Die Familie des einstigen Feilenhauer-Meisters Gerhard Bührle besuchte die neue Ausstellung in der Feilenhauerei Bührle in Christophstal.
Elisabeth Hardtke, Leiterin des Stadtarchivs Freudenstadt, lud die Familie des Feilenhauer-Meisters Gerhard Bührle, der 2010 starb, zu einem Vorab-Besuch in die elterliche Werkstatt ein. Anlässlich der Gartenschau im „Tal X“ hatte das Team des Stadtarchivs im vergangenen Jahr eine Ausstellung konzipiert, berichtet die Stadt Freudenstadt in einer Pressemitteilung.
Für die Gäste der Gartenschau heißt der Gebäudekomplex „Münze“, benannt nach der Christophstaler Münzstätte, in der von 1622 bis 1628 Münzen geprägt wurden. Aber viele Freudenstädter wissen noch, dass in dem Gebäude einer der letzten Meister seines Berufsstands in Deutschlands bis ins hohe Alter seinem Handwerk nachging: dem Feilenschleifen und -hauen.
Hier wuchsen auch die drei Kinder von Gerhard und Anneliese Bührle auf. Nach dem Tod des Vaters verkaufte die Familie das Gebäude 2017 an die Stadt Freudenstadt.
Gartenschau-Hirschgulden schlagen
Nun kamen die Geschwister Christa Bührle-Stockburger und Bernhard Bührle mit ihren Partnern Regina Rieger und Hansjürgen Stockburger, um zu schauen, was aus der Werkstatt inzwischen geworden ist.
Ganz so, wie die Besucher auch, betrat die Familie die Ausstellung durch die Werkstatttür und konnte erst einmal ihre eigenen Gartenschau-Hirschgulden schlagen. Dann ging es auf einem Douglasien-Holzpfad durch die Werkstatt, hinaus zur Wasserkraftanlage und über die Aussichtsplattform zur alten Härterei. Diese steht auf den Grundmauern der alten herzoglichen Münze des 17. Jahrhundert. In jedem Bereich wird mit Ausstellungstafeln über die historischen Besonderheiten informiert.
Per Film wird der alte Feilenhauer-Meister Bührle wieder in seine Werkstatt geholt: Niemand kann so schön die alten Feilenhauer-Zeiten aufleben lassen wie er, heißt es in der Mitteilung. Läuft der Film, dann ist fast alles wieder da: die Stimme des Handwerks-Meisters, die Geräusche des Wasserrads, das Schlagen des Hammers und der Feilenhaumaschine.
Hämmer auch in Freudenstadt hörbar
Das Hämmern dröhnte früher bis hinauf nach Freudenstadt. Zum Klang der Hämmer haben die Bührle-Kinder ihre ganz eigenen Erinnerungen, denn deren Betten standen über der Werkstatt. An Ausschlafen in den Ferien war nicht zu denken. Um 7 Uhr morgens begannen die Feilenhauer ihr Tagwerk.
Gerührt schaute sich die Familie die Fotos und Filmaufnahmen an. Manche Anekdote wurde erzählt. Ganz toll, so die einstimmige Meinung der Familie, sei der Umbau und die Ausstellung geworden. „Unsere ganze Familie freut sich, dass im Rahmen der Gartenschau nochmals an unseren Vater Gerhard Bührle, sein altes Feilenhauer-Handwerk und seine zweite Leidenschaft, die Wasserkraft, erinnert wird“, so Bernhard Bührle.