Spielspaß im Schleudersitz: Realistisches Geruckel macht das virtuelle Lasterfahren im rauen Gelände zum echten Erlebnis. Foto: Kapitel-Stietzel

Nach zwei Jahren Coronapause öffnet die Gamescom wieder die Tore für die Zockerwelt. Mittendrin auch zwei Videospielentwickler aus dem Südwesten. 

Auch Deutschland kann Videospiele. Das zeigt sich spätestens, wenn die größte Spielemesse der Welt in Köln wieder ihre Pforten öffnet. Vor der Corona-Pandemie strömten zuletzt 370 000 Besucher in das europäische Mekka der Videospielbranche. Egal ob klassisch am Computer, der Playstation, der tragbaren Nintendo-Daddelbox oder wie seit einigen Jahren auch in Virtueller Realität oder auf dem Smartphone.

50 Prozent der Deutschen spielen Videospiele

Videospiele sind inzwischen so mannigfaltig wie beliebt. Laut einer der Online-Plattform Statista spielen inzwischen 50 Prozent der deutschen Videospiele – über alle Altersgruppen hinweg. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es sogar über 80 Prozent. 
Bunt gemischt zeigt sich entsprechend auch das Messepublikum. Neben jungen Männern sind auch sehr viele Frauen dabei – und einige Senioren. 

Wie hoch der Besucheransturm dieses Jahr ausfällt, nachdem die Messe in den vergangenen zwei Jahren nur online stattfand, bleibt abzusehen. Die Hallen am ersten regulären Besuchertag waren aber wieder stark gefüllt.


Die Pandemie brachte der Spielebranche Rekordgewinne ein

Ein Auge auf die Messe in Köln haben aber auch die Videospielverleger. Die Corona-Pandemie brachte der Spielebranche beachtliche Rekordgewinne – inzwischen erwirtschaften Videospiele mehr Geld als die Film- oder Musikindustrie. Auch der Schwarzwald ist mit seinen Entwicklerteams beim Erfolg dabei. 


Black Forest Games, das größte Entwicklerstudio im Schwarzwald – und einer der größten Spieleentwickler in Deutschland – ist in Köln stark vertreten.  Passend zu Black Forests neuem, schwarzhumorigem Spiel »Destroy All Humans 2« wurde die Messehalle 8 auch von kostümierten grauen Männchen heimgesucht. 

Offenburger Studio ist sehr international 


Fernab vom Messetrubel präsentierten die Entwickler Vincent Goeminne und Ian Clévy hinter verschlossenen Türen im Business-Areal das Spiel. Missionsdesigner Goeminne ist Belgier, der Chefprogrammierer Clévy ist Engländer. Hier zeigt sich, wie international das Offenburger Studio mit seinen inzwischen über 100 Mitarbeitern aufgestellt ist.

Doch auch wenn sie ursprünglich nicht aus Deutschland kommen: Sie wohnen inzwischen nicht nur im Schwarzwald, sondern fühlen sich auch dort wohl: Goeminne macht gerne Wanderungen im Schwarzwald und bei Offenburg. Und für beide sind die Triberger Wasserfälle eines ihrer liebsten Reiseziele.

Schwarzwald ist ein Verkaufsargument 

Der Geschäftsführer Adrian Goersch betont entsprechend: »Wir haben den Schwarzwald im Namen, wir haben ihn im Logo, für uns ist der Schwarzwald auch ein Verkaufsargument, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu finden.« Für sein Studio wäre die Gamescom wichtig, wegen des Austauschs mit Fans und anderen Entwicklerstudios. »Diese Gemeinschaft von Gamern, dieses Gefühl bekommst du nirgendwo so wie auf der Gamescom.«


Auch Gönndyr Games ist bei der Messe vertreten. Ellen Kunze und ihr Verlobter Yanic Leipzig sind ein junges, hochmotiviertes  Pärchen aus Pforzheim. Die studierten Designer arbeiten daran, sich einen Lebenstraum zu verwirklichen – ihr erstes eigenes Videospiel und damit der Einstieg in die Branche.  

»Ich bin in Pforzheim  aufgewachsen, ich habe deswegen eine sehr persönliche Verbindung zu dem Ort. Unser Büro ist im Prinzip unsere Wohnung«, erklärt Kunze.  »Das Büro ist in der Küche«, fügt Leipzig mit viel Humor hinzu. Gönndyr Games ist eben ein waschechtes Indie-Entwicklerteam. 


Spender erhalten das Spiel und weitere Belohnungen


Mit »Towers ’n’ Dragons« arbeiten sie an einem Strategiespiel in schicker »Voxel«-Klötzchenoptik, bei der man mit mittelalterlichen Befestigungsanlagen Drachen den Weg versperren muss. Das Alles in buntem und knuddeligem Design.

Die Heimat hat auch kreative Einflüsse: »Wir haben viel Schwarzwälder Architektur ins Spiel eingebaut. In einem künftigen Horrorspiel bauen wir eine Schwarzwälder Legende ein –  Die weiße Frau – ich habe schon mehrere Gespräche mit Leuten gehabt, die die scheinbar schon gesehen haben«, fügt Kunze lachend hinzu.  

Sie freuen sich, bei der Gamescom erstmals ihre anderen zwei freiberuflichen Teamkollegen vor Ort treffen zu können – einer von ihnen ist extra aus England angereist. Finanzieren möchten sie das Spiel über eine Crowdfunding-Kampagne auf der Onlineplattform Kickstarter – Spender erhalten das Spiel und weitere Belohnungen. Noch ist nur ein Teil der Mindestsumme gespendet worden, und die Kampagne könnte deshalb scheitern, das Gönndyr-Team hofft deshalb auf weitere Spender.