Seit 1998 haben Areti und Antonios Vassiliadis das Gasthaus Löwen, auch bekannt als "Plocher", betrieben. Nach 23 Jahren mit vielen tollen Momenten, einer Menge Gästen und viel Ouzo gehen die Beiden nun in den Ruhestand. Nachfolger sind noch nicht gefunden, so dass Epfendorf nun vorerst eine Gaststätte weniger hat.
Epfendorf - Es ist Montagmorgen, 10.30 Uhr – der erste Tag, an dem das Gasthaus Löwen offiziell geschlossen hat. Am Vorabend gab es noch eine kleine Verabschiedung – die Verbindung zwischen den Vassiliadis und der Verpächter-Familie Klausmann ist nämlich besonders. Beim Pressegespräch sind alle Beteiligten etwas wehmütig angesichts der vielen gemeinsamen Erlebnisse.
Start mit Metzgerei
Agnes Klausmann eröffnete 1974 eine Metzgerei im Gebäude in der Adenauerstraße. Diese war bis 2015 geöffnet. Im Gebäude gab es aber auch Gastronomie und über viele Jahre griechische Küche. Zunächst von Aleko und Kiki Paraperoglou. 1998 pachteten dann Antonios und Areti Vassiliadis die Gaststätte und führten diese Richtung fort.
2018 haben Sabine Knöpfle-Klausmann und Siegbert Knöpfle von Agnes Klausmann übernommen. In den 23 Jahren sind Freundschaften gewachsen und viele tolle Geschichten erlebt worden.
Corona beschleunigt den Abschied
"Der Abschied fällt einem schon schwer, aber irgendwann ist es halt an der Zeit", so Antonios Vassiliadis, auch Toni genannt. "Wir hatten wirklich eine tolle Zeit", bestätigt seine Frau Areti. Nun geht es aber in den verdienten Ruhestand. Die Corona-Situation hat das Ende dabei etwas beschleunigt. "Der Gedanke aufzuhören ist schon eine Weile im Kopf. Aber in der jetzigen Zeit ist es auch wirklich schwierig", so Toni.
Die Griechen waren beliebt in Epfendorf. "Es war hier schon das Dorflokal. Die Vereine sind regelmäßig zu Gast gewesen, es gab einen großen Stammtisch. Alle sind immer gerne gekommen", erinnert sich Agnes Klausmann. Sie erklärt zudem, dass man den "Löwen" eigentlich besser als "Plocher" kennt. "Man geht zum ›Plocher‹", haben die Leute früher immer gesagt. Vassiliadis ergänzt mt einem Augenzwinkern. "Und später haben die Leute gesagt, wir gehen zum Toni".
Gastro-Arbeit liegt in der Familie
Auch die Kinder des Ehepaars haben an den Wochenenden über viele Jahre mitgeholfen. Antonios’ Vater kam 1960 als Gastarbeiter nach Deutschland und hat in Rottweil später auch ein griechisches Restaurant geführt. Die griechische Heimat soll im Ruhestand nun häufiger besucht werden. Dann geht es nach Philippi, 15 Kilometer entfernt von der Hafenstadt Kavala. Besonders beliebt unter den griechischen Spezialitäten war in Epfendorf überbackenes Gyros. "Die Leute haben immer wieder nach dem Rezept gefragt, aber das verrät man natürlich nicht", erklärt Toni. Man merkt ihm und seiner Frau an, dass sie stolz auf die Zeit und die Momente sind.
Fasnet im Löwen ein Highlight
Ins Schwärmen kommen alle Beteiligten, als das Thema Fasnet angesprochen wird. "Alle haben volle Pulle mitgemacht", erklärt Areti. Und Toni richtet gleich einen Appell an die Familie Knöpfle. "Da müsst ihr den Laden auch ohne uns auf jeden Fall aufmachen".
Der "Löwen" war Begegnungsstätte – ob bei Geburtstagen, Weihnachtsfeiern, Beerdigungen oder Wandergruppen. Am Freitagmorgen gab es mehr als zehn Jahre lang einen Frauenstammtisch. "Jung und Alt haben zusammen gelacht, gesungen und getrunken", bekräftigt Agnes Klausmann. Und die nun ehemaligen Pächter stellen klar. "Der Ouzo ging nie aus". Im Sommer war zudem die Außenterasse sehr beliebt.
Nachfolge noch offen
Die große Frage ist: Wie geht es nun weiter? "Wir sind auf der Suche nach neuen Pächtern, aber während der Pandemie ist es sehr schwierig", so Knöpfle-Klausmann. Dabei dürfte es gerne wieder ein griechischer Betreiber sein, wenngleich Siegbert Knöpfle dazu sagt. "Schön wäre es, wenn es überhaupt klappt. Epfendorf braucht Gastronomie".
Der Kontakt zwischen den Familien soll auf jeden Fall bestehen bleiben, da sind sich alle einig. Vielleicht gibt es auch mal wieder einen Besuch in der Heimat der Familie Vassiliadis, denn in der Vergangenheit waren schon einmal 30 Epfendorfer bei ihnen in Griechenland zu Gast. Als Abschiedsgeschenk gab es von den Verpächtern noch eine Urkunde und Blumen. Und vielleicht wurde noch der eine oder andere Ouzo getrunken, der geht ja schließlich nie aus.