Die Eltern warten vor dem Schulhof der Schwenninger Gartenschule auf ihre Kinder – das war bis zum letzten Schuljahr nicht immer so entspannt. Foto: Mareike Kratt

Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder am Morgen bis kurz vor den Schulhof karren: Solche Szenarien hat die Schwenninger Gartenschule auch erlebt – und geht jetzt dagegen vor.

Der Motor einer schwarzen Limousine, die zwischen Burenhaus und Gartenschule am Straßenrand parkt, ist die ganze Zeit am Laufen. Sofort läuft eine Schülermutter in auffällig gekleideter Warnweste auf das Auto zu und bitte den Fahrer mit deutlichen Worten, das Auto schnellstmöglich wegzustellen.

 

Es ist kurz vor halb eins – für etwa die Hälfte der Gartenschüler endet gleich der Unterricht.

Verkehr im Blick

Immer, wenn ein Auto vereinzelt die untere Bildackerstraße – die im Übrigen in einer Sackgasse endet – hinunterfährt, wird es von der engagierten Mutter, die nicht genannt werden möchte, angehalten, damit in der Abholzeit der Verkehr rund um die Schule so gut wie möglich eingedämmt wird. Gleichzeitig kommen immer mehr Eltern vor die Schulhofmauer, um ihre Kinder abzuholen – zu Fuß.

„Das Problem mit den Elterntaxis hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gebessert“, freut sich die Schwenningerin. Denn die Situation vor der Gartenschule war nicht immer so entspannt wie an diesem Mittag. Hinauf- und herunter fahrende oder in Schlange stehende Autos, teils in wichtigen Zufahrten stehend, waren zumindest bis vor den Sommerferien quasi ein Dauerzustand vor und nach den Unterrichtszeiten, berichtet sie. Einmal sei sogar ein Auto direkt auf den Schulhof gefahren.

Deutlicher Appell

Etwas dagegen zu unternehmen und die Eltern zu sensibilisieren, war Schulleiterin Katya Cankovski ein wichtiges Anliegen. „Was ist, wenn die Schülereltern dafür eine Lotsenfunktion übernehmen?“: Ein Gespräch mit der Polizei hatte sie in dieser Idee, die die Villinger Südstadtschule bereits erfolgreich umsetzt, gegen Ende des vergangenen Schuljahres bekräftigt, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Darauf folgte nicht nur ein eindringlicher Appell an die Elternschaft, das Bringen und Holen per Auto direkt an der Schule einzustellen, sondern auch der Aufruf, aktiv als Lotse gegen die Elterntaxis vorzugehen.

Positive Resonanz

24 Eltern hätten daraufhin ihre Bereitschaft signalisiert, zu Stoßzeiten vor acht Uhr und kurz vor halb eins sich vor die Schule zu stellen und den Verkehr zu lenken sowie die fahrenden und parkenden Autofahrer gezielt anzusprechen. Katya Cankovski freut sich, dass die Nachricht auf solch positive Resonanz gestoßen ist. „Schließlich geht’s ja auch um die Sicherheit der Kinder – es haben alle ein Interesse daran, dass keine Gefahr von den Autos ausgeht“, sagt sie.

Ein wichtiges Signal dabei: Die Initiative kommt direkt aus der Elternschaft. Das bedeute nicht nur, dass die Lehrkräfte, von denen vor Unterrichtsbeginn am Morgen stets zwei Frühaufsichten an den Türen stehen – die Schule öffnet um 7.50 Uhr –, entlastet werden, sondern auch, dass „Eltern direkt mit Eltern sprechen – das wird manchmal eher akzeptiert“, so die Schulleiterin.

Sicherheit im Fokus

„Am Anfang wurde ich komisch angeguckt, aber mittlerweile verstehen es die anderen Eltern – und machen sogar mit“, freut sich derweil die engagierte Mutter, die sich seit dem Aufruf jeden Morgen und manchmal auch am Mittag zwanzig Minuten Zeit nimmt – eine Selbstverständlichkeit, wie sie sagt, einen Beitrag für die Sicherheit ihrer Tochter sowie der Mitschüler zu leisten. Anfangs habe man die Straße im oberen Kreuzungsbereich zur Gartenstraße regelrecht absperren müssen, blickt sie zurück. Das sei inzwischen gar nicht mehr nötig.

Das beweist auch die Situation am kommenden Morgen um 7.45 Uhr: Außer zwei Anliegern fährt kein einziges Auto die untere Bildackerstraße hinunter. Bis zum Gong um 8 Uhr kommen alle Gartenschüler – ob mit oder ohne elterliche Begleitung – zu Fuß. „Die Kinder könnten sogar ohne Gefahr auf der Straße herumtoben“, ist die Mutter erleichtert. Und ebenso, dass die Eltern inzwischen auch die Schulhofsmauer als Grenze akzeptierten und sich hier von ihren Kindern verabschiedeten – auch das sei bis zum letzten Schuljahr oft anders gewesen.

Die „Abladestellen“

Diejenigen Familien, die zu weit von der Gartenschule weg wohnen, hat Katya Cankovski übrigens auf mehrere mögliche „Abladestellen“ verwiesen, etwa in Haltebuchten in der Garten- oder Sturmbühlstraße oder am großen Parkplatz an der Sturmbühlstraße. Dass es in den umliegenden Straßen deshalb manchmal zu Staus kommt, sei – leider- nicht ganz unvermeidbar. So überlegt die Schulleiterin, die Abladestellen mit großen Plakaten zu kennzeichnen.

Sie hofft, dass der positive Effekt der Elternlotsen weiterhin anhält – und sich weitere Eltern dazu bereit erklären, um auch die Abholzeiten am Nachmittag um 16 Uhr, wenn die andere Hälfte der Gartenschüler aus dem Ganztag abgeholt wird, noch abdeckt werden kann. „Es ist wichtig, dass die Eltern weiterhin sensibilisiert werden.“