Die Zugfahrt von Horb zum Stuttgarter Hauptbahnhof: Verbände fordern seit langem, dass diese Verbindung erhalten bleibt. Foto: Jürgen Lück

VCD, BUND und Pro Bahn kritisieren die Genehmigung des Pfaffensteigtunnels durch das Eisenbahnbundesamt.

Die Genehmigung des Pfaffensteigtunnels durch das Eisenbahnbundesamt stößt bei Verbänden auf Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Baden-Württemberg, der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) Baden-Württemberg und der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnen das Projekt als überdimensioniert. Mittelbar davon betroffen seien auch Horb und andere Gäubahn-Anliegergemeinden. Denn dort werde nicht in den Ausbau der Strecke investiert.

 

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: „Die Genehmigung des Pfaffensteigtunnels ändert nichts an den grundlegenden verkehrlichen und klimapolitischen Problemen dieses Projekts. Der Tunnel ist ein überdimensioniertes Milliardenprojekt ohne unmittelbaren Nutzen für Fahrgäste. Trotz Baukosten von rund drei Milliarden Euro ermöglicht der Tunnel nur eine sehr begrenzte Zugzahl, während dringend notwendige Engpassbeseitigungen im bundesweiten Schienennetz weiter aufgeschoben werden.“

Forderung zur Gäubahn

Die Verbände bekräftigen ihre zentrale Forderung: Die Züge der Gäubahn müssen auch über 2027 hinaus dauerhaft und ohne Unterbrechung über die Panoramabahn direkt in den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren. Die Pendler sollten nicht zusätzlich in Stuttgart-Vaihingen umsteigen müssen.

Die Verbände argumentieren: „Mit überschaubaren Mitteln kann die bestehende Panoramastrecke erhalten werden – das wäre die schnellste, günstigste und klimafreundlichste Lösung. Die Entscheidung des Eisenbahnbundesamts entlässt die Bahn nicht aus der Pflicht, Alternativen ernsthaft zu prüfen sowie die Sanierung und den Erhalt der bestehenden Infrastruktur weiter voranzutreiben.“

Verweis auf Alternativen

Die Umwelt- und Mobilitätsverbände BUND, VCD und Pro Bahn setzen sich seit langem für Verbesserungen beim Projekt S 21 ein, für Fahrgäste, Klima und Umwelt.

Besonderes Anliegen ist ihnen der dauerhafte Erhalt einer umsteigefreien Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Verbände kritisieren insbesondere den schlechten volkswirtschaftlichen Nutzen des Tunnels: Nur drei bis vier Züge pro Stunde und Richtung, seien möglich, was ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis darstelle. Die sogenannte Kombilösung mit Sanierung der Panoramabahn und Erhalt oberirdischer Gleise sei schneller, günstiger und klimafreundlicher umsetzbar.

Die Vorteile davon seien die weiterhin leistungsfähige Anbindung des Mobilitätsknotens und Arbeitsplatzschwerpunkts S-Vaihingen statt der kaum nachgefragten Flughafenanbindung.

Falsche Investition?

Die Verbände halten die Investition in den Tunnel für verfehlt: „Die Milliarden für den Pfaffensteigtunnel fehlen für die dringend notwendige Sanierung und den Ausbau des südlichen Abschnitts der Gäubahn zwischen Horb und Singen sowie für die Beseitigung von Engpässen im bundesweiten Schienennetz.“

Als weiterer Punkt wird die Belastung der Fahrgäste genannt: Die lange Bauzeit von mindestens sechs Jahren mit jahrelangem Zwangsumstieg in Stuttgart-Vaihingen auf überlastete S- und U-Bahnen könne zu einer „Rückverlagerung aufs Auto bei parallelem Ausbau der A 81“ führen.

Dies verursacht nach Ansicht der Verbünde einen hohen Klimaschaden: „Rund 350 000 Tonnen CO₂-Emissionen allein durch den Bau stehen den Klimazielen des Landes entgegen.“