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Garten Grüne Patenschaften

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Stirbt ein alter großer Baum, geht der gespeicherte Kohlenstoff durch Zersetzung wieder in die Atmosphäre über. Ein neuer Baum kann dann den freigesetzten Kohlenstoff wieder binden.  Foto: Skolimowska
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Stirbt ein alter großer Baum, geht der gespeicherte Kohlenstoff durch Zersetzung wieder in die Atmosphäre über. Ein neuer Baum kann dann den freigesetzten Kohlenstoff wieder binden. Foto: Skolimowska

Wer keinen Garten hat, kann trotzdem etwas pflanzen und für den Natur- und Umweltschutz eintreten: über Baum- und Blühpatenschaften. Doch die Vielzahl an Projekten im Netz überfordert - von groß angelegten Pflanzungen in Entwicklungsländern bis hin zum lokalen Bauern, der seinen Acker aus der Bewirtschaftung nehmen und zur natürlichen Wiese umgestalten möchte. Wie man das richtige Projekt für sich findet, erklärt Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), im Interview mit dem dpa-Themendienst:

Was sollte ich eher machen: Bäume pflanzen oder Blühstreifen anlegen lassen?

Beides! Wir verlieren die Bäume, und wir verlieren in und außerhalb der Stadt die giftfreien Lebensräume für die Insekten. Dazu möchte ich eines erklären: Beide betrachten die Ökologie, aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Beim Umweltschutz steht der Mensch im Mittelpunkt. Es geht also darum, unsere Umwelt und damit das Klima zu schützen - dazu gehört dann etwa auch saubere Luft zu fördern. Naturschutz geschieht mit Blick auf die nicht menschlichen Lebewesen - also Tiere, Pflanzen, Pilze.

Das Baumpflanzen kommt ganz oft aus einem Umweltschutzgedanken heraus. Denn es dauert lange, bis sich die volle Naturschutzwirkung eines Baums entwickelt - das sind die alten Bäume mit Höhlen und morschen Ästen, wo Tiere einen Lebensraum finden. Dagegen ist die Anlage eines Blühstreifens eine Sache, die innerhalb von zwei, drei Monaten greift. Daher, um auf die Frage zurückzukommen: Beides ist ganz, ganz wichtig. Was man persönlich machen möchte, hängt vom Fokus ab: Will man jetzt was für den Artenschutz und die -vielfalt tun, dann würde ich Blühpatenschaften empfehlen. Will man sich stärker für den Umweltschutz engagieren, dann muss ich einen Baum pflanzen.

Die angebotenen Blühpatenschaften sind sehr unterschiedlich angelegt. Gibt es Kriterien, auf die ich bei der Auswahl meiner Beteiligung achten sollte?

Ich würde beachten, dass man nicht nur eine Wiese hat, sondern dass früher oder später auch eine Vernetzung vom Flächen geschieht. Denn nicht nur die einzelnen Lebensräume werden knapp, viele Insekten können auch nicht mehr von ihren begrenzten Refugien abwandern. Das gilt auch für die Pflanzen, die sich so fortpflanzen müssen.

Es ist also nur begrenzt hilfreich, wenn ich zwar eine schöne Wiese für die Insekten und Pflanzen habe, die aber nicht so leben können, wie sie es gewohnt sind. Dann ist darauf zu achten, dass die Blühangebote auf die lokalen Populationen abgestimmt ist - also die lokalen Insekten genau das bekommen, was sie brauchen. Leider wird auf den Seiten der Projekte in den seltensten Fällen herausgestellt, dass darauf geachtet wird. Das sind daher Fragen, die man den Verantwortlichen stellen sollte.

Es besteht leider die Gefahr, dass solche Projekte falsch angegangen werden und fürs schnelle Geld genutzt werden. Denn so mancher Acker, den ich aus der Bewirtschaftung nehme, kann finanziert über Patenschaften bessere Preise erzielen. Da kann es natürlich sein, dass einfach nur irgendeine Saatgutmischung genutzt wird, ohne dass sich da jemand Gedanken darum macht. Das gilt übrigens auch für die Zeitpunkte der Mahden.

Randstreifen von Feldern zu Blühstreifen zu machen, ist derzeit ebenfalls beliebt. Wenn man ihre Kriterien anlegt, sind aber auch sie problematisch, oder?

Hier hat sich leider außerdem noch gezeigt, dass die blühenden Randstreifen für Insekten sogar gefährlich sein können. Das hatte man anfangs im Naturschutz nicht auf dem Schirm. Denn werden Randstreifen von Feldern als Blühstreifen angelegt und damit Insekten angelockt, und dann im Feld daneben wie üblich weiter Pestizide und Herbizide gesprüht, sind die Randstreifen Todesfallen. Daher: Randstreifen neben konventionellen Feldern gehen gar nicht, nur Randstreifen neben einem biologisch betriebenen Acker sind wirklich cool. Das zeigt, es ist schwer für diejenigen, die sich nicht viel damit beschäftigen, das richtige für sich zu finden.

Gibt es keine einheitlichen Standards für die Projekte, an denen man sich orientieren kann?

Es gibt bei den Blühpatenschaften noch kaum Standards und keine Zertifikate, denn das Ganze entwickelt sich gerade erst. Fragen zu stellen ist daher wichtig. Das ist natürlich ein schmaler Grad zu "Ich nerve meinen Bauern mit blöden Ökofragen", und das kann schon mal anstrengend sein. Aber man sollte die Beteiligung nicht einfach nur als eine Art Ablasshandel sehen, sondern den Kontakt suchen und Verantwortung übernehmen. Man sollte schauen, was genau da passiert und wie gut das Projekt mit der Zeit läuft. Ziel muss auch sein, dass die Flächen lange erhalten bleiben.

Baumpatenschaften gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Was ist sinnvoller?

Die wichtige Frage ist, wo wird der Baum gepflanzt - aber nicht örtlich betrachtet, sondern stand da vorher schon ein Baum. Denn bei solchen Projekten sollte es um die Erhöhung der Bindung von Kohlenstoff durch zusätzliche Bäume gehen.

Stirbt ein alter großer Baum, geht der gespeicherte Kohlenstoff durch Zersetzung wieder in die Atmosphäre über. Ein neuer Baum kann dann den freigesetzten Kohlenstoff wieder binden. Das ist ein Kreislauf - und das heißt, der Baum selber speichert den Kohlenstoff nur temporär. Die sogenannte Senkenwirkung entsteht dadurch, dass an einem neuen Standort immer ein Baum stehen kann, der immer den Kohlenstoff binden kann und so ein zusätzlicher Kreislauf geschaffen wird.

Um daher künftig mehr Kohlenstoff zu binden, muss man neue zusätzliche Flächen für Bäume schaffen. Und dafür sollten nicht andere Ökosysteme wie Blühstreifen zerstört werden. Denn um diesen ganzen Schatz und die Vielfalt der Natur zu erhalten, brauche ich sowohl diese offenen Landschaften als auch die Wälder. Als auch die Flusslandschaften, als auch die Moore. Die Moore sind übrigens eine viel effektivere Kohlenstoffsenke als Waldflächen. Das ist mein eigentlicher Tipp für alle, die etwas hier in Deutschland unterstützen wollen: Die Renaturierung der Moore, das hat absolute Toppriorität.

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