War es Absicht oder Zufall? Ausgerechnet am Abend zur offiziellen „Langen Nacht der Museen und Galerien“ wurde die neue „Galerie am Turm“ der katholischen Kirche in Schönmünzach eröffnet.
Die moderne katholische Kirche St. Johannes-Evangelist an der alten Landesgrenze, 1965 von der Künstler- und Architektengruppe Helmut Basten, Emil Kiess und Franz Pucher entworfen, ist nicht nur wegen ihres bemerkenswerten Kreuzwegs von Emil Kiess ein besonderes Kunstwerk.
Jetzt geht dieses Kunstwerk eine weitere Verbindung mit der Kunst ein: In den Räumen des angegliederten Gemeindezentrums wurde eine Galerie für heimische Künstler eröffnet.
Zur Feierstunde waren zahlreiche Gemeindemitglieder und weitere Bürger zur Kirche gekommen, unter ihnen Landtagsabgeordnete Katrin Schindele (CDU) und Bürgermeister Michael Ruf, der in der Galerie einen neuen Weg im Bemühen sah, um Kirche lebendig bleiben zu lassen. Ruf wie auch andere Sprecher dankten und würdigten als Initiator Roland Janaczek, der das Projekt „mit Vehemenz vorangetrieben hat“, wie es der Bürgermeister ausdrückte.
Ein Raum zur Beruhigung und Entschleunigung
Großes Interesse fand die gleichzeitig eröffnete erste Ausstellung von Bildern und Arbeiten der Baiersbronner Künstler Cara Lila Bauer, Manfred Bischoff, Anna Eitel, Danielle Hermann und Christel Mutz.
Kunst und Kirche hätten seit Jahrhunderten mit der Glaubenslehre im Einklang gestanden, meinte in seiner Begrüßung Roland Janaczek. Mit der Galerie wolle die Gemeinde einen Raum zur Beruhigung und Entschleunigung bieten.
Kunst solle dem Betrachter die Augen öffnen für das Unsichtbare, für Dimensionen der Wirklichkeit, die man normalerweise nicht so einfach sehen kann, führte Diakon Dominik Weiß in seiner lebendigen Betrachtung über den Zusammenhang von Kirche, Kunst und Spiritualität aus. In diese bezog er auch einige der ausgestellten Bilder beispielhaft ein. Kunst und Kirche fänden in der Galerie am Turm einen gemeinsamen Raum, um sich zu ergänzen, sich wechselseitig kritisch zu hinterfragen und sich gegenseitig zu befruchten, so Weiß.
Auch Bürgermeister Ruf verwies auf die Verbindung von Kirche und Kunst, die in der Geschichte durchaus nicht immer nur harmonisch war. Die Kirche habe die Kunst – etwa in der Malerei und in der Musik – auch genutzt, um ihre Botschaft zu transportieren.
Auch kleine Künstler zeigen ihre Werke
Die Galerie am Turm hat eine weitere liebenswerte Besonderheit. Sie bietet auch kleinen Künstlern aus dem nahen Kindergarten die Möglichkeit, ihre Kunstwerke auszustellen. Da waren bereits einige farbenfrohe und fantasievolle Beispiele zu entdecken. Mit unterhaltsamer Musik der Gruppe „Zero Notes“ mündeten die Eröffnungsfeierlichkeiten in Häppchen und Getränken.
Die Galerie am Turm ist immer Dienstag und Samstag jeweils von 14 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit geöffnet, für Gruppen nach Vereinbarung über das katholische Pfarrbüro in Baiersbronn. Künstler, die ihre Werke in der Galerie ausstellen möchten, können sich ebenfalls an das Pfarrbüro wenden.