Jürgen Resch (Mitte, hellblaues Hemd), Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, war am Sonntag am Rottweiler Bahnhof zum Gespräch zu Gast. Foto: Moni Marce

Plakate, Banner, beschriftete Leuchtwesten: Mit einigen Vertretern empfing die Pro Gäubahn-Initiative am Sonntag den Chef der Deutschen Umwelthilfe DUH, Jürgen Resch, am Rottweiler Bahnhof.

Die DUH klagt gegen die Kappung der Gäubahn, also gegen die Pläne der Bahn, dass die Zugreisenden aus Deutschlands Süden, der Schweiz oder Italien nicht mehr direkt zum Hauptbahnhof fahren können, um dort umzusteigen, sondern mit der S-Bahn ab Vaihingen hinfahren müssen und längerfristig – sollte das umstrittene Pfaffensteigtunnel eines Tages gebaut sein, – zwar direkt an den Stuttgarter Flughafen kommen, aber eben nicht zum Hauptbahnhof.

 

Michael Leibrecht, Sprecher der Initiative, dankte zunächst der FDP. Durch ihr Beharren auf der Schuldenbremse habe sie dafür gesorgt, dass die Bahn im Moment kein Geld habe, um das teure Tunnelprojekt – es soll das längste Deutschlands werden – zu bauen, meinte Leibrecht.

Und auch die Ankündigung, dass der Tiefbahnhof noch länger Baustelle sein wird, spiele den Kappungs-Gegnern in die Karten, meinte er. Denn nun würden die oberirdischen Gleise noch einige Zeit länger gebraucht, und damit steige die Chance, dass die Gäubahn erhalten bleibe.

Nicht genug Gleise

Jürgen Resch dankte seinerseits und mehr als leicht ironisch dem Bahnvorstand, dass der nun auf seinen Vorschlag eingegangen sei: Unter diesen Umständen brauche es dringend eine bessere Verbindung zwischen unten und oben, besser als den „Fernwanderweg“, den Reisende jetzt in Kauf nehmen müssen.

Er stellte aber auch klar, dass es bei den Verantwortlichen Bestrebungen gebe, die Gäubahn so unattraktiv zu machen, dass sie kaum noch genutzt werde und dadurch als unwirtschaftlich abgetan werden könne.

Zudem gebe es Pläne für einen Nord- und Südbahnhof in Stuttgart, wo eines Tages die Züge aus Norden und Süden enden könnten, ähnlich wie in London. Dann müssten die Reisenden eben schauen, wie sie von dort zum Hauptbahnhof kommen – mit S-Bahn, Taxi oder sonst wie. So werde dann auch kaschiert, dass der Tiefbahnhof gar nicht genug Gleise habe für all die Züge, die im Rahmen des Deutschlandtakts vorgesehen seien.

Harte Auseinandersetzung

Darum sei die Klage der DUH gegen die Kappung so wichtig, betonte er. Man gehe davon aus, sich durch alle Instanzen klagen zu müssen – Spenden seien daher umso mehr willkommen. „Wir stellen uns auf eine sehr harte Auseinandersetzung ein.“

Resch forderte die etwa 40 Anwesenden auf, laut zu sein und den Verantwortlichen weiter in den Ohren zu liegen mit ihrer Forderung, auch zukünftig direkt zum Hauptbahnhof fahren zu wollen. Kürzlich habe ihn Bahnchef Lutz gefragt, woher er, Resch, denn wisse, dass die Leute aus dem Süden das tatsächlich wollten.

Resch zeigte zudem auf, wie sehr die Bahninfrastruktur im Vergleich zur Straße in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden sei: Die Weichen hätten Technik aus vorigen Jahrhunderten, bei Gleisarbeiten müssten die Arbeiter per Telefon informiert werden, wann wieder ein Zug komme, während die Straßenmeistereien mit modernster Technik ausgestattet seien, meinte er.

Schiene als Grundversorgung“

„Wir wollen die Schiene als Grundversorgung,“ so Jürgen Resch. Man solle sich nur einmal vorstellen, was passiere, wenn man eine Autobahn kurzerhand für 15 Jahre kappe und den Leuten sage, sie sollten auf das Fahrrad umsteigen, ergänzte er.

Den wieder zweigleisigen Ausbau der Gäubahn wolle man gemeinsam mit der SBB, den Schweizer Bundesbahnen, durchsetzen, wenigstens auf den Standard von 1945. Und verspüre hier auch Rückenwind. Den hatte Hans-Jörg Jekel aus Stuttgart mitgebracht, mit der Forderung aus der Landeshauptstadt: „Wir wollen zum Bodensee!“

Zum Szenario, wenn alle Besucher 2028 zur Landesgartenschau mit dem Auto nach Rottweil kämen, sagte Michael Leibrecht: „Dann brauchen wir Parkplätze bis nach Deißlingen.“ Die Gruppe fuhr dann, selbstverständlich mit der Bahn, weiter nach Singen, wo eine große Veranstaltung Pro Gäubahn stattfand.