Unbekannte haben in Gammertingen zu einer angeblich eigens einberufenen Musterung für den Afghanistan-Krieg aufrufen. Foto: dpa

Gefälschtes Musterungsbescheid für den Afghanistan-Krieg sorgt für reichlich Turbulenzen.

Gammertingen - Das Schreiben ist gefälscht, doch es sorgt für reichlich Turbulenzen: In der Kleinstadt Gammertingen auf der Schwäbischen Alb ist ein fingierter Brief in Umlauf gebracht worden, in dem Unbekannte zur einer angeblich städtischerseits eigens einberufenen Musterung für den Afghanistan-Krieg aufrufen.

Im Rathaus der knapp 7000 Einwohner zählenden Stadt im Kreis Sigmaringen ist man entsetzt, die Polizei ermittelt, und der Gammertinger Bürgermeister hegt bereits einen Verdacht, aus welchem Umfeld das Schreiben stammen könnte. Seit Jahren nämlich haben pazifistische Gruppen in Gammertingen Zulauf und Heimstätte.

Laut Polizei steckte am Donnerstagmorgen in den Briefkästen zahlreicher Firmen und Privatpersonen ein unfrankiertes Schreiben mit dem farbigen Briefkopf der Stadt und der eingescannten Unterschrift ihres Bürgermeisters Holger Jerg.

Darin werden die Bürger aufgefordert, sich umgehend im Rathaus zur Musterung einzufinden, um eine Einheit der Bundeswehr, mit der die Stadt Gammertingen eine Patenschaft eingegangen sei, personell zu unterstützen.

Weil angeblich viele Soldaten der Patenkompanie in Afghanistan ums Leben gekommen seien, sei die Stadt Gammertingen verpflichtet, die Bundeswehr mit neuen Soldaten zu unterstützen: "Die elf Tauglichsten der Gemusterten werden unverzüglich zu einer Schnellausbildung in die Sigmaringer Kaserne einberufen und Anfang des Jahres 2011 nach Afghanistan aufbrechen", heißt es in dem Brief. Denen, die nicht zur Musterung kommen würden, droht der Schreiber hingegen mit "polizeilichen" Maßnahmen.

Das will der Bürgermeister, der dahinter die Gammertinger Friedensgruppe "Lebenshaus Schwäbische Alb e. V." vermutet, nicht so stehen lassen. Die Friedensgruppe werbe bereits seit einiger Zeit in einer Medien- und Internetkampagne gegen die städtische Patenschaft für eine Sigmaringer Bundeswehreinheit.

Die aktuelle Aktion sei allerdings "an Geschmacklosigkeit und krimineller Absicht nicht zu übertreffen", schreibt Holger Jerg in einem offenen Brief.

Er hat jetzt wegen Amtsanmaßung und Urkundenfälschung Anzeige gegen unbekannt erstattet. Für Hinweise wurde eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.