Die Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle in der Tailfinger Josefstraße laufen auf Hochtouren. Wir haben die Eindrücke vom „Tag danach“ gesammelt.
Der Schock sitzt in Tailfingen auch am Morgen nach der dramatischen Gasexplosion in einem Gebäude in der Josefstraße tief. Eine junge Familie, das Kind gerade mal sechs Jahre alt, hat am Donnerstag ihr Leben unter den Trümmern der eigenen vier Wände verloren.
Auf tragische Weise erlangte Albstadt bundesweite Aufmerksamkeit. Überregionale Nachrichten- und Radiosender, Zeitungen und Magazine berichteten. Sogar ein Live-Gespräch mit Stadtbrandmeister Thomas Daus in der Donnerstagabendausgabe von SWR-Aktuell wurde im Fernsehen ausgestrahlt.
Seitdem die vermissten Personen tot aufgefunden wurden, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Feuerwehr, DRK, Technisches Hilfswerk und Polizei koordinieren am Freitag das Geschehen an der Einsatzstelle. Für die Feuerwehr sind die feuerwehrspezifischen Tätigkeiten abgeschlossen, wie vor Ort zu erfahren war. Dennoch ist eine stattliche Zahl an Rettungskräften im Einsatz. Im Verlauf des Donnerstags waren es insgesamt über 200 Kräfte der Blaulichtfamilie.
Handwerker vor Ort
Auch die Firmenfahrzeuge zahlreicher Handwerksfirmen aus Albstadt und Umgebung parken im betroffenen Wohnviertel. Wie Oberbürgermeister Roland Tralmer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bereits lobte, haben Dachdecker, Zimmerer, Sanitärfachleute und viele mehr unmittelbar unbürokratisch ihre Hilfe angeboten. Und diese ist augenscheinlich dringend nötig. In einigen der benachbarten Häuser sind durch die Druckwelle der Explosion Fenster zerborsten. Diese wurden über Nacht notdürftig geschlossen. Bei wenigen Nachbarhäusern sind auch Dachziegel gelöst worden; Notdächer decken die Gebäude ab. Mit Hubwagen sind Handwerker auf den Dächern zu Gange.
Immerhin: Mona Lehmann, Sprecherin der Stadt Albstadt, hatte am Freitagmorgen die gute Nachricht mitzuteilen, dass bis auf ein benachbartes Gebäude allesamt kurzfristig wieder bewohnbar gemacht werden konnten.
Unglücksstelle abgesperrt
Die Bewohner des einen vorübergehend nicht mehr bewohnbaren Hauses seien von der Stadt in einem Hotel untergebracht worden. Ob dieses Gebäude strukturelle Schäden vom Unglück davongetragen habe, könne noch nicht abschließend beantwortet werden. Dafür müssten die finalen Ergebnisse der statischen Untersuchung abgewartet werden. Grundsätzlich betont Lehmann: „Fortlaufend findet ein Austausch mit den Handwerkern statt.“
Die Unglücksstelle ist am Freitag nach wie vor abgesperrt. Bauzäune und Absperrbänder sichern das Gelände, auf dem sich Trümmerteile türmen, ab. Wie eine Sprecherin im Polizeipräsidium Reutlingen sagt, diene die Absperrung vorrangig, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Spurensicherung dauern an. Am Freitag trafen auch Brandermittler sowie Kräfte des Landeskriminalamts in Tailfingen ein.
Kerzen aufgestellt
Zutiefst traurig und berührt zeigen sich einige Bürger, die in der Nähe des Unglücksorts wohnen. Eine junge Familie stellt eine Kerze am Eingang in das betroffene Teilstück der Josefstraße ab. Damit tut sie es einigen Mitbürgern gleich. Gegen 11 Uhr erinnern bereits rund fünf Kerzen am Rande des abgesperrten Bereichs an die Tragödie. Dieser Ort der Trauer darf ausgebaut werden; Angehörige und Anwohner können darin Kraft schöpfen.
Anteilnahme ist riesig
Auch in den sozialen Netzwerken ist die Anteilnahme riesig. Eine Spendenaktion für die Trauerfeier der Familie wurde ins Leben gerufen. Die von der Stadt Albstadt geteilte Trauerbekundung auf Facebook und Instagram wurde zahlreich geteilt.
Psychisch besonders belastend ist die Situation für Angehörige und Anwohner. Wer sprechen, seine Trauer verarbeiten oder einfach über den aktuellen Stand der Dinge Auskunft erhalten möchte, findet Ansprechpartner in einem vom DRK aufgebauten Zelt. Eine Art „Wärmeinsel“ für all diejenigen, die Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Als Notfallseelsorger bietet sich unter anderem der evangelische Pfarrer Johannes Hartmann an. Das Angebot sei in Kooperation mit Stadt und Polizei Freitagmorgen initiiert worden, wie Heiko Lebherz, Vorsitzender des DRK- Kreisverband Zollernalb mitteilt – und auch in Anspruch genommen worden.
Notfallseelsorger gefordert
Bereits am Donnerstag war das DRK mit einem Großaufgebot vor Ort. Wie der Kreisverband Zollernalb in einer Mitteilung informiert, habe sich der Aufwand für die Betreuung von Angehörigen und Nachbarn ständig erhöht. Mehr als 30 Betroffene habe das Rote Kreuz in Abstimmung mit der Polizei am Donnerstag betreut.
Bis Ermittlungen und Aufräumarbeiten abgeschlossen sind und das Geschehene verarbeitet ist, dürften noch einige Tage ins Land ziehen. Oder wie Oberbürgermeister Roland Tralmer sagt: „Es war sicher einer der schlimmsten Tage der Stadtgeschichte.“
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