Bald wird der der Zeller-Mörike-Garten wieder in voller Blüte stehen. Foto: Thomas Fritsch

Der Zeller-Mörike-Garten in Nagold beherbergt einige Beete mit Arzneipflanzen. In den letzten Jahren hat das Interesse an solcherlei Naturheilkunde zugenommen. Gut, dass der Garten auch einen Bildungsauftrag verfolgt.

Die Geschichte, wie der Mensch Pflanzen für seine Gesundheit nutzt ist so alt wie die Heilkunst selbst. Schon die etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie des Ötzi führte in seinem Gepäck sogenannte Birkenporlinge mit, von denen vermutet wird, dass sie ihm als Heilmittel gegen Entzündungen dienten.

 

Und auch heute können sich viele noch an die Großmutter und ihre selbst gemachte Ringelblumensalbe erinnern, oder an den Salbeitee der Mutter. Menschen nutzten schon immer Pflanzen als Heilmittel und ein Garten war lange Zeit so etwas, wie eine Art Hausapotheke. Mit dem Apothekergarten wurde diesem alten Wissen im Zeller-Mörike-Garten in Nagold ein lebendiges Denkmal gesetzt, von dem auch ein Fingerzeig in die Zukunft ausgeht.

Nach der Landesgartenschau 2012 beschloss man, dass einige Heilpflanzen dorthin umziehen sollten. In elf Beeten wachsen im Apothekergarten heute nach Wirkungsweisen sortierte Heilpflanzen. Es gibt Beete für Atemwegserkrankungen, Magen-Darm, Frauengesundheit und mehr. Und an jeder Pflanze ist ein kleines Info-Schild angebracht, das den Besucher über das Gewächs, seine Familie, den zu verwendenden Pflanzenteil und seinen Wirkstoff aufklärt.

Pflanze und Dosierung sind wichtig für die Heilung

Bärbel Reichert-Fehrenbach ist Apothekerin und aktiv im Förderverein Zeller-Mörike-Garten. Sie bekommt oft von Besucherinnen und Besuchern die Frage gestellt, warum denn der Salbei aus dem heimischen Garten nicht die versprochene Wirkung hat. Dann muss sie ein wenig Biologie-Unterricht geben: Die Potenz eines Wirkstoffs ist nicht in jeder Pflanze einer Familie gleich hoch. Also ist Salbei nicht gleich Salbei. Nur mit der richtigen Salbeipflanze und der richtigen Dosierung lässt sich die erwünschte Heilung erreichen.

Die Natur liegt im Trend

Das Interesse an natürlichen Wirkstoffen sei in den letzten Jahren gestiegen. „Also die Menschen sind schon offen für Natürliches“, sagt Reichert-Fehrenbach. Es gebe eine Angst vor Chemie und ein Misstrauen gegenüber vielerlei Antibiotika, die die Nachfrage von natürlichen, beziehungsweise pflanzlichen Arzneimitteln schürten. „Die Offenheit, etwas Natürliches, etwas Pflanzliches zu nutzen, ist schon gewachsen.“

Die Beete mit den Heilpflanzen sind thematisch nach Beschwerden geordnet. Foto: Ursula Krauter-Benz

Es sei in den letzten Jahren ein Trend entstanden, der hin zur Natur geht – vor allem nach den Pandemie-Jahren. Viele Menschen, zumindest die, die die Möglichkeit hatten, fühlten sich animiert, wieder mehr im Garten zu machen. Da konnte man auch in Sachen Naturheilkunde ein Wachstum feststellen. Sicherlich ist daraus bei vielen nichts wirklich Nachhaltiges entstanden. Doch auch wenn man es aus den Augen verloren hat: „Vielleicht kommt irgendwann der Punkt bei manchen, wo sie denken: Ah ja, da war doch was. Ich gehe mal gucken.“

Arzneipflanze ist nicht gleich Arznei

Der Zeller-Mörike-Garten nimmt auch eine Bildungsfunktion ein. „Er soll Informationen weitergeben und er soll vielleicht auch ein Stück weit Lotse sein in diesem Wust an Informationen“, erklärt Reichert-Fehrenbach. Auch damit Menschen lernen zu verstehen, Arzneipflanze ist nicht gleich Arznei.

Nur weil sich jemand ein Rosmarin-Pesto anrührt, nimmt er oder sie noch lange keine Arznei zu sich.

Ungefähr im Mai wird der Garten endlich ganz aus seinem Schlaf erwacht sein und seine ganze Pracht entfalten. Auf die Frage, ob sie dann eine Lieblingspflanze im Apothekergarten habe, hat Reichert-Fehrenbach eine rasche Antwort parat: „Also ich liebe halt den Ginkgo. Der ist so eine alte Pflanze, so ein Lebensbaum. Das finde ich total cool – und Gänseblümchen.“

Zeller-Mörike-Garten

Öffnungszeiten
Der Zeller-Mörike-Garten ist von 12. Mai bis zum 22. September 2024 sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Führungen
Mitglieder des Fördervereines führen durch das Ensemble und erzählen den Besuchern die Geschichte des Gartens und des Hauses. Internet www.zeller-moerike-garten.de

Biedermeier
Die Beete wurden im Stil der Biedermeier-Zeit angelegt. Nach und nach bekommt der Garten ein Aussehen, wie es für die Biedermeier-Zeit typisch ist, mit damals typischen Arzneipflanzen wie Lavendel, Beinwell, Rosmarin, Malve, Salbei, Arznei-Löwenzahn, etc.

Ornamenta 2024
Diese Saison finden auch Veranstaltungen im Rahmen der sommerlichen Kunstaktion Ornamenta 2024 statt. Zudem entsteht in diesem Rahmen derzeit ein aphrodisierender Garten. www.ornamenta2024.eu/de