Gleich hinter der Sporthalle der Hellbergschule wird ein Wohnhaus für die Schulkindbetreuung umgebaut. Foto: Alexandra Günzschel

Die Stadt Lörrach findet bei der Vorbereitung auf Ganztagsbetreuung in Brombach kreative Lösungen. Zur Not wird auch gerutscht.

Das Obergeschosses in der Albertusstraße 9 in Brombach soll für die Ganztagesbetreuung an der Hellbergschule bis Sommer 2027 weiter ausgebaut werden. Allerdings ließ die Kostenberechnung für diese Maßnahme im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) aufhorchen. Eingeplant sind für rund 72 Quadratmeter etwa 400 000 Euro. Das schmeckte nicht jedem. Die Empfehlung zur Zustimmung an den Gemeinderat fiel deshalb mit acht Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen nicht eben eindeutig aus.

 

Thema im AUT

Hintergrund der Maßnahme ist der Rechtsanspruch der Eltern von Grundschülern auf eine Ganztagsbetreuung, der ab dem kommenden Schuljahr jeweils für die Erstklässler gilt. Die bestehenden Räumlichkeiten zur Schulkindbetreuung an der Hellbergschule reichen jedoch zur Deckung des sukzessive steigenden Bedarfs nicht aus, wie mitgeteilt wurde. Nachdem das Erdgeschoss in dem ehemaligen Wohnhaus an der Albertusstraße bereits 2024 renoviert worden war, soll nun auch das Obergeschoss umgebaut werden, so dass danach insgesamt etwa 45 Kinder werden können. Es sollen weitere 23 Plätze entstehen.

Kostengünstige Notrutsche

Dafür wird ein zweiter Rettungsweg erforderlich, den Sofiia Simonova, Projektleiterin im Fachbereich Hochbau, durch eine kostengünstigere Notrutsche anstelle einer Treppe bereitstellen will. Notwendig ist aus Brandschutzgründen zudem der Bau einer abgetrennten Garderobe im Obergeschoss. Den hohen Preis erklärten Simonova und Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic mit der enormen Baukostensteigerung, aber auch damit, dass bei diesem Projekt ein ehemaliges Wohnhaus für die Kinderbetreuung ertüchtigt werden muss – mit entsprechend hohen Auflagen.

Caroline Oursin (Grüne) erkundigte sich danach, ob im Zuge der Renovierungsarbeiten nicht auch das Dachgeschoss nutzbar gemacht werden könne. Dies wurde verneint. Eine Prüfung habe ergeben, dass sich der Aufwand für die kleine Grundfläche nicht lohnen würde, hieß es.

Lob für kreative Lösung

Jürgen Exner (CDU) lobte die kreative Lösung für das Raumproblem. Während er vermutete, dass die Kinder dort eine tolle Zeit haben werden, befürchtete Christiane Cyperrek (SPD), dass die beengten Verhältnisse dem Bewegungsdrang der Kinder entgegenstehen könnten. Sie wollte deshalb wissen, ob sich der Außenbereich verschönern lasse.

Lob für kreative Lösung

Matthias Lindemer (FW) bezifferte die Baukosten auf mehr als 5000 Euro pro Quadratmeter und vermutete einen Planungsfehler. „Wir hätten früher mit der Schulsanierung anfangen müssen“, kritisierte er. Tatsächlich steht eine große Lösung für die Hellbergschule noch aus.

Die Befürchtung von Lindemer und einigen seiner Ratskollegen, dass die teure Sanierung am Ende nur für ein paar Jahre gut sein könnte, wurde seitens der Stadtverwaltung verneint. Das Gebäude werde, auf die eine oder andere Weise, auf jeden Fall auch in Zukunft für den Schulbetrieb benötigt, so die Planerinnen.

Kritik wegen Kosten

Matthias Koesler (FDP) erkundigte sich nach der Notwendigkeit einiger Maßnahmen, wie den aufwendig geplanten Sanitäranlagen und dem Heizungsaustausch. Er verkündete, dem Vorhaben nicht zuzustimmen. „Was ist die Alternative“, fragte dagegen Bernhard Escher (CDU). So lange sei der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung noch nicht bekannt, jedenfalls nicht rechtzeitig genug für eine langfristige Planung, führte er sinngemäß aus. „Wir mussten für die Schulkindbetreuung eine neue Lösung suchen“, betonte Fachbereichsleiterin Ilona Oswald. „Da waren wir froh, dass wir das Gebäude überhaupt hatten.“

Fördergelder für Stadt

Immerhin konnte sich die Stadt im Windhundverfahren Fördergelder in Höhe von 140 000 Euro für die Maßnahme sichern, so dass für dieses und das kommende Jahr jeweils nur 130 000 Euro an Eigenmitteln eingeplant sind. Allerdings könnten sich die Gesamtkosten auch noch um 30 Prozent nach unten oder oben bewegen.

Beim Heizungsaustausch handelt es sich um eine perspektivische Maßnahme, da in unmittelbarer Umgebung noch drei Gebäude mitversorgt werden könnten, so Marius Berger. „Das ist alles keine Kür, nur Pflicht“, verteidigte Martina Höfler, Teamleiterin Hochbau.