Klaus Otto (von links), Präsident der Gartenfreunde Baden-Württemberg, und Vizepräsident Rolf Hurlebaus verleihen Gustav Jahn, Vorsitzender der Gartenfreunde Loßburg-Rodt, seine Ehrenurkunde. Foto: Gensicke

Der Vorsitzende der Gartenfreunde Loßburg-Rodt kam auf ungewöhnlich Weise zu seinem Posten. Und zwar, bevor er Vereinsmitglied war. Die folgenden 30 Jahre hat er seinen Posten mit Leidenschaft ausgefüllt. Von Ehrungen hält er nichts. Seine Mitglieder haben entschieden: Jetzt ist er trotzdem fällig.

Loßburg - Vor dem Vorsitz der Gartenfreunde kam das Gärtnern. Und das hat Gustav Jahn immer leidenschaftlich gerne gemacht. Sein erster Garten musste in den 1980er-Jahren der Firma Arburg weichen, die sich vergrößert hat, wie Jahn sich erinnert. Dann habe er kurzzeitig einen Garten in der Geißengasse gehabt, die heute Wallstraße heißt. Er habe den Garten gemietet und sich einen Zaun darum herum gebaut. "Das hat den Besitzer aber von nichts abgehalten. Er ist mir trotzdem durch die frisch angesäten Beete gedappt", sagt Jahn. Als er deswegen mit ihm aneinander geraten sei, habe der Besitzer ihm den Garten gekündigt. "Ich habe gesagt: Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich nicht das ganze Unkraut raus gemacht", erinnert er sich. Heute lacht er darüber.

Kurz darauf habe er erfahren, dass die Gemeinde ein Grundstück gekauft habe, um auf der Fläche Abwasserleitungen zu verlegen. Einen Teil der Fläche, die nach der Rohrverlegung für nichts spezielles gebraucht worden sei, habe er bekommen können. "Der Boden war furchtbar steinig und unfruchtbar", sagt er. 1990 sei das gewesen. Ein schweißtreibendes Jahr später sei das Grundstück in voller Blüte gestanden.

"Zeitgleich hatten die Gartenfreunde Ärger mit ihrem damaligen Vorsitzenden", verrät Jahn. "Sie haben den Loßburger Kämmerer gefragt, ob er eine Idee für einen Nachfolger habe." Der habe Jahn vorgeschlagen. Der Kämmerer habe gesagt: "Wer so schnell eine so steinige Landschaft zum Blühen bringen kann, ist der Richtige."

Und so kam Jahn im Jahr 1991 zu seinem Posten als Vorsitzender der Gartenfreunde, bevor er überhaupt Vereinsmitglied war. Die Regeln haben das hergegeben. "Der Schriftführer hat mir damals gesagt, ich könnte rein theoretisch sogar Vorsitzender der Jungfrauenkongregation werden, wenn der Posten frei sei. Um den Vorsitz zu übernehmen müsse ich nämlich kein Mitglied sein", erinnert sich Jahn und lacht. Das wäre aber ohnehin nichts für ihn gewesen, deswegen sagte er lieber den Gartenfreunden zu.

Den Garten über den Abwasserleitungen hat er auch heute noch. "Und die Steine habe ich auch immer noch", so Jahn. "Und gelegentlich Schnecken." Was jedoch überwiege, sei die Blumenpracht. Das sei "ein einziges Meer", sagt er mit Stolz.

Mitten in die Veranstaltung geplatzt

Der Garten ist längst nicht alles, worum er sich kümmert. Er umsorgt seine Vereinsmitglieder mit regelmäßigen Veranstaltungen, seien es Ausflüge oder Gartenschaubesuche, er organisiert Vortragsabende, ist auch noch Schriftführer und Pressewart. "Aber ich war ja Lehrer und wie heißt es so schön? Die schaffen nichts, und wenn, dann nur nachts", scherzt er. Und jetzt im Ruhestand habe er allemal Zeit für die Vereinsarbeit. Für ihn ist das keine große Sache. "Immer wenn mir jemand mit Aufforderungen zu Ehrungen gekommen ist, habe ich das auf die Seite gelegt und gesagt: Sowas brauchen wir nicht", meint der Vorsitzende. "Aber mein Stellvertreter hat gemeint, jetzt seien es 30 Jahre. Und jetzt sei ich fällig."

In einer Mitgliederversammlung verrieten ihm seine Vereinskollegen, dass sie ihn für die Ehrenurkunde des Landesverbands der Gartenfreunde Baden-Württemberg vorschlagen werden. Die Wertschätzung habe ihn insgeheim natürlich gefreut, verrät er. "Alle haben mir gesagt: Wenn das jemand verdient hat, dann du", erzählt er gerührt.

Die Ehrenamtstage fanden kürzlich in Schwäbisch Gmünd statt. Der Tag sei abenteuerlich gewesen, so Jahn. "Wir waren auf dem Rückweg von Südtirol aus dem Urlaub. Ich habe dem Landesverband gesagt, sie sollen meine Ehrung ganz hinten anstellen, weil es sein kann, dass ich etwas zu spät komme." Und er kam tatsächlich um einiges zu spät. "Um 15 Uhr sind wir mitten in die Ehrungen hineingeplatzt", so Jahn. Und kurz darauf war er auch schon dran. Klaus Otto, Präsident der Gartenfreunde Baden-Württemberg hat ihm die Hand geschüttelt und ihm die Urkunde überreicht, auf der vermerkt ist: "Herr Gustav Jahn hat unser aller Hochachtung verdient. Im Namen des Landesverbandes der Gartenfreunde Baden-Württemberg e.V. spreche ich deshalb Gustav Jahn für sein langjähriges ehrenamtliches Wirken Dank und Anerkennung aus".

Wie es nun weitergeht? Natürlich mit Gärtnern, so Jahn. Jetzt müsse er erst einmal ein wenig Flies besorgen, damit er seine Pflanzen abdecken kann, bevor der Nachtfrost kommt.