Nach dem Großeinsatz im Ebinger Zentrum hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Bekannt ist auch, warum überhaupt gebohrt wurde.
Kurz vor Mitternacht konnte die Sperrung im Bereich Untere Vorstadt am späten Dienstagabend aufgehoben werden. Seit 12 Uhr mittags sicherte ein Großaufgebot an Einsatzkräften den Bereich rund um die Eisenbahnbrücke ab. Dort hatte ein Unternehmen bei Bohrungen eine Gasleitung beschädigt. Die wichtigste Nachricht: Verletzt wurde niemand.
Auch am Mittwochmorgen sind die Spuren des Großeinsatzes noch zu sehen. Der Durchgang in der Fußgängerzone unter der Eisenbahnbrücke in Richtung Hochschule ist noch wie vor gesperrt. Im Laufe des Mittwochs sollen die Reparaturarbeiten nach Angaben der Albstadtwerke abgeschlossen werden.
Umfangreiche Messungen
Wie Mona Lehmann, Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilt, hätten sich durchschnittlich rund 20 Personen in der Festhalle aufgehalten. Nachdem die Einsatzmaßnahmen abgeschlossen worden sind, hätten alle Anwohner ihre Gebäude noch am Abend wieder beziehen können. Auch die Versorgung mit Strom und Gas sei wiederhergestellt worden. Vorausgegangen waren umfangreiche Gasmessungen in den betroffenen Häusern durch die Feuerwehr.
Die Stadt Albstadt hatte am Dienstagnachmittag zudem kurzerhand ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses sei rege in Anspruch genommen worden, wie Lehmann weiter berichtet. Betroffene erhielten so telefonisch Auskunft über das Geschehen; auch Anwohner im Grenzgebiet zur Sperrzone erfuhren, was sie zu beachten haben.
Rund 100 000 Euro Schaden
Die beschädigte Gasleitung selbst habe laut Polizei gegen 17.15 Uhr abgedichtet werden können, rund fünf Stunden nach Einsatzbeginn. Die Polizei beziffert den Sachschaden ersten Schätzungen zufolge auf rund 100.000 Euro. Der Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums Reutlingen habe die Ermittlungen aufgenommen.
Bleibt noch die Frage, warum in der Unteren Vorstadt überhaupt gebohrt wurde? Beauftragt wurden die Bohrungen von der SWEG Schienenwege GmbH. Wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt, wurden dort Bodenuntersuchungen zur Baugrunderkundung durchgeführt. Anlass ist die geplante Reaktivierung der Talgangbahn. Die Bohrungen sollen Aufschluss über den Untergrund und seine Beschaffenheit geben. Auf dieser Grundlage könnten die geplanten Ingenieursbauwerke – wie zum Beispiel Brücken oder Stützwände – verlässlich geplant werden.
Über die Bleichestraße sowie die Untere Vorstadt führt bekanntlich eine Eisenbahnbrücke, die für den Verlauf der Talgangbahn in Richtung Onstmettingen interessant ist. Durch die Baugrunderkundung könne hierbei eine Aussage getroffen werden, ob das Bauwerk über die Bleichestraße den zukünftigen Anforderungen der Regional-Stadtbahn gerecht werde und eine langfristige Nutzung garantiert werden können, erläutert der Sprecher weiter.
115 Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und DRK
Am Vortag waren rund 115 Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und DRK an den Einsatzort ausgerückt und sperrten das Gebiet mit Flatterband und Absperrungen weiträumig ab. Auch die Störungsdienste Gas/Wasser und Strom der Albstadtwerke sind inklusive Rohrleitungsbaufirma und Tiefbaufirma ausgerückt, wie eine Sprecherin des Energieversorgers auf Anfrage informiert.
Die Leitung sei vor und nach der Schadensstelle freigelegt und der betroffene Leitungsabschnitt mit Spezialwerkzeug abgesperrt sowie zur Gefahrenabwehr mit Stickstoff gespült worden. So habe das Bohrgerät gefahrlos entfernt und die Schadensstelle repariert werden können. Bis auf ein Gebäude seien alle Kunden durchgehend mit Erdgas versorgt gewesen. An einer nahe gelegenen Gashochdruckleitung sei kein Schaden festzustellen gewesen.
Bewohner umliegender Gebäude wurden kurz nach der Alarmierung der Rettungskräfte evakuiert und bei Bedarf vom DRK in der Festhalle betreut. Dort war auch die Polizei Ansprechpartner für Betroffene.