Die bestehende Verlässliche Grundschule in Mötzingen ist eine Möglichkeit, den künftigen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung an der Grundschule umzusetzen. Foto: Uwe Priestersbach

In Mötzingen werden die Weichen für den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung an der Grundschule gestellt.

„Das Thema ist nicht neu, aber die Frage ist, wie wir den Rechtsanspruch in Mötzingen umsetzen können“, erklärte Bürgermeister Benjamin Finis einleitend in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll für die betroffenen Familien ein Informations- und Beteiligungsabend durchgeführt werden.

 

Der mit den Ganztagesförderungsgesetz bundesweit geschaffene Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Grundschulkinder wird ab den Schuljahr 2026/27 stufenweise eingeführt – zunächst gilt er für die Erstklässler. Die Kommunen als Schulträger sind dabei verpflichtet, ein bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten und die dafür notwendigen räumlichen und personellen Ressourcen sicherzustellen. Der Anspruch auf Ganztagesbetreuung umfasst unter anderem einen täglichen Betreuungsumfang von mindestens acht Stunden inklusive Unterrichtszeit, fünf Betreuungstage pro Woche und der Anspruch gilt grundsätzlich auch in den Schulferien.

Der rechtlich Anspruch kann durch verschiedene Maßnahmen erfüllt werden, wie beispielsweise durch einen Hort an der Schule oder kommunale Betreuungsangebote, sofern der gesetzliche Mindestumfang von acht Stunden täglich gewährleistet ist.

„Die Akzeptanz der Eltern ist gut“

In Mötzingen wird bereits seit vielen Jahren das Modell der Verlässlichen Grundschule umgesetzt, mit dem eine flexible und elternnahe Betreuung vor und nach dem Unterricht gewährleistet wird. „Wir erfüllen den Rechtsanspruch schon heute“, erläuterte Bürgermeister Finis – und fügte hinzu: „Die Akzeptanz der Eltern ist gut und es gibt keine Warteliste“.

Allerdings müsste bei einer Fortsetzung dieses Modells die Ferienbetreuung noch ausgeweitet werden. Weitere Herausforderungen wären die Gewinnung von Personal bei wenig attraktiven Arbeitsbedingungen und unter Umständen ein räumlicher Mehrbedarf.

Bis zum Frühjahr sollen daher weitere Umsetzungsmöglichkeiten geprüft werden.

Denkbare Modelle, so der Rathauschef, wären die Einführung einer Ganztagesgrundschule sowie die Einrichtung eines kommunalen oder freien Horts. Erklärtes Ziel ist es, eine tragfähige Entscheidungsgrundlage zu erstellen, mit der sowohl die pädagogische Qualität als auch die nötige Rechtssicherheit und die Finanzierbarkeit berücksichtigt werden.

„Wir wollen ein klares Signal geben, wie wir mit dem Thema umgehen“, unterstrich Benjamin Finis, dass man aber auch die Familien an diesem Prozess beteiligen wolle.

„Der vorgeschlagene Weg ist richtig“

Deshalb ist im Frühjahr ein Informations- und Beteiligungsabend geplant – bei dem die Prioritäten und Bedürfnisse der Eltern abgefragt werden sollen. Danach wird der Gemeinderat die finale Entscheidung treffen, mit welchem Betreuungsmodell man im kommenden Schuljahr an den Start geht.

„Der vorgeschlagene Weg ist richtig“, brachte Alfons Aigner (Mötzinger Liste) die Tendenz im Gemeinderat auf den Punkt, bevor das einstimmige Votum im Gremium erfolgte. Damit begrüßten die Räte die geplante Durchführung eines Informations- und Beteiligungsabends und beauftragten die Verwaltung, bis dahin die denkbaren Betreuungsmodelle als Entscheidungsgrundlage zu konkretisieren.