Die Pro-Gäubahn-Initiative Rottweil wendet sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Christian Ruf und die Stadträte. Sie vermisst eine klare Stellungnahme aus Rottweil gegen das Abhängen vom Stuttgarter Hauptbahnhof.
Die überparteiliche Gruppe zeigt sich bestürzt über die Pläne der Bahn zum künftigen Betrieb der Strecke Stuttgart-Singen. Im offenen Brief an die gewählten Repräsentanten der Rottweiler Bürgerschaft, unterzeichnet von Michael Leibrecht, Herbert Gilly, Helmut Kreiter, Margit Gärtner, Wolfgang Grohe, Thomas Lippert, Dieter Weitz, Hermann Weik, Eva Maria Krause, Michael Rais, Eckehard Hausen und Andreas Frankenhauser, stellt die „Initiative Pro Gäubahn – wir wollen zum Hauptbahnhof“ nochmals fest: Ab 2025 solle die Gäubahn vom Stuttgarter Hauptbahnhof abgehängt werden. „Es ist davon auszugehen, dass dieses mindestens 20 Jahre so bleibt.“ Betroffen seien davon rund 1,4 Millionen Menschen im südwestlichen Landesteil. Der etwa elf Kilometer lange Pfaffensteigtunnel von Böblingen bis zum Flughafen als zukünftige Direktverbindung zum Hauptbahnhof sei noch nicht einmal planfestgestellt, „und Sie kennen die Dauer für den Bau solch großer Projekte. Die frühere internationale Bahnmagistrale Stuttgart- Zürich-Mailand wird also vernichtet“. Neben den Städten Tuttlingen, Engen, Singen und Konstanz treffe es vor allem Rottweil, da die Landesgartenschau 2028 bahnmäßig nicht ohne Umsteigen aus Stuttgart erreichbar sein wird.
Utopisches Vorhaben
Eine im Faktencheck in Horb propagierte Weiterführung der S-Bahn bis Rottweil hält die Initiative für utopisch, da einerseits die Fahrzeuge fehlten, andererseits die Verdichtung der Linien im Stadtbezirk Stuttgart gar nicht mehr möglich sei. Die Züge führen jetzt schon in der Hauptverkehrszeit im Zweieinhalb-Minuten-Abstand.
Auf 20 Jahre abgehängt
„Wir wissen, dass die Beibehaltung der Verbindung über die Panoramastrecke zum Hauptbahnhof durch die Stadt Stuttgart und nicht durch die DB blockiert wird“, vermisst die Initiative Pro Gäubahn einen vehementen Einspruch und Protest aus Rottweil. „ Die Politik kann, wenn der Wille vorhanden ist, noch Änderungen am Bahnkonzept erreichen. Die Bahn gehört dem Bund.“
Klare Forderungen
In der möglichen S-Bahn-Anbindung sieht die Initiative eine „Beruhigungspille“. Ob sie je komme, stehe in den Sternen. Die Forderung der Initiative im offenen Brief ist daher eindeutig: OB und Gemeinderat sollen sich hörbar dafür einsetzen, dass
bis zur Fertigstellung des Direktanschlusses der Gäubahn an den Hauptbahnhof Stuttgart die heutige Anbindung von der Schweizer Grenze über die Panoramabahn bis zum Kopfbahnhof Stuttgart beibehalten werden muss.
der Zugbetrieb weiterhin mit regulären Zügen der DB gewährleistet wird. Die S-Bahn ist kein Ersatz.
die im Vertrag von Lugano eingegangenen Verpflichtungen wie die Verkürzung der Reisezeit und die damit verbundene Ertüchtigung der Gäubahn durch zweigleisigen Wiederaufbau vollumfänglich umgesetzt werden.