Die Schweizerische Bundesbahn (SBB) auf der Gäubahn-Strecke bei Horb (Archivfoto) Foto: Hopp

Wird jetzt alles gut auf der Gäubahn und damit auch für alle aus der Raumschaft, die mit ihr in die Landeshauptstadt pendeln? Die Bahn hat angeboten, den Flughafentunnel zum Teil vorzufinanzieren. Politiker bewerten es positiv, aber es gibt auch harte Kritik.

Stuttgart/Horb - Ist das jetzt der Durchbruch auf der Gäubahn-Verbindung zwischen Horb, dem Flughafen Stuttgart und dem zukünftigen Tiefbahnhof?

 

Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger: "Die Erwartungshaltung von uns als Stadt und den Gäubahn-Anrainern wurde erfüllt. Dass die Bahn schon in finanzielle Vorleistung für den Tunnel geht, der noch nicht in der Planfeststellung ist, ist ein guter Schritt aus unserer Sicht. Wenn die Bahn dazu bereit ist, hoffe ich, dass auch alle anderen Beteiligten bereit sind, eine Lösung zu finden. Selbst Verkehrsminister Winfried Hermann, der bisher als Skeptiker galt, hat das als gute Lösung empfunden. So lese ich es heraus."

Deutsche Bahn stand unter Druck

Andere sind da skeptischer. Beispielsweise Mathias Lieb, Fahrgastbeirat und Landesvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er sagt: "Die Deutsche Bahn hat enorm unter Druck gestanden, um mit den Bauarbeiten am Flughafen weiter zu kommen."

Fakt ist: Die Bahn hatte zugesagt, aus den, in ihren Büchern für die Rohrer Kurve und das dritte Gleis am Flughafen, eingeplanten 270 Millionen Euro umzuschichten und dieses Geld für den neuen Gäubahn-Tunnel einzusetzen."

Lieb: "Dadurch wird der gesamte Tunnel aber nicht schneller fertig. Und die Unterbrechung der Gäubahn nicht kürzer. Es ist ein Pokerspiel: Die Bahn hat mit dieser Ankündigung vorgelegt. Spannend wird es, ob der Bund jetzt mitzieht bei einer schnellen Finanzierung. Oder ob er sagt: Wer den Tunnel früher will, muss auch etwas finanziell dazu beitragen."

Jahrelange Unterbrechung der Gäubahn

Völlig ungeklärt bleibt auch die Frage, ob die Gäubahn-Passagiere ab 2025 in Vaihingen auf die S-Bahn umsteigen müssen und wie lange. Umweltverbände – auch der VCD – hatten gemeinsam ein Rechtsgutachten vorgelegt, wonach das Eisenbahnbundesamt der Bahn lediglich erlaubt habe, den Betrieb der Gäubahn für einige Monate zu unterbrechen. Ein langer Zeitraum wie beispielsweise den jetzt absehbaren mindestens zehn Jahren sei nicht legal.

VCD-Landeschef Lieb: "Die Frage, ob man die Gäubahn als kleinste Lösung weiter über die Panoramabahn in Stuttgart eingleisig zum Hauptbahnhof fahren lässt, bleibt höchst aktuell." Dies würde laut einem Gutachten im Auftrag der Deutschen Bahn lediglich 1,5 Millionen Euro kosten. Lieb: "Die Stadt Stuttgart drängt die Bahn auf eine schnelle Vereinbarung, die Brücken an der Wolframstraße (hier fährt die Gäubahn rüber, rechts sind Milaneo und Co., Anm. d. Red.) abzureißen. Damit wäre die Gäubahn-Strecke gekappt. Solange unabhängig vom Pfaffensteigtunnel keine bessere Lösung als die jahrelange Unterbrechung der Gäubahn vorhanden ist, sollte weiter gerungen werden!"

Plan ist ein "weiterer Schritt im Abstiegsprozess"

Andras Frankenhauser, Sprecher der Initiative "Pro Gäubahn" übt schwere Kritik: "Es soll ein sündhaft teurer Tunnel mit Steuergeldern gebaut werden, der die Gäubahn auf Jahre abhängt." Es würden damit keine neuen Kapazitäten geschaffen. Im Gegenteil: "Es ist eine Katastrophe für die Streckenanlieger. Ein Bedeutungsverlust. Die Gäubahn wird vom Fernverkehr abgehängt. Das macht auch auf Dauer kein Verkehrsbetrieb mit." Der Plan sei ein "weiterer Schritt im Abstiegsprozess der Gäubahn".

Frankenhauser warnt vor einem Trugschluss: "Hier geht es um keinen Ausbau, sondern um einen Ersatzbau." Zehn Jahre Bauzeit hält er für völlig unrealistisch. "Werden wir das noch erleben? Der übliche Zeitablauf von der Projektidee bis zur Übergabe an den Verkehr beträgt durchschnittlich 30 Jahre. Also rechne ich nicht vor 2050 mit der Fertigstellung."

Weitere Nachteile laut Frankenhauser: "Es sind mehr Streckenkilometer, die gefahren werden. Außerdem ist der Fildertunnel eigentlich schon dicht. Die Strecke führt in einen Flaschenhals." Für den Bahn-Vielfahrer ist nicht nachvollziehbar, dass die bestehende Gäubahn-Strecke, die Kapazitäten hat, stillgelegt und abgebaut werden soll. Das Ziel müsse es sein, die Gäubahn-Strecke und den oberirdischen Kopfbahnhof so lange zu erhalten, bis eine Alternative fertiggestellt sei, so wie es auch bei den Stuttgart 21-Plänen versprochen worden sei. "Und das neue Gutachten sagt ja auch, dass die jahrzehntelange Stilllegung rechtlich nicht zulässig ist. Der Lenkungskreis ist über dieses Gutachten einfach hinweggegangen."

"Langes Abhängen von Fernverkehrsverbindungen wäre der Tod!"

Der Horber Bahnexperte Dieter Rominger-Seyrich (SPD-Stadrat) sieht das ähnlich kritisch: "Schon eine zehnjährige Unterbrechung der Gäubahn wäre ein Fiasko. Ein so langes Abhängen der Gäubahn von den Fernverkehrsverbindungen wäre der Tod!"

Hat Horbs Ex-OB Michael Theurer (FDP), jetzt parlamentarischer Staatssekretär Schienenverkehr im Bundesverkehrsministerium, Hoffnung auf einen schnellen Tunnel? Theurer sagt unserer Redaktion: "Aufgrund der volkswirtschaftlich positiven Bewertung des im Deutschlandtakt hinterlegten neuen Konzeptes zur Gäubahn wird der Gäubahntunnel (Pfaffensteigtunnel) zum Großteil über den Bedarfsplan für die Bundesschienenwege finanziert. 270 Millionen Euro sollen von den S 21-Projektpartnern als Ausgleich für durch das neue Konzept im Projekt S 21 ersparte Aufwendungen getragen werden. Die Gäubahn gehörte bereits vor der neuen Konzeption zu den vom Bund priorisierten Projekten und wird nach wie vor entsprechend vorangetrieben."