Wolfgang Seethaler gestaltet und pflegt anspruchsvolle Gärten über mehrere Jahrzehnte. Der Klimawandel birgt seiner Meinung nach Riesenchancen zur Erneuerung. Foto: Seethaler

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr geht unser Themenspecial „Garten & Balkon“ in die zweite Runde: Ab Dienstag, 12. März, gehören Pflanzen, Gemüse & Co. wieder zu den Stars. Zum Auftakt schauen wir bei Wolfgang Seethaler in Lindau über den Gartenzaun.

Beim Anlegen eines Gartens ist es ein bisschen so wie beim Kochen: Ein pfiffiges Rezept, gute Zutaten und eine gründliche Vorbereitung erhöhen die Wahrscheinlichkeit ungemein, dass das Essen nicht nur satt, sondern auch glücklich macht. Nach dieser Devise lebt und arbeitet auch Gartengestalter Wolfgang Seethaler in Lindau. Sein Steckenpferd ist die optimale Pflanzenverwendung. Die Begeisterung fürs Säen und Blühen gehört zu seiner DNA, schließlich waren schon Vorfahren von ihm für die Fugger als Hofgärtner tätig.

 

Hühner inklusive

Wolfgang Seethaler hat mit seiner Leidenschaft fürs Gärtnern schon viele Menschen angesteckt. Sein Haus „Zum Nussbaum“ aus dem Jahr 1895 steht inmitten eines naturnahen Gartens, der sich perfekt in die Umgebung der Obstwiesen und Felder mit weidenden Kühen anpasst – freilaufende Hühner inklusive.

Für ein Stückchen Gartengenuss geht’s aber auch eine Nummer kleiner: Der deutsche Durchschnittsgarten ist nämlich gerade mal 339 Quadratmeter groß und enthält im Schnitt 3,57 Bäume und 4,43 Kübelpflanzen. Angebaut werden Tomaten, Erdbeeren und Rosen. Dies hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Unternehmens Gardena im vergangenen Jahr ergeben.

Die Pflege des Gartens lassen sich die Deutschen einiges kosten: 43 Prozent gaben an, mehr als 100 Euro im Monat in ihren Garten zu investieren. 18 Prozent geben sogar mehr als 250 Euro im Monat aus. Und ist der Garten dann nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen angelegt, wird er vor allem zur Entspannung und Erholung (75,1 Prozent) genutzt.

Judith Rakers macht Hobby zum Beruf

31,4 Prozent der Befragten versorgen sich mit Lebensmitteln aus dem eigenen Garten. Für mehr als die Hälfte steht bei der Selbstversorgung der Spaß im Vordergrund. Was die Ex-„Miss Tagesschau“ Judith Rakers in ihrem Garten anpflanzt, stellen wir im Rahmen unserer Kampagne „Garten & Balkon“, die vom 12. März bis 20. April läuft, vor, ebenso wie die Anbaupläne von örtlichen Hobbygärtnern. Außerdem kümmern wir uns um vermeintliches Unkraut und was man daraus machen kann. Wir entführen Sie ins Landhaus Ettenbühl, präsentieren aber auch die schönsten Parks vor Ihrer Haustüre. Es geht um Bienenhaltung in der Stadt, um Solaranlagen auf dem Balkon, um Terrassen-Mobiliar sowie um Duft- und Heilpflanzen.

Tomate besonders beliebt

Noch ein paar Fakten zu den Pflanz-Vorlieben der Deutschen: Die liebste Zierpflanze bleibt die Rose. In nahezu drei von vier Gärten (73,5 Prozent) findet sich mindestens eine, dicht gefolgt von Lavendel, Narzissen und Tulpen. Unter den Kräuter- und Gemüsepflanzen ist mit 68,5 Prozent besonders die Tomate beliebt, gefolgt von Petersilie und Basilikum. Rund die Hälfte der Hobby-Gärtner baut auch Gurken und Salat an. Aber auch Erd- und Himbeeren finden in sehr vielen Gärten (61,1 und 48,2 Prozent) ein schönes Plätzchen. Häufigster Gartenbaum ist mit 35,2 Prozent der Ahorn.

Auf Krone achten

Aufgrund des Klimawandels gibt es hier Gewinner und Verlierer, wie Gartenexperte See-thaler weiß: „Bäume, die man wegen zu langer Hitze- und Trockenperioden nicht mehr pflanzen sollte, sieht man, wenn man aufmerksam die jeweiligen Kronen anschaut. Jene, die es schwer haben, zeigen in den obersten Ästen oft dürre, verkahlte Bereiche oder ganze Kronenteile fallen aus.“

Auch in altbewährten Staudenflächen gebe es tragische Ausfälle, wenn Hitze und Trockenheit vorherrschen. „Es ist schwer geworden mit Phlox und den an sich robusten Elfenblumen (Epimedium). Sogar Waldsteinia, die als hervorragende Bodendeckerstaude galt, kann ausfallen.“

Botanische Möglichkeiten verschieben sich

Pflanzen, die vor zehn oder 20 Jahren in unseren Breitengraden als nicht verwendbar galten, weil man sie als mediterran einstufte, können nun durchaus verwendet werden, so Seethaler. „Es ist wie eine Verschiebung botanischer Möglichkeiten von Süd nach Nord. Allerdings muss der Süden sich auch überlegen, was dort in Zukunft noch ohne Hätschelmaßnahmen gedeihen kann.“ Alles in allem sei dies eine „Riesenchance, wenn man es mit Sachverstand und gutem Willen anpackt“, so der Experte.

Attraktive Gewinne

Weitere spannende Themen rund um das Grün im heimischen Garten und auf dem Balkon präsentieren wir Ihnen in unserem Themenspecial ab Dienstag, 12. März. Sie finden die Sonderseiten sechs Wochen lang dienstags, mittwochs und donnerstags in Ihrer Tageszeitung und zusätzlich online. Übrigens: Damit die Gartenarbeit leichter fällt, haben wir auch attraktive Gewinnspiele im Angebot. Wir verlosen Gartengeräte und Pflanzen-Gutscheine.

Gewinner und Verlierer

Bäume, die mit längeren Trockenphasen zurechtkommen:

Amberbaum (Liqudambar)

Tulpenbaum (Liriodendron)

Gingkobäume

Edelkastanie (Castanea sativa)

Hainbuche (Carpinus betulus)

Schnurbaum (Sophora japonica)

Walnuss (Juglans regia)

Wacholder (Juniperus communis)

Silberlinde (Tilia tomentosa)

Schwer haben es dageben:

Rotbuche (Fagus sylvatica)

Diverse Scheinzypressen

Erlen

Mammutbäume

Berg-und Spitzahorn

Empfehlenswerte Sträucher, Stauden und Kleingehölze:

Haselnuss (Corylus avellana) , grün- und rotlaubig

Zieräpfel (Malus, kleinfrüchtige Sorten)

Eiben Taxus in diversen Arten und Sorten

Kornelkirsche ( Cornus mas)

Waldgeißbart (Aruncus)

Yucca filimentosa

Schmetterlingsflieder in vielen neuen Zwergsorten, die steril sind und nicht versamen

Wilde Alpenveilchen (Cyclamen coum und C. hederifolium)

Junkernlilie (Asphodeline)