Ein Teil der Gartenschau für umsonst: Neben dem Abverkauf konnten sich Fans des „Tal X“ und Hobbygärtner bei einer Pflanzenaktion mit Stauden aus den Schaugärten eindecken.
Klaus Schuler muss die Leute bremsen. „Nicht das Pflanzbeet weiter unten“, ruft er. So ganz kann er dem Besucherstrom aber nicht Herr werden: „Jetzt nehmen sie da drüben die Pflaumen weg, Stopp!“
Gut zwei Wochen, nachdem die letzten Besucher der Gartenschau gemütlich durch die Schaugärten an der Forbach schlenderten, herrscht dort ein geschäftiges Durcheinander, das Schuler zu moderieren versucht.
Er ist Geschäftsführer von Schuler Garten- und Landschaftsbau und hat die Aktion ins Leben gerufen, die an diesem Tag noch einmal zahlreiche Menschen zu den Forbachgärten lockt.
Wohin mit den Pflanzen?
„Wir haben uns überlegt: Was machen wir mit unseren Stauden?“, erklärt Schuler. Die Idee: Eine Aktion für den guten Zweck, um etwas zurückzugeben, „für die schöne Zeit, die wir erlebt haben“. Heißt konkret: Die Besucher dürfen die Stauden an diesem Nachmittag kostenlos mit nach Hause nehmen – und freiwillig eine Spende an die Lebenshilfe Freudenstadt leisten.
Schuler muss die Leute nicht zweimal bitten, sondern eher dafür sorgen, dass das Gelände nicht noch weiter zerlegt wird: „Nur unsere drei Gärten, sonst nichts!“ Gemeint sind die Schaugärten der Firmen Schuler, Fahr und Calmbach, auf die sich die Aktion beschränkt. Aber auch dort gibt es einiges zu holen: Insgesamt mehr als 2000 Stauden sollen es laut Schuler sein.
Schon kurz nach dem Start um 14 Uhr sind davon aber nicht mehr allzu viele übrig. Mit Spaten und Schaufeln machen die Besucher die Gärten wortwörtlich dem Erdboden gleich, ziehen die Stauden hinaus und transportieren sie in Taschen und Körben zu ihren Autos. Auch Kinder packen mit an und tragen Pflanzen weg, die größer sind als sie selbst.
Unterstützung gibt es auch von der Lebenshilfe, die in Mannschaftsstärke vor Ort ist. „Meine Mama ist Floristin. Deshalb bin ich heute hier“, erzählt Tom. Gemeinsam mit Daniel und Dennis schenkt er auch Kaffee und Tee aus und bietet Gebäck an. Die Besucher revanchieren sich mit einer Spende. „Die Lebenshilfe freut sich“, bedankt sich Simone Thierer, Fachkoordinatorin Pädagogik, bei den Spendern.
Auch der einsetzende Regen verdirbt die Stimmung nicht. „Jetzt wird es nass. Aber ich glaube, den ersten Schwung haben wir hier geschafft“, sagt Schuler nach einer halben Stunde. Wie lange die Aktion geht? „Eigentlich bis 17 Uhr“, antwortet er. „Aber wenn Sie mich fragen, ist es spätestens um halb vier rum.“
Dann wendet er sich wieder den Besuchern zu. „Da hinten wird nichts rausgemacht“, ruft er. Die Pflanzenpracht der Gartenschau soll schließlich nicht gänzlich verschwinden. Ein Teil von ihr lebt nun auch in den heimischen Gärten weiter.