Rund sechs Monate ist Wildbärin Luna nun in der Freianlage im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach. Noch immer leidet sie unter der Gefangenschaft.
Ruhig ist es geworden um den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach, seit dort vor rund einem halben Jahr, im Sommer 2025, die ehemalige Wildbärin JJ4 angekommen ist.
Inzwischen trägt sie den Namen Luna. Wie sie sich in ihrer neuen Umgebung einlebt und ob sie sich wie andere Bären im Winterschlaf befindet, darüber hat der Park nun Auskunft gegeben.
Christopher Schmidt, zuständig für die Pressearbeit bei der Stiftung für Bären – Wildtier- und Artenschutz, erklärte auf Anfrage unserer Redaktion: „Sie gewöhnt sich allmählich an die Anlage, leidet aber noch stark unter der Gefangenschaft. Wir tun unser Bestes und lassen ihr vor allem Raum, ihren eigenen Rhythmus zu finden, doch es wird noch ein sehr langer Weg sein.“
Anders als freilebende Wildbären befindet sich Luna derzeit nicht im Winterschlaf. Schmidt erläutert jedoch, dass ihr in ihrem Areal eine Höhle zur Verfügung stehe, die ihr grundsätzlich die Möglichkeit biete, dort zu überwintern.
Darum schlafen die Bären nicht
Auch andere Bären im Park – Agonis, Arian und Arthos – befinden sich aktuell nicht in der Winterruhe. Der Grund dafür liege in ihren traumatischen Erfahrungen. Allerdings sei bei ihnen nach mehreren Jahren zu beobachten gewesen, dass sie sich inzwischen zumindest zeitweise in Höhlen zurückgezogen hätten.
Bei Luna könnte laut Schmidt eine weitere Ursache hinzukommen: Möglicherweise sehe sie das Areal, in dem sie nun leben muss, noch nicht als ihr eigenes Habitat an. Eventuell empfinde sie die Umgebung als nicht sicher genug, da sie ihr fremd sei und sie sie nicht verlassen könne.
„Für einen ehemaligen Wildbären ist es die Höchststrafe, in Gefangenschaft leben zu müssen, mehr noch, als für Wildtiere, die in Gefangenschaft geboren wurden. Zudem ist sie recht alt, hat ihr ganzes Leben in Freiheit verbracht. Es wird seine Zeit brauchen, bis sie sich mit der Situation arrangiert haben wird. Wir stehen ihr dahingehend bei, sorgen für Schutz und Nahrung, geben ihr aber allen voran Rückzugsmöglichkeiten, so dass sie ihren Tagesablauf selbst bestimmen kann. Momentan ist sie vorwiegend nachtaktiv, was typisch für Bären aus dem Trentino ist,“ führt Schmidt weiter aus.
Auch Lunas Mutter Jurka habe anfangs große Schwierigkeiten mit der Winterruhe gehabt und diese über mehrere Jahre hinweg nicht gehalten. „Wir haben sie beobachtet und entsprechend reagiert, sodass sie seitdem jedes Jahr im Winter ruht. Auch bei Luna hoffen wir, durch genauste Beobachtungen und intensive Studien ihres Falls, ihrer Geschichte, ihres Hintergrunds, entsprechend agieren zu können,“ so Schmidt.
Eine besonders spannende Beobachtung sei zudem Lunas Interaktion mit einem Eichhäher gewesen. Als der Vogel Menschen erspähte und Alarmrufe ausstieß, habe Luna dies wahrgenommen und sich unverzüglich ins Dickicht zurückgezogen. Dies zeige eindrucksvoll, wie feinfühlig Wildtiere miteinander interagieren. So komme es vor, dass eine alte Bärin gewissermaßen ihre eigene gefiederte Alarmanlage habe.
Kein Konzept der Zukunft
Abschließend betont er jedoch einen grundsätzlichen Aspekt des Artenschutzes, „dass dies genau die Gründe sind, weshalb Wildbären aus der Natur nie in Gefangenschaft leben sollten. Dies gilt grundlegend für Wildfänge. Dies darf kein Konzept für die Zukunft werden, kein Standardverfahren. Die Tiere sind auffällig, weil der Mensch sich in der Natur falsch verhält. Um solche schrecklichen Schicksale zu vermeiden, gilt es den natürlichen Lebensraum der Tiere zu achten, zu schützen und idealerweise zu meiden.“