In der Galerie Lauffer zu sehen: Wenhao He „Better late than never“, 2025 Foto: Wenhao He

Umsonst und drinnen: 23 Stuttgarter Galerien bieten am 18. und 19. April beim Frühjahrsrundgang ein Panorama internationaler Gegenwartskunst. Was sind die Höhepunkte?

Das Tier schleicht sich uns nicht entgegen. Es ist einfach da, tritt auf. Wütend, zum Sprung bereit, aber auch neugierig. Jedoch – es kommt nicht aus dunklem Wald, nicht aus hohem Gras. Und doch ist das Tier gut getarnt, verschmilzt fast mit dem Hintergrund, mit dem Raum, mit seinem Raum.

 

Der junge Karlsruher Maler Wenhao He lässt dieses und andere Tiere auf uns los – in der Galerie Lauffer in Stuttgart (Reinsburgstraße 178A). Am Freitag, 17. April wird die Schau eröffnet. An einem Abend, der noch weitere Ausstellungsstarts in Stuttgart bietet – ein Auftakt nach Maß für den Galerienrundgang am Samstag, 18. April (11 bis 20 Uhr) und am Sonntag, 19. April (11 bis 18 Uhr).

23 Galerien sind beim Art Alarm dabei, fünf kostenlose Touren mit prominenten Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlerinnen wie Szenegröße Sara Dahme und Staatsgalerie-Kurator Bertram Kaschek locken zum gemeinsamen Kunsterleben. Was ist zu sehen, was sind die Höhepunkte?

Art Alarm startet mit Ausstellungseröffnungen am 17. April

Vorweg: So laut kann leise sein. Das zieht sich durch diesen Frühjahrs-Galerienrundgang 2026. Da ist die ungemein verdienstvolle Schau zum „Eigensinn der Farbe“ und zur „Physik des Materials“ mit Werken des Stuttgarter Malers Matthias Lutzeyer in der Galerie Klaus Braun (Charlottenstraße 14, Eingang Passage, 5. Obergeschoss), die am 18. April um 15.30 Uhr mit einem Künstlergespräch eröffnet wird. Da erkundet, erforscht Magda Korsinsky mit Siebdruck, Textilien und Interviews das soziale Gefüge Familie – in einer Schau bei Dengler und Dengler (Rosenbergstraße 102A), die an diesem Freitag, 17. April, eröffnet wird. Da sind die feinen Dialoge, mit einem Lächeln fast, zwischen den Werken von Claudia Thorban und Uli Gsell in Marko Schachers Raum für Kunst (Blumenstraße 15). Und da ist auch genau dies – „Sound and Silence“ in den Bildern von Karin Betz in der Galerie Uno Art Space (Liststraße 27).

Bei Uno Art Space: Karin Betz, freeze Foto: Karin Betz/Uno Art Space

Stuttgart hat keine ambitionierte, national beachtete Kunstmesse, kein klangvolles Hallen- oder Hochhausprojekt, kein Stadtmarketing, das über die Kunst vor Ort den Standort feiert. Umso wichtiger ist der Galerienrundgang. Umso mehr steht er immer wieder auf dem Prüfstand. Kommen die Sammlerinnen und Sammler? Kommen die Kuratorinnen und Kuratoren kleiner und großer Museen? Kommen die Kritikerinnen und Kritiker überregionaler Medien? Kommt vor allem das Publikum? Dafür braucht es Magneten, keine Frage. Magneten wie den britischen Maler Justin Mortimer, einen international gefragten Virtuosen des Abgründigen, dessen Einzelschau in der Galerie Thomas Fuchs (Augustenstraße 63) für Staunen auf der Kunstbühne sorgt.

Art Alarm mit Premieren für Better Go South und Parri Blank

Auch Mut kann nicht schaden beim Art Alarm. Warum also nicht die eigene Schau „The Art of Now“ (Eröffnung an diesem Freitag, 17. April, 18 Uhr) betiteln, wenn man wie die Galerie Better Go South (Rotebühlstraße 175/1) erstmals beim Galerienrundgang Stuttgart dabei ist. Auch die Projektgalerie Parri Blank (Immenhofer Straße 47) hisst erstmals die Art Alarm-Flagge – und macht mit junger Kunst von Caroline Douville, Tina Graf, Beningo Mangovo und José Morban bekannt. Um zugleich mit einem Julio Rondo-Panorama das Scheinwerferlicht zurück auf das Zusammenspiel von laut und leise zu lenken. Mut braucht auch die Wiederentdeckung – wie jene von Hans Fähnle durch die Galerie Amann (Schwabstraße 69).

Stuttgarts Topographie provoziert auch für den Kunststandort eine Konzentration auf Mitte, Süd und West. Und doch hat es die Peripherie, die keine ist, in sich: Was für Räume etwa bietet die Galerie Abt Art in Möhringen (Rembrandtstraße 18), zum Art Alarm perfekt genutzt durch Stipendiaten der Ab-Straubinger-Stiftung (Eröffnung an diesem Freitag, 17. April, 19.30 Uhr) wie etwa das Installationskunst-Duo Super Vivaz (Lina und Johannes Baltruweit). Und welche Souveränität als internationale Konzeptkunstbühne zeigt die Galerie Brigitte March in Weilimdorf (Solitudestraße 254) auch nun wieder!

Art Alarm-Frühjahrsrundgang mit Tiefe und Haltung

Das Besondere im Leisen? Neue Arbeiten des Mexikaners Fernando García Correa zeigt die Galerie Michael Sturm (Christophstraße 6, Eröffnung an diesem Samstag, 18. April, von 11 Uhr an), die Schau „Von feiner Tiefe“ in der Galerie Imke Valentien (Liststraße 28/1) entführt etwa in die Stille von Katharina Hinsberg. Da ist der Weg kurz zu Kirstin Arndt, deren Arbeiten sich im Rund mit 19 weiteren Positionen zur Befragung von „Bestand und Haltung“ gruppieren – in der Galerie Schlichtenmaier (Kleiner Schlossplatz 11, Eröffnung an diesem Freitag, 17. April, 19.30 Uhr). Der Frühjahrsrundgang in Stuttgart? Kann sich sehen lassen!