Gisela Kolbus (von links), Julia Weirauch, Nils Weirauch, Klaus Lenz Foto: Holderied

Nach 38 Jahren unter der Führung von Klaus Lenz hat das Gasthaus Ritter in Weilstetten seit dem 28. September geschlossen. Wer in Zukunft die Küche übernehmen wird, ist noch unklar. Doch in einer Sache sind sich die neuen Besitzer einig.

Der Gasthof Ritter hat eine lange Geschichte in Weilstetten. Seit etwa 1830 steht das Gebäude an Ort und Stelle. „Dabei hieß es in den fast 200 Jahren immer Ritter“, sagt der ehemalige Koch des Gasthauses, Klaus Lenz, im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Seit 38 Jahren lief der „Ritter“ unter seiner Führung . Dabei hat der Koch in 38 Jahren jedes Essen selbst zubereitet. „Klaus war nie krank“, berichtet seine rechte Hand, Gisela Kolbus. Seit 1999 stand sie für den 73-Jährigen hinter dem Tresen, erst als Aushilfe, dann halbtags, und irgendwann übernahm sie einen „Cheffinnenposten“, erklärt Lenz. Sie stand ihm in all den Jahren, vor allem nach dem Tod seiner Frau, zur Seite. „Damals bekam ich wirklich große Unterstützung von allen Mitarbeitern“, erklärt der Gastronom.

Fast 60 Jahre Gastronomieerfahrung

Lenz arbeitet von klein auf in der Gastronomie, mit 14 habe er das erste mal in einem Restaurant gearbeitet. „Die Zeit war überwiegend schön, aber jetzt nach 58 Jahren reicht es auch mal“, so Lenz.

Davor habe er in so mancher Küche gearbeitet. Im Restaurant Schönblick in Stuttgart habe er damals gelernt. Danach war er in der Landtagsgaststätte in Stuttgart als Koch tätig. Außerdem habe er in der Krone in Bempflingen (Kreis Esslingen), im „Nachtwächter“ und in der „Pfeffermühle“ gearbeitet. „Dort war ich für zwölf Jahre“, erzählt Lenz. „Ich habe dort viel gelernt, vor allem aber das Handwerk der Gastronomie“, führt er fort. Schließlich habe er dann 1986 den „Ritter“ gekauft. Zu dieser Zeit habe ein Pächterwechsel stattgefunden. „Der Ritter gehörte zu dieser Zeit der Oma meiner Frau“, berichtet Lenz.

Die Fischsuppe war ein Dauerbrenner

Am liebsten bereitete der Koch Spargelgerichte zu. „Oder meine Fischsuppe“, ergänzt Lenz, „wenn eine Zeit lang weniger los war, machte ich immer meine Fischsuppe. Das sprach sich schnell rum und prompt war der Laden wieder voll,“,erklärte er und lacht. Einige Gäste seien sogar von weit her gekommen, um die Fischsuppe zu probieren.

In Zukunft wird der Gastronom erst einmal seine Rente genießen. „Eventuell helfe ich auch mal an der ein oder anderen Stelle aus, vielleicht sogar hier“, sagt er. Doch was aus dem Restaurant in Zukunft werden solle, wüsste man noch nicht.

Zwei Gebäude unter einem Dach

Julia Weirauch und ihr Mann Nils Weirauch sind die neuen Besitzer des Ritters, jedoch wollen weder sie noch ihr Mann den Gasthof in Zukunft leiten. „Ich bin bereits selbstständig mit Kosmetik und Fußpflege, da gehört Gastronomie einfach nicht zu meiner Branche“, erläutert sie.

Der Gasthof Ritter in Weilstetten Foto: Holderied

Dem Ehepaar gehört bereits das Haus nebenan, da beide Gebäude unter einem Dach seien wären sie ohnehin co-abhängig voneinander. Da habe es sich angeboten, das andere Gebäude bei dieser Gelegenheit zu kaufen.

Die deutsche Küche soll weiterhin bestehen

Für die Zukunft wünschen sich die neuen Besitzer, wie auch Klaus Lenz für den „Ritter“ dass es ein Restaurant mit Deutsch-Schwäbischer Küche bleibt. „Ich hoffe, dass sich jemand findet, der das Restaurant genau so weiterführt wie ich es getan habe“, sagt Lenz.

Die gut bürgerliche Küche sterbe aus, das sehe man bei mehreren Gastronomien in der Gegend, wie zum Beispiel beim Gasthof Lang in Balingen, doch die Nachfrage sei nach wie vor vorhanden, meint Weirauch.

Einige Stammgäste werden dem Ritter erhalten bleiben

Den „Ritter“ zu übernehmen wäre ein gutes Geschäft, es sei alles da, von der Gartenlaube bis zum Kühlhaus, man müsse nur kurz im Ort einkaufen gehen, sagt Weihrauch. Außerdem könne ein neuer Pächter im „Ritter“ weitere Wohnungen zusätzlich übernehmen. Diese können zum eigenen Gebrauch und zur Vermietung genutzt werden.

Es gebe auch einen Biergarten, an diesen könne man einen Spielplatz anschließen. „Früher sind dort auch schon einmal Schaukel und Rutsche gestanden, das könnte man wieder anbringen“, sagt Weirauch.

Die Stammgäste würden zurück kommen

Gisela Kolbus sei sich sogar sicher, dass einige Stammgäste wieder in den „Ritter“ kommen würden. „Der Donnerstagsstammtisch kommt sicher wieder“, sagt Kolbus grinsend. „Die Deutsch-Schwäbische Küche hat in Weilstetten ihre eigene Kultur“, meint Weirauch.

Einen Alternativplan brauche sie nicht, da sie fest davon ausgehe, dass sie einen neuen Pächter finden würden.