Die Vorsitzendenden des HGV Dornstetten, Gerhard Rummel (links) und Timo Müller, sowie Geschäftsfrau Nicole Boensch fordern im Lockdown mehr Transparenz und mehr Gerechtigkeit für Einzelhandel und Gastronomie. Foto: Sannert

Erst schließen, dann öffnen und jetzt Termine nur nach Vereinbarung – bei den Dornstetter Einzelhändlern ist die Verärgerung über die neue Corona-Verordnung groß. Deshalb fordert der HGV Bürgermeister, Landrat und Politiker auf, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

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Dornstetten - "Der Einzelhandel ist massiv gefährdet", sagt Gerhard Rummel, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Dornstetten. Was ihn ganz besonders ärgert: "Während große Discounter weiterhin geöffnet bleiben dürfen, muss der lokale Einzelhandel wieder herhalten für die Missorganisation des Staates und der Länder." Rummel spricht von Planlosigkeit und dem Fehlen von klaren Perspektiven für den Einzelhandel sowie für die Gastronomie. Schließlich gebe es hier, anders als in Lebensmittelläden, Discountern oder Baumärkten, funktionierende Hygienekonzepte mit einer Beschränkung der Kundenzahl.

Und noch ein Argument fügt Rummel an: "Während des ersten Lockdowns sind die Infektionszahlen nahezu gleich hoch geblieben, obwohl Einzelhandel und Gastronomie geschlossen hatten." Rummel fordert deshalb von der Politik, den eigentlichen Infektionsherden auf den Grund zu gehen und dann entsprechend zu handeln.

Diese lägen, da ist er sich sicher, nicht in Einzelhandels- und Gastronomiebetrieben, sondern dort, wo viele Menschen zusammentreffen, etwa beim Discounter, in Schulen oder bei privaten Treffen.

Mehr Gerechtigkeit fordert auch Timo Müller, stellvertretender Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Dornstetten und Vorsitzender der Sparte Einzelhandel.

Neue Vorgaben, bei denen Kunden online oder per Telefon einen Termin im Fachgeschäft buchen oder Ware vorab bestellen müssen, empfindet er als ungerecht. Er verlangt eine Sortiments­begrenzung in den Lebensmittelmärkten.

Müller befürchtet langfristige Folgen für die Innenstädte

"Es kann nicht sein, dass man dort Produkte wie beispielsweise Blumen, Elektronik oder Kleidung kaufen darf, und wir schließen müssen oder nur eingeschränkt verkaufen dürfen." Müller befürchtet langfristige Folgen für alle. "Die Innenstädte werden noch mehr aussterben." Kleinere Städte würden unattraktiv, und letztlich würden dadurch auch wichtige Steuereinnahmen für die Kommunen wegbrechen. "Jeden Tag bekommen wir unzählige Anrufe", sagt Müller. Die Kunden seien durch das stetige Hin und Her extrem verunsichert.

Das kann Nicole Boensch, Inhaberin des Modehauses Schwarz und von "Klamodo", nur bestätigen. "Wir sind ständig in Erklärungsnot." Denn viele Kunden könnten zwischen "Click & Meet" und "Click & Collect" nicht unterscheiden. Vielen sei es zu umständlich, vor dem Einkauf erst noch einen Termin zu buchen.

Nicole Boensch geht die Sache deshalb anders an. Bei ihr können die Kunden auch spontan einen Termin bekommen, quasi an der Eingangstür. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zahl der zulässigen Kunden nicht überschritten wird. Um zu wissen, wie viele Kunden sich gerade im Geschäft aufhalten, hat sie Karten am Eingang ausgelegt, die auch der erforderlichen Registrierung dienen. Sind alle Karten weg, ist der Laden voll.

Wofür man beim HGV kein Verständnis hat, sind die jetzt möglichen Reisen nach Mallorca ohne Quarantäneauflage, wo hier Hotels und Gaststätten geschlossen bleiben müssen.

Um Gerechtigkeit zu schaffen, fordern sie die Einzelhändler im Landkreis auf, sich zusammenzuschließen und zu vernetzen. Aber auch die Bürgermeister sollten sich gemeinsam mit dem Landrat für Handel und Gastronomie vor Ort einsetzen. Die klare Forderung des HGV lautet: "Der Landkreis, die ganze Region muss aufstehen."

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