht. Dieser war im Zeitareal in Lahr gefunden, allerdings mit dem Wissen, dass dieser Standort nur zeitlich begrenzt sein wird. In der Folge kam es zur Vereinsgründung und einer weiteren Professionalität der Räume und Ausstattung. Als am 23. Dezember 2024 wieder das Studio unter Wasser gestanden habe, war dies ein Moment, über den der Vorsitzende sagt: „Es ist mir wahnsinnig unter die Haut gegangen.“ Zum Glück habe Schwiegermutter Birgit Maurer-Ferkel eine leerstehende Gaststätte und meinte: „Komm doch zu mir.“ Eigentlich wollte Khan familiäre Beziehungen in seinem Jugend-Musik-Werk außen vor lassen, weshalb es für ihn nun die letzte Amtszeit als Vorsitzender sein wird. Die Weichen sind für Tim Eichhorn gestellt.
Umbau dauerte mehr als ein halbes Jahr
Von März bis November habe es gedauert bis aus einer ehemaligen Gaststätte mit dem Flair der 1960er-Jahre ein hochmodernes, schallgeschütztes Musikstudio geworden ist. Dank galt hier namentlich Stefan Eichner, Wolfgang Schäfer und Michael Kern, die allesamt unzählige Stunden und Geld der Jugend geschenkt hätten. Eichner verlegte Elektrik im Wert von 7000 Euro, Schäfer spendete die Klimaanlage im Wert von 6500 Euro und Kern übernahm die gesamte Statik und Wände, die eingezogen werden mussten.
Über das Jugend-Musik-Werk Baden sagt Khan: „So etwas wie uns gibt es nur einmal. Aber wir sind froh, wenn unser Konzept adaptiert wird.“