Viele Oberndorfer haben sich mit einem Grundstück in der Gartenanlage auf der Barbarahalde oder im Aspen einen Traum erfüllt. Eine von ihnen ist Arezu Catalina. In ihrem Garten sind einige der tollsten Gemüsepflanzen und Früchte zu finden. Wie hat sie das geschafft?
Wenn Arezu Catalina davon erzählt, wie sie die Liebe zur Gartenarbeit entdeckt hat, dann schwingt in ihren Worten auch viel Wehmut mit. Denn vieles von dem, was sie weiß, hat sie von ihrer Oma gelernt, die mittlerweile verstorben ist.
Von der Oma gelernt
„Als Kind ging es für mich am Wochenende immer zu ihr. Meine Oma hat sich komplett selbst versorgt“, erzählt Arezu Catalina und lächelt bei der Erinnerung daran. Die Großmutter habe alles mögliche Gemüse in Massen eingekocht. „Der ganze Keller war voll.“ Für die 38-Jährige ein tolles Vorbild, dem sie unbedingt nacheifern wollte.
Catalina lebte allerdings lange in Ludwigsburg, wo ihr nur ein Balkon zur Verfügung stand. Auf dem habe sie sich aber trotzdem ausgetobt. „Mein Balkon sah wie ein kleiner Dschungel aus.“
Als sie beruflich bedingt nach Oberndorf umzog, machte sie sich gleich auf die Suche nach einem Gartengrundstück und wurde auf der Barbarahalde beim Siedler- und Kleingärtnerverein fündig. Damals gab es glücklicherweise noch keine Warteliste für ein Gartengrundstück. Arezu Catalina konnte also quasi gleich loslegen.
Holpriger Start
Der Start verlief aber dennoch etwas holprig. „Am Anfang dachte ich, ich wäre allwissend, und bin erstmal gescheitert mit dem Gemüseanbau“, gibt die 38-Jährige zu. Das erste Jahr sei deshalb mehr ein Versuchsjahr gewesen. Doch Catalina gab nicht auf, las sich richtig ein, machte einen Lehrgang und tauschte sich in Facebook-Gruppen mit Anderen über Tipps und Tricks aus.
Chili ist ihr Steckenpferd
Mittlerweile ist sie es, die Anderen Tipps geben kann. Catalina ist nun Fachberaterin im Verein. Und vor allem Chili ist ihr Steckenpferd. 32 verschiedene Sorten hat sie bereits erfolgreich angebaut, darunter auch die schärfste Chili-Sorte der Welt, die „Carolina Reaper“.
Dabei blieb es aber nicht: Von „gängigem Gemüse“ wie Tomaten über Physalis, Maulbeeren und Marillen bis zu diversen Feigensorten gibt es keine Grenzen.
Besonders wichtig ist Arezu Catalina qualitativ hochwertiges Saatgut, das sie selbst nach ihren Vorstellungen bezüglich Eigenschaften wie Form, Geschmack, Farbe und Schärfe anpasst. „Am wichtigsten ist für mich der Geschmack. Wenn man Gemüse so züchtet, dass es möglichst lange gelagert werden kann, geht der Geschmack flöten“, sagt Catalina.
Klimatische Bedingungen
Sie versucht aber auch immer mal wieder, Sorten hier zu etablieren, die normalerweise unter anderen klimatischen Bedingungen gedeihen. Wobei der Standort auf der Barbarahalde sehr günstig ist, wie Arezu Catalina findet. Durch den Felsen seien die Gärten gut vor Wind geschützt und die Temperaturen häufig etwas höher als in der Oberndorfer Talstadt, auf die man von den Gärten aus blicken kann.
Dennoch spüre man auch die generellen klimatischen Veränderungen. „Früher wäre es undenkbar gewesen, Chili draußen anzubauen“, sagt Catalina. Altbekannte Sorten könnten hingegen nach und nach aussterben. Das erfordere ein Umdenken.
Geheimrezept für den Anbau?
Und was ist Arezu Catalinas Geheimrezept für guten Gemüseanbau? „Ein guter Boden“, sagt sie sofort. Bodenpflege sei das Wichtigste. Man brauche einen hohen Humusanteil und luftige Erde.
Die Gartensaison beginne nicht erst im März, sagt Catalina. Im Winter müsse man die Erde beziehungsweise die Bodenlebewesen füttern. Sie nehme dafür Pferdefutter, Klee in Pelletform beispielsweise. So werde der Boden schön fett für das Jahr darauf. Die 38-Jährige ist jeden zweiten Tag in ihrem Garten.
Die Ernte gibt ihr Recht. Jahr für Jahr produziert Arezu Catalina auf rund 500 Quadratmetern große Mengen an Gemüse, die sie auch an die Familie und Nachbarn verschenkt. „Für mich steht da der soziale Aspekt im Vordergrund. Manchmal bekomme ich auch etwas zurück, zum Beispiel Marmelade aus meinen eigenen Früchten“, sagt sie.
Sozialer Aspekt im Vordergrund
Sie selbst kocht ebenfalls viel ein oder verarbeitet es anderweitig. „Ich könnte mich den ganzen Winter von meinem eigenen Gemüse ernähren“, sagt sie, stolz über die stets reiche Ernte. Und welchen Tipp kann Catalina Anfängern geben, die sich für Gartenarbeit interessieren? „Einfach loslegen, Fehler machen und daraus lernen“, sagt sie.
Wer sich für mehr aus Arezu Catalinas Garten interessiert, sollte ich ihren Instagram-Account @arezu_garten21 ansehen.