Trotz der Kritik von Naturschutz- und Verkehrsverbänden: Der Bau des umstrittenen Pfaffensteigtunnels rückt näher.
Der Ausbau und die Modernisierung der Bahnverbindung Stuttgart–Zürich gewinnen an Fahrt. Die Deutsche Bahn hat am Montag, 9. Februar, mit den Vorarbeiten für den Vortrieb des Pfaffensteigtunnels begonnen. Dies berichtet die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.
Nördlich des Flughafens Stuttgart und der Autobahn A 8 laufen die Erdarbeiten auf der zentralen Baustelleneinrichtungsfläche. Erst kürzlich hatten Bund und Bahn die Finanzierungsvereinbarung für den Pfaffensteigtunnel geschlossen, im Dezember 2025 hatte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Baugenehmigung für den Großteil des Projekts erteilt.
Im Rahmen der jetzt begonnenen vorbereitenden Arbeiten werde zunächst auf einer rund drei Hektar großen Fläche der Ober- und Unterboden abgeschoben. Anschließend, so die Firma, werden die Zufahrten zu dieser Fläche hergestellt, Vorbereitungen für den Bau einer Lärmschutzwand getroffen sowie der Einsatz von Großbohrgeräten vorbereitet. „Die nun laufenden Arbeiten dienen dazu, dass im Anschluss der Startschacht für die maschinellen Tunnelvortriebe gegraben werden kann. Vom Startschacht aus werden die beiden Röhren mit zwei Tunnelvortriebsmaschinen aufgefahren.“
Der Ablauf im Einzelnen
Zu den planerischen Einzelheiten heißt es in der Mitteilung: Die Planung des Projekts ist in Abschnitte aufgeteilt. Die für den Planfeststellungsabschnitt (PFA) 1 Ende 2025 erteilte Baugenehmigung umfasst den bergmännisch herzustellenden Teil des Pfaffensteigtunnels mit einer Länge von 10,8 Kilometern. Im PFA 2 schließt sich der in offener Bauweise zu errichtende rund 300 Meter lange Teil des Pfaffensteigtunnels an, gefolgt von den oberirdischen Streckenabschnitten bis zur zwischen Böblingen und Sindelfingen gelegenen S-Bahn-Station Goldberg. Die Planfeststellungsunterlagen für den zweiten Projektabschnitt hat die Bahn im April 2025 beim EBA eingereicht.
Anschluss an Flughafen
Der Ausbau der Gäubahn – und damit auch der Bau des Pfaffensteigtunnels – ist im Bedarfsplan für die Bundesschienenwege als vordringlich aufgeführt. Somit liegt der Pfaffensteigtunnel als Teil des Bundesschienenwegeausbaugesetzes im „überragenden öffentlichen Interesse“. Der Bund hat deshalb die Deutsche Bahn mit dem Bau des Tunnels beauftragt.
Mit dem Pfaffensteigtunnel wird die Gäubahn an den Flughafen sowie weiterführend an den künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof angeschlossen.
Weiter berichtet die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH: „Der Tunnel bildet die Basis für den Deutschlandtakt auf der Gäubahn und für eine rund 15 Minuten kürzere Reisezeit zwischen Stuttgart und Zürich. Viele Fahrgäste profitieren überdies davon, dass sich die Reisezeit zwischen Böblingen und Flughafen von heute 22 auf künftig etwa sieben Minuten verkürzt. Zudem können Reisende von der Gäubahn aus bereits am Flughafen bequem auf schnelle Verbindungen in Richtung Ulm und München umsteigen.“
Kritik am Tunnelprojekt
Naturschutz- und Verkehrsverbände sowie das überregionale Gäubahn-Bündnis üben seit Monaten Kritik an den Tunnelplänen. Sie halten den Tunnel gemessen an der Ausnutzung für zu teuer und fordern den Beibehalt des Direktanschlusses der Gäubahn an den Hauptbahnhof Stuttgart.
Das Pro Gäubahn Landesbündnis beispielsweise kritisiert den zum Jahreswechsel erfolgten Planfeststellungsbeschluss scharf. Mit ihm rückt nach Auffassung des Bündnisses die von Deutscher Bahn und Politik geplante Kappung der Gäubahn einen entscheidenden Schritt näher. Der Pfaffensteigtunnel habe, so Katja Rommelspacher vom Tuttlinger Pro Gäubahn Bündnis, vor allem eine politische Beruhigungsfunktion und sei aus Sicht der Wirtschaftlichkeit und des Klimaschutzes eine völlige Fehlinvestition: Er solle Gäubahn-Anlieger ruhigstellen und den Widerstand brechen, den es längst auch bei Oberbürgermeistern entlang der Gäubahn gibt.
Zahlen, Daten, Fakten
Zahlen zum geplanten Tunnel:
Die Länge des Pfaffensteigtunnels beträgt rund elf Kilometer, davon werden 300 Meter in offener Bauweise erstellt. Der oberirdische Streckenabschnitt bis Böblingen-Goldberg beträgt rund drei Kilometer.
Chronologie
-18. Oktober 2021: Beauftragung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH mit der Vorplanung für den Pfaffensteigtunnel-18. Juli 2022: Votum des S 21-Lenkungskreises pro Pfaffensteigtunnel-6. November 2023: Start des Partnerschaftsmodells Schiene, Unterzeichnung des Mehrparteienvertrags-5. April 2024: Die DB reicht die Planfeststellungsunterlagen für den PFA 1 beim Eisenbahn-Bundesamt ein.-7. April 2025: Die DB reicht die Planfeststellungsunterlagen für den PFA 2 beim Eisenbahn-Bundesamt ein.-18. Dezember 2025: Bund und Bahn unterzeichnen die Finanzierungsvereinbarung zum Bau des Pfaffensteigtunnels-22. Dezember 2025: Das Eisenbahn-Bundesamt erteilt den Planfeststellungsbeschluss für den PFA 1-9. Februar 2026: Beginn der vorbereitenden Arbeiten