Eltern haben ab August einen Anspruch ihr Kind ganztags betreuen zu lassen. In der Gemeinde Steinen ändert sich dadurch zunächst nichts.
Ab August 2026 haben laut Bundesbildungsministerium alle Grundschulkinder der ersten Klassenstufe einen Anspruch darauf, ganztägig gefördert zu werden. Der Anspruch wird in den Folgejahren um je eine Klassenstufe ausgeweitet. Ab August 2029 hat jedes Grundschulkind der Klassenstufen eins bis vier einen Anspruch auf ganztägige Betreuung.
In Steinen ändert sich zunächst nichts, teilt Sven Schreiber, Sachgebietsleiter Kinder, Jugend, Schulen bei der Gemeinde Steinen, auf Anfrage mit. Eltern, die ihr Kind nachmittags betreuen lassen wollen, werden aktuell und auch weiterhin von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) versorgt. Sie betreut derzeit montags bis freitags 67 Kinder (AWO-Kids) in den Häusern 1 und 2, Haus 2 ist die ehemalige „Rumpelkiste“. Man kann sein Kind bei der AWO bis maximal 17 Uhr betreuen lassen, den meisten Eltern reicht es aber, wenn ihr Kind bis 14 Uhr in den AWO-Häusern bleiben kann.
Realschüler habeneine kleine Mensa
Die Kinder kommen in zwei Etappen, berichtet AWO-Geschäftsführerin Ina Pietschmann. Sie werden von ihren Betreuerinnen um 12 Uhr von der Schule abgeholt, essen in Haus 2, gehen dann ins gegenüberliegende Haus 1, um Hausaufgaben zu machen und zu spielen.
Der zweite Schwung wird um 13 Uhr abgeholt, isst dann in Haus 2 und verbringt den Nachmittag dort. „Die Nachmittagsbetreuung der AWO gibt es seit dem Schuljahr 2011/2012“, sagt Pietschmann. Auch in den Ferien macht der Wohlfahrtsverband Angebote.
Mittelfristig soll laut Gemeindeverwaltung auf dem Gelände der Köchlinstraße 20 und 22 ein Erweiterungsbau für die Schule entstehen, der eine Mensa und Betreuungsräume beherbergt. Noch steht nicht fest, wie groß die Mensa und die Betreuungsräume werden sollen. Die Realschüler müssen auch versorgt werden; sie essen derzeit in einer kleinen Mensa, die auch als Klassenzimmer genutzt wird.
Die Verwaltung hat jedem Einwohner von Steinen, dessen Kind nach den Sommerferien in die erste Klasse geht, einen Brief geschrieben, um den Betreuungsbedarf abzufragen, sagt Katharina Wasmeier, eine der Mitarbeiterinnen von Sven Schreiber und bei der Verwaltung Steinen zuständig für Schulträgeraufgaben.
„Der Raumbedarf hängt ab vom pädagogischen Konzept der Schule, das derzeit erarbeitet wird“, fügt sie hinzu. Das Regierungspräsidium Freiburg lege fest, welche Räume Steinen für seine Grundschulbetreuung brauche.
Ganztagsschule soll kostenlos sein
Sven Schreiber sagt, dass er im Sommer 2026 im Gemeinderat über den aktuellen Sachstand bei der Grundschulbetreuung berichten wird. Bis dahin werde ein Architekt die Gebäudesubstanz der Häuser „Köchlinstraße 20 und 22“ in Augenschein nehmen. Bis zum Winter soll eine Kostenermittlung für das „Projekt Ganztagsschule Steinen“ vorliegen. Die Verwaltung braucht sie, um Zuschüsse beantragen zu können. Die Ganztagsschule ist im Gegensatz zur aktuellen Betreuung durch die AWO kostenlos, nur für das Mittagessen müssen die Eltern zahlen.
Die AWO wird mit Eröffnung der Mensa und der neuen Betreuungsräume – wenn sie denn errichtet werden – nicht überflüssig. Sie soll unter anderem die Betreuungszeiten abdecken, die vom ganztägigen Angebot im Umfang von mindestens sieben Zeitstunden am Tag inklusive Mittagessen an mindestens drei Tagen in der Woche nicht gedeckt sind.
Für die Höllsteiner Kinder wird eine eigene Lösung gesucht. Derzeit gibt es etwa zehn „AWO-Kids“ aus Höllstein. „Geplant ist eine einfache Nachmittagsbetreuung in Höllstein bis 15.30 Uhr“, sagt Sven Schreiber im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Nachfrage nach Nachmittagsbetreuung in Höllstein steige. Jedes Kind, das man in Höllstein betreuen könne, entspanne die Situation in Steinen.
Wenn eine Mensa gebaut wird, wird auch der Essenszulieferer neu ausgeschrieben. Mit dem jetzigen Caterer, dem „Koch mit Flair“ aus Hägelberg, ist die AWO sehr zufrieden. Es gibt viermal in der Woche ein vegetarisches Gericht und einmal in der Woche Fleisch.